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"Blumendisko": Rian spendiert eine Lokalrunde Good Vibes

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Gute Laune ist Programm: Rian geht demnächst auf Tour
Er gehört zu den heimischen Pop-Shootingstars der letzten Jahre: Dem Musiker und Sänger Rian gelang 2024 mit dem launigen Song "Verwandtschaftstreffen" über eine aus dem Ruder laufende Familienzusammenkunft ein Riesenhit. Er räumte im Vorjahr gleich drei Amadeus Awards ab und verkaufte kurz vor Weihnachten den Wiener Gasometer aus. Nun veröffentlicht der gebürtige Kärntner sein Debütalbum "Blumendisko" - ein Titel, der seine Musik gut auf den Punkt bringt, wie Rian meint.

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"Blumendisko beschreibt zum einen - ohne es allzu poetisch sagen zu wollen - den Raum, in dem die Geschichten der Songs stattfinden, und zum anderen die Richtung oder das Genre, in dem ich meine Musik sehe, gut", sagt der Sänger im APA-Gespräch. Schön, leicht, tanzbar, gute Laune nennt er als Stichworte. Tatsächlich durchzieht das gute Dutzend Songs ein Maß an Feel-Good-Vibes, dem man sich kaum entziehen kann, und ist damit so etwas wie ein Gegengift zur kollektiven Depression unserer Zeit.

Poppige Ohrwurmmelodien über einem pfiffigen Beat gepaart mit charmant witzigen, ein bisschen frechen Texten über den Wahnsinn des Alltags ist die Zaubermixtur, mit der der rund 30-Jährige - das genaue Alter verrät Rian nicht - sein Publikum ködert. "Ich weiß es gar nicht so genau", sagt er selbst nach seinem Erfolgsrezept gefragt: "Ich glaube, dass viele Themen nachvollziehbar sind oder zumindest lustig und unterhaltsam. Das macht sicher viel aus. Ich möchte über Dinge singen, die man greifen kann." Das Ergebnis sind Zweieinhalb- bis Dreiminüter über familiäre Entgleisungen ("Verwandtschaftstreffen"), die fröhlichen Auswüchse der Heimarbeit ("Home Office"), die Karikatur eines perfekten "Schwiegersohn" oder über Furzen in der U-Bahn, Ins-Meer-Pinkeln oder anderes allzu Menschliches, über das man nicht so gerne spricht ("Kennst du das?).

Die Ideen kommen "nicht nur aus dem engen Umfeld, sondern auch aus dem erweiterten Kreis. Ich bin gerne Beobachter und Zuhörer, da kriegt man schon viele Dinge mit", erzählt Rian. Seine Songs singt er - auch wenn in der jungen österreichischen Popmusik der Dialekt wieder hoch im Kurs steht - auf Hochdeutsch. "Mir ist wichtig, im deutschsprachigen Raum so universell wie möglich zu sein, damit mich jeder versteht. Wenn ich im Dialekt singen würde, würden die Leute in Hamburg wohl sehr wenig verstehen. Und bei mir ist der Text sehr wichtig."

Grundstock für den Erfolg des Kärntners, der eigentlich Florian Gruber heißt, mit acht Jahren beim Schlagen auf Kochtöpfe erstmals seiner Musikalität freien Lauf gelassen hat und inzwischen u.a. mit Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug fachgerecht umzugehen weiß, war 2022 sein Song "Schwarzes Schaf", der auf TikTok viral ging. So richtig in Fahrt kam Rians Karriere dann 2024 mit dem Überhit "Verwandtschaftstreffen", ein Jahr später räumte er beim Amadeus ab und tourte durch Deutschland und Österreich. "Ich hatte immer das Gefühl, dass eh viel passiert. Aber im vergangenen Jahr ist wirklich so viel passiert, dass ich gemerkt habe, dass die Jahre davor nix passiert ist", lacht der Entertainer.

Die Schlagzahl wird auch dieses Jahr hoch bleiben. Für den Amadeus Award ist Rian heuer zwei Mal nominiert, in der Kategorie Pop/Rock und für den Song des Jahres ("Hausparty"). Abgesehen davon folgt nach dem Albumrelease Ende Februar die vorerst zweimonatige Tour mit knapp zwei Dutzend großteils ausverkauften Gigs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über den Sommer gibt er außerdem gemeinsam mit dem heimischen Hitkompagnon Josh. acht gemeinsame Open-Air-Konzerte. Ist er aufgeregt? "Ja schon. Ich finde es aber ganz wichtig, nervös zu sein, weil ohne Nervosität bin ich fehleranfälliger. Ich brauche das, um 100 Prozent da zu sein."

Streng genommen ist "Blumendisko" gar nicht Rians Debüt. Bereits 2018 hat er ein selbstbetiteltes Album herausgebracht - allerdings mit englischen Songs, die eher nach Reißbrettschmusepop klingen. Er habe da noch nicht wirklich gewusst, "wohin ich will", schaue aber trotzdem positiv auf diese Zeit zurück, denn Dinge ausprobieren und Fehler machen gehörten einfach dazu. Inzwischen scheint der heimische Neo-Popstar endgültig dort angekommen zu sein, wo er sich wohlfühlt: "Das war schon ein langer breiter Weg, diese Leichtigkeit in die Songs reinbringen zu können - dass man die Freiheit hat, das so machen zu können. Da hab ich mich schon ein bissl durchboxen müssen."

Hat er mit "Schwarzes Schaf" trotz zig Millionen Klicks auf TikTok kaum etwas verdient, kann Rian inzwischen von seiner Musik leben. Gibt es - für alle Fälle - trotzdem einen Plan B? "Nein, den hat es nie gegeben. So etwas lenkt nur ab."

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - https://rianmusic.at/ )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/GEORG HOCHMUTH

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