ABO

WWF ortet hierzulande Missstände beim Bodenschutz

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
In Österreich wird immer noch viel zu viel verbaut
©APA, THEMENBILD, BARBARA GINDL
Rund ein Jahr nach der Angelobung der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS kritisiert die Naturschutzorganisation WWF Österreich Stillstand und Rückschritt in Sachen Bodenpolitik. Das zeige der am Dienstag veröffentlichte Bodenschutz-Monitor der NGO auf Basis einer Analyse von zwölf Schlüsselstellen des Regierungsprogramms. "Es gibt große Defizite und viel Aufholbedarf, wenn die Koalition ihre eigenen Versprechen mit Leben erfüllen will", so der WWF-Experte Simon Pories.

von

Bodenschutz habe in Österreich noch nicht die notwendige Priorität, so Pories. Mit einem Bodenverbrauch von 6,5 Hektar pro Tag, was rund neun Fußballfeldern entspricht, werde das im Regierungsprogramm verankerte Ziel von 2,5 Hektar derzeit noch deutlich verfehlt. Der WWF fordert daher die rasche Vorlage wirksamer Maßnahmen gegen die Bodenversiegelung.

Für die am Dienstag vorgelegte Analyse untersuchte die NGO laut eigenen Angaben zwölf Punkte des Koalitionspaktes mit direkter und indirekter Bodenschutz-Relevanz. Die Ergebnisse seien als "wenig ambitioniert" einzustufen. Bei sieben Ankündigungen herrsche großteils Stillstand, monierte der WWF. Dabei führte die Naturschutzorganisation etwa den fehlenden Zielpfad für die Reduktion des Bodenverbrauchs. Bei weiteren vier Punkten seien sogar Rückschritte zu verzeichnen, etwa durch den Ausbau umweltschädlicher Subventionen. Dabei führte WWF etwa das Forcieren großer Straßenprojekte durch Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) und den Stopp des Sanierungsbonus durch Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) ins Treffen.

Als Fortschritt sah der WWF die neue Widmungsabgabe an. "Das setzt Anreize für eine flächensparende Entwicklung. Im nächsten Schritt sollten die Einnahmen für Bodenschutz- und Renaturierungsprojekte zweckgewidmet werden", sagte Pories. Eine Chance sieht die Organisation im Doppelbudget, das Reformen ankurbeln könnte. Budget und Finanzausgleich seien wichtige Instrumente gegen den Flächenfraß.

"Die Bundesregierung sollte das Steuer- und Abgabensystem reformieren, um die Treiber der Bodenversiegelung zu bremsen, Ortskerne zu beleben und die Natur zu schützen. Von der Kommunalsteuer bis zu umweltschädlichen Subventionen gibt es derzeit viele negative Anreize, möglichst viel neues Bauland zu widmen, anstatt Grünräume zu erhalten", meinte Pories.

Zwischen 2022 und 2025 nahm die in Österreich in Anspruch genommene Fläche um weitere 71 Quadratkilometer zu. Neben einer verbindlichen Obergrenze für Flächenverbrauch brauche es auch eine Naturschutz-Offensive, forderte der WWF. "Eine intakte Natur mit gesunden Böden ist unsere beste Verbündete gegen die Folgen der Klima- und Biodiversitätskrise", so Pories.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER