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Beide Länder kandidieren für nicht-ständige Sitze im UNO-Sicherheitsrat in den Jahren 2027/28. Österreich hat dabei besonders starke Konkurrenz: Um die beiden frei werdenden Sitze der westeuropäischen Staatengruppe bewerben sich nämlich auch Deutschland und Portugal. Während letzteres als gesetzt gilt, muss Österreich im Kampf gegen den führenden EU-Staat auf ein außenpolitisches Córdoba hoffen.
Was die Deutschen nicht haben, ist der Opernball. Meinl-Reisinger führt ihre philippinische Kollegin sowie die albanische Außenministerin Elisa Spiropali am Abend auf diesen aus. "Der Opernball ist eine ganz praktische Sache für eine österreichische Politikerin. Kaum sonst zeigt sich Österreich von einer so schönen, kulturell reichen, dekorativen Seite", sagte die Außenministerin bei dem gemeinsamen Presseauftritt mit Lazaro vor Pressevertretern und Mitgliedern der philippinischen Community.
Meinl-Reisinger nutze die Gelegenheit, um den philippinischen Pflegekräften in Österreich "von ganzem Herzen ein großes Dankeschön" zu sagen. Als Tochter eines Ärzte-Ehepaares wisse sie aus persönlichen Schilderungen von der hervorragenden Leistung der Mitarbeiterinnen aus dem südostasiatischen Land. "Ohne Sie würde unser Gesundheitssystem nicht funktionieren", sagte sie in Richtung unter anderem von Rosa Maria Somera, die im September 1974 als eine der ersten philippinischen Pflegerinnen nach Österreich gekommen war. Wien sei ihr eine zweite Heimat geworden und habe sie "Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstheit und Herzensgüte gelehrt", sagte Somera.
Außenministerin Lazaro erinnerte daran, dass die philippinische Community in Österreich mittlerweile 6.665 Menschen umfasse. Begonnen habe es mit 150 Personen, die im Jahr 1974 auf Basis eines Abkommens mit der Stadt Wien geholt worden waren. Somera berichtete von einer perfekt organisierten Aufnahme, inklusive Unterbringung in nagelneuen Wohnungen am Areal des Krankenhauses auf der Baumgartner Höhe und intensiven Deutschkursen. Heute sind laut Lazaro 700 Filipinos und Filipinas im österreichischen Gesundheitswesen tätig.
Meinl-Reisinger bezeichnete die philippinische Community als "Beispiel für eine gelungene Integration". Auf Nachfrage der APA, warum die Integration bei manchen Einwanderergruppen besser funktioniere, verwies die NEOS-Chefin auf die "kulturelle Nähe" zu Ländern wie den Philippinen oder Kolumbien, aber auch auf "hohe Ausbildungsstandards" bei den Zuwandererinnen. Zudem gebe es bei diesen Menschen einen Willen, einen Beitrag zu leisten. "Das sind keine Migranten, die in ein Sozialsystem einwandern", unterstrich Meinl-Reisinger. Zugleich betonte sie, dass Österreich im Kampf um Fachkräfte "in einem beinharten Wettbewerb" sei und hier auch Angebote machen müsse. Die irreguläre Migration müsse hingegen auf null reduziert werden. "Zuwanderung brauchen wir, aber wir wollen uns gerne aussuchen, wer kommt."
Meinl-Reisinger und Lazaro bezeichneten die Community als "Brücke" zwischen ihren Staaten. Die philippinische Außenministerin bot ihr Land auch als Verbündete Europas gegenüber den immer forscher auftretenden Großmächten auf. "Es ist höchste Zeit, dass wir zusammenarbeiten", sagte Lazaro, deren Land derzeit auch den Vorsitz im Südostasiatischen Staatenverband ASEAN hat. "Wir sollten wirklich unsere Beziehungen ausweiten und stärken, und das hätten wir schon längst machen sollen. Es ist kein Gegengewicht (zu den USA, Anm.), aber es hat Gewicht." Lazaro zeigte sich zuversichtlich, dass es innerhalb eines Jahres ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen geben wird. Sie hoffe auch auf ein EU-ASEAN-Freihandelsabkommen, fügte sie hinzu.
Lazaro tritt mit ihrem Opernball-Besuch in die Fußstapfen der legendären Präsidenten-Ehefrau Imelda Marcos, die das Gesellschaftsereignis im Jahr 1979 besuchte. Sie trug ein goldenes Abendkleid und wurde von ihrer damals 18-jährigen Tochter begleitet. Sieben Jahre später wurde ihr diktatorisch regierender Mann Ferdinand Marcos in einem Volksaufstand gestürzt, wobei sich der Zorn auch gegen die First Lady und ihren extravaganten Lebensstil richtete. 2022 wurde ihr Sohn Ferdinand Marcos Jr. zum Präsidenten gewählt.
Meinl-Reisinger hat für ihre beiden Ehrengäste eine Loge angemietet, die 26.000 Euro kostet. Bestritten wird dieser Betrag aus Repräsentationsbudget der Außenministerin. Ihr Vorgänger Alexander Schallenberg (ÖVP) mietete in seiner fast sechsjährigen Amtszeit einmal eine Opernball-Loge (2024) an, dessen Vorgängerin Karin Kneissl tat dies auf beiden Opernbällen ihrer eineinhalbjährigen Amtszeit. Sie brachte jeweils einen Ehrengast in der Loge unter, Schallenberg so wie nun Meinl-Reisinger zwei.
Das goldene Abendkleid, mit dem sie im Vorjahr bei einem Besuch in Ägypten für Aufregung beim einigen politischen Kontrahenten und Medien gesorgt hatte, wird Meinl-Reisinger im Kasten lassen. Sie habe sich für eine Garderobe "etwas überlegt" und wolle "ein gewisses Zeichen des europäischen Selbstbewusstseins" setzen. Das goldene Kleid sei hingegen "ein Fetzen, den habe ich seit fünf Jahren", bekannte sie augenzwinkernd. Sie habe nämlich (abgesehen vom Opernball) "nicht so viele Kapazitäten, mir Gedanken zu machen über meine Kleidung".
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA
