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US-israelische Angriffe auf iranische Atomanlagen

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Die Anlage Arak in Khondab
©APA, Satellite image, Maxar Technologies
Bei einem Angriff der USA und Israels im Zentrum des Iran ist nach Angaben von Behörden und iranischen Staatsmedien ein Schwerwasserreaktor und eine Uran-Aufbereitungsanlage getroffen worden. Die Atomanlage in Khondab sei in zwei Wellen angegriffen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Fars am Freitag unter Berufung auf die Verwaltung der Provinz Markasi. Es habe keine Verletzten gegeben, auch Radioaktivität sei nicht ausgetreten.

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Ein weiterer Angriff richtete sich nach Angaben der iranischen Atombehörde gegen eine Produktionsanlage für "Yellowcake", den Ausgangsstoff für die Herstellung von Brennelementen in Ardakan im Zentraliran. Der Staatssender IRIB berichtete, es seien keine radioaktiven Stoffe freigesetzt worden. Die iranische Atombehörde erklärte, es habe bei beiden Angriffen keine Schäden gegeben - die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Der Schwerwasser-Forschungsreaktor in der Nähe der Stadt Arak war bereits im Vorjahr getroffen worden, als Israel und die USA iranische Atomanlagen angriffen. Damals hatte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA klargestellt, dass an dem Forschungsreaktor noch gebaut worden sei und dort deshalb kein Nuklearmaterial vorhanden sei.

Das israelische Militär bestätigte den Angriff und begründete ihn mit wiederholten Wiederaufbauversuchen des Irans nach den Zerstörungen im Vorjahr. "Die israelische Armee wird nicht zulassen, dass das iranische Terrorregime seine Bemühungen um die Weiterentwicklung seines Atomwaffenprogramms fortsetzt, das eine existenzielle Bedrohung für den Staat Israel und die gesamte Welt darstellt", sagte ein Militärsprecher.

Auch die USA nennen als ein Kriegsziel, zu verhindern, dass der Iran jemals in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln.

Die IAEA teilte später mit, sie sei vom Iran über den Angriff auf die Anlage in Ardakan informiert worden. Generaldirektor Raffael Grossi rufe die Konfliktparteien erneut zu Zurückhaltung auf, um jegliches Risiko eines nuklearen Unfalls zu vermeiden, hieß es.

Die USA und Israel hatten bereits vor Tagen die schwer gesicherte Atomfabrik Natans angegriffen, die aus oberirdischen und unterirdischen Einrichtungen zur Urananreicherung besteht. US-Präsident Donald Trump hat die Vernichtung des iranischen Atomprogramms als eines der Ziele des seit rund vier Wochen andauernden Krieges genannt.

Bei Angriffen auf Wohngebiete in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Kurdenprovinz Kermanschah sind Medienberichten zufolge mehr als 20 Zivilisten ums Leben gekommen. In Teheran starben im Stadtviertel Shahr-e Rey zehn Bewohner eines Wohnkomplexes bei einem Raketenangriff der amerikanisch-israelischen Streitkräfte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Feuerwehrsprecher berichtete.

In der Stadt Kermanshah im Westen des Landes wurden dem Gouverneursbüro zufolge mehr als zehn Wohneinheiten angegriffen. 13 Menschen seien ums Leben gekommen, darunter 2 Kinder und 4 Frauen.

Zudem gab es Angriffe auf die beiden Stahlwerke in Isfahan in Zentral- und Ahwas im Südwestiran. Teile der Stromversorgungsanlagen sowie eine Werkhalle der beiden Fabriken wurden Berichten zufolge beschädigt. Demnach gab es in Isfahan einen Toten und zwei Verletzte. Das genaue Ausmaß der Angriffe soll nach Abschluss der Untersuchungen bekanntgegeben werden.

Der Iran drohte mit weiteren Angriffen auf US-Ziele in der Golfregion. Die iranischen Revolutionsgarden riefen Zivilisten in der Region am Freitag auf, sich von US-Einrichtungen fernzuhalten. Die Armee drohte mit Angriffen auf Hotels, die US-Soldaten beherbergen.

Der Sondergesandte der US-Regierung, Steve Witkoff, rechnet noch in dieser Woche mit Gesprächen mit dem Iran. "Wir denken, dass es in dieser Woche Treffen geben wird", sagte er bei einem Kongress im US-Bundesstaat Florida. Es blieb unklar, in welchem Rahmen diese von Witkoff erwähnten Gespräche stattfinden. Er machte dazu keine Angaben.

Witkoff bekräftigte, dass die Iraner einen 15-Punkte-Plan "schon seit langer Zeit vorliegen haben". "Wir erwarten eine Antwort von ihnen, und damit wäre alles geklärt", sagte er. Dabei solle unter anderem die Frage zur Anreicherung von Uran ausgeräumt werden. Auch wäre damit aus Sicht Witkoffs geklärt, dass der Iran seine Bestände an angereichertem Uran abgeben müsse. Über den Plan hatten mehrere US-Medien berichtet. Witkoff betonte, die USA dürften sich "kein zweites Nordkorea im Nahen Osten" leisten, weil das "die Region und die Welt völlig destabilisieren" würde.

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