ABO

"Tagespresse"-Chef Jergitsch macht mit neuem Buch Ernst

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Fritz Jergitsch macht sich ernsthaft Gedanken
©Ingo Pertramer, APA
Rund 250 Seiten ohne nennenswerten Schmunzler: Was in seinem Brotberuf ein vernichtendes Urteil für "Tagespresse"-Gründer und -Chefredakteur Fritz Jergitsch wäre, ist mit Blick auf sein neues Buch "Heulen hilft uns auch nicht weiter" kein Problem. Denn der Mittdreißiger versucht darin nicht weniger, als den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien zu erklären und Impulse für eine Erneuerung des kränkelnden Liberalismus zu liefern. Ab 9. Februar ist das Buch erhältlich.

von

Jergitsch will angesichts erstarkender Kräfte aus dem rechten politischen Spektrum eines nicht: resignieren - und hat daher zum Stift gegriffen, um zunächst zu verstehen, was der FPÖ, der AfD oder auch den Republikanern unter Donald Trump Aufwind verleiht. Dabei macht er etwa Globalisierung, Landflucht und Statusverlust als große Treiber einer Verunsicherung aus, aus der rechtspopulistische Politik Kapital schlagen würde.

Jergitsch vergisst dabei nicht auf die digitalen Medien, hat er sich doch bereits 2021 mit "Die Geister, die ich teilte" dem Bedrohungspotenzial sozialer Medien gewidmet. Thesen daraus erweitert er in seinem neuen Buch und kommt etwa zu dem Befund: Die neue digitale Öffentlichkeit bei TikTok, Instagram, Facebook und Co. sei nicht nur ein Raum, in dem Populismus gedeiht. "Sie ist inzwischen selbst zur Waffe geworden." Plattformen würden nur noch ihren eigenen Interessen folgen und Geschäfte mit Fake News, Hass, Angst und Polarisierung machen. Rechtspopulisten würden das mit verschiedenen Techniken gut zu nützen wissen.

Für seine Annahmen stützt sich der "Tagespresse"-Chef auf eine Fülle an Theorie, Zahlen, Daten und Fakten, ohne auf zu trockenem Terrain zu liegen zu kommen. Zum Heulen ist einem angesichts des ernüchternden Überblicks über die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit dennoch zumute. Nach einer Analyse zu den Regierungsskills von Populisten und der Schwäche vieler Parteien links der Mitte bricht Jergitsch zu etwas helleren Gefilden auf, um seine Sicht darauf darzulegen, wie der Liberalismus modernisiert und den Rechten der Wind aus den Segeln genommen werden könnte.

Er tritt für Vermögens- und Erbschaftssteuern, Gewinn- und Mitarbeiterbeteiligungen in Unternehmen oder auch die Schaffung eines digitalen Gerichtshofs ein. "Das alte Versprechen - harte Arbeit führt zum Aufstieg - ist an der Realität zerbrochen. Heute wächst Vermögen schneller durch Besitz als durch Arbeit. Der Liberalismus muss sich zum Ziel setzen, dieses Verhältnis umzukehren und allen Menschen wieder eine faire Chance zur Teilhabe am Fortschritt zu geben: durch Eigentum, Beteiligung und leistbares Wohnen", schreibt Jergitsch. Klingt etwas nach Parteiprogramm. Jergitsch wäre nicht der erste Satiriker, der sich in der Politik versucht. Ernst genug dafür wäre die Lage.

(Von Lukas Wodicka/APA)

(S E R V I C E - "Heulen hilft uns auch nicht weiter" von Fritz Jergitsch, Residenz Verlag, 256 Seiten, 27 Euro)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Ingo Pertramer/Ingo Pertramer

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER