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Von der Leyen sieht EU und USA wegen Grönland am Scheideweg

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht die transatlantischen Beziehungen wegen des Grönland-Konflikts an einem kritischen Punkt. "Wir stehen an einem Scheideweg", so von der Leyen im EU-Parlament in Straßburg. Europa bevorzuge Dialog und Lösungen, aber sei uneingeschränkt bereit zu handeln, sollte das nötig sein. "Geeint, schnell, entschlossen", betonte sie. Die EU sei bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen, sagte EU-Ratspräsident António Costa.

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Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zusatzzölle gegen europäische Alliierte seien schlichtweg falsch. Wenn man jetzt in eine gefährliche Abwärtsspirale innerhalb des Bündnisses gerate, würde dies eben jene Gegner ermutigen, die man so eindeutig aus der strategischen Landschaft fernhalten wolle.

Zu Grönland sagte von der Leyen, die Insel sei nicht einfach nur ein an kritischen Rohstoffen reiches Gebiet und ein strategischer Außenposten an immer wichtiger werdenden globalen Seerouten. Es sei vor allem die Heimat eines freien und souveränen Volkes. "Es ist eine Nation mit eigener Souveränität und eigenem Recht auf territoriale Integrität. Und über die Zukunft Grönlands entscheiden nur die Grönländer", betonte sie mit Blick auf die Besitzansprüche der USA.

Von der Leyen schwor die Abgeordneten zudem auf schwere Zeiten ein. "Dieser Moment der globalen Veränderung birgt viele Gefahren", sagte sie. Europa müsse nun bereit sein, sich noch schneller zu verändern, noch unabhängiger zu werden, um seine eigene Zukunft zu sichern. "Das wird nicht leicht", fügte sie hinzu. Man werde schwierige Entscheidungen treffen müssen und man werde alles Handeln im größeren Zusammenhang sehen müssen.

Die EU muss ihre Bemühungen um Unabhängigkeit von der Leyen zufolge beschleunigen. Dies sei nötig, um sich in einer sich schnell verändernden Welt verteidigen zu können. "In dieser zunehmend gesetzlosen Welt braucht Europa seine eigenen Hebel der Macht." Es sei wichtiger denn je, sich weiterhin auf die Ukraine zu konzentrieren. Zugleich werde die EU mit den USA und anderen Partnern zusammenarbeiten, um die Sicherheit in der Arktis zu stärken.

Der FPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament, Harald Vilimsky, kritisierte die außenpolitische Selbstdarstellung der EU als weltpolitische Macht und stellte deren Realitätsbezug in Frage. Aus seiner Sicht fehle es in der EU an der Lösung konkreter Probleme, teilte er in einer Aussendung mit.

Auch EU-Ratspräsident Costa verwies vor dem Plenum auf gewaltige geopolitische Herausforderungen. Er kritisierte, dass die internationale regelbasierte Ordnung ausgehöhlt sowie zentrale Allianzen infrage gestellt würden. "Doch die Europäische Union wird aus all dem stärker, widerstandsfähiger und souveräner hervorgehen", sagte er in Straßburg. "Wir können nicht akzeptieren, dass das Recht des Stärkeren über die Rechte der Schwächsten gestellt wird." Allianzen dürften nicht auf eine bloße Abfolge von Transaktionen reduziert werden. Die EU sei bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen. Sie verfüge über die Instrumente. Mit den USA wolle man einen konstruktiven Dialog fortsetzen.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kommen am Donnerstagabend in Brüssel zu einem Sondergipfel zum Grönland-Konflikt zusammen. Dabei soll über mögliche Antworten auf die jüngsten Zolldrohungen Trumps diskutiert werden. Der US-Präsident will damit den Widerstand gegen einen Verkauf der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland an die Vereinigten Staaten brechen. Die EU erwägt für den Fall des Inkrafttretens der US-Zölle unter anderem Gegenzölle.

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