ABO

SIPRI: Europas Waffenimporte um 210 Prozent gestiegen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Artikelbild

©IMAGO / Newscom World

Europa hat seine Waffenimporte im Zeitraum 2021 bis 2025 um 210 Prozent gesteigert und ist damit zur größten Importregion der Welt geworden. Größter Rüstungsimporteur ist die Ukraine, während die USA ihre Stellung als wichtigster Waffenexporteur weiter ausbauen und Russlands Exporte stark zurückgehen, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) hervorgeht.

von

Der Umfang der weltweiten Waffentransfers stieg im Zeitraum 2021-2025 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 bis 2020 um 9,2 Prozent. Grund dafür ist insbesondere Europas sprunghafter Anstieg der Importe (+210 Prozent). Einen leichten Anstieg verzeichnete auch Amerika (+12 Prozent). Zurück gingen die Waffenimporte nach Asien und Ozeanien (-20 Prozent), dem Nahen Osten (-13 Prozent) und Afrika (-41 Prozent).

Europa hat im Vergleich zum Vorzeitraum seine Waffenimporte verdreifacht. Damit war es erstmals seit den 1960-er Jahren wieder die Region mit dem größten Volumen an Waffenimporten in der Welt. Hauptgrund sind vor allem die umfangreichen Waffenlieferungen an die Ukraine. Doch europäische Staaten hätten auch aufgrund der Bedrohung durch Russland ihre militärischen Stärken ausgebaut, so SIPRI-Programmdirektor Mathew George. Europa bezog fast die Hälfte seiner Waffen aus den USA (48 Prozent). Damit löste die Region den Nahen Osten als größten Abnehmer amerikanischer Waffensysteme ab.

Ebenfalls stark stiegen die Importe der europäischen NATO-Staaten. Sie erhöhten ihre Rüstungseinfuhren um 143 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum, wobei die USA mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Waffen lieferte. Polen steigerte seine Waffenimporte um 852 Prozent und führt damit die Liste der Importeure unter den europäischen NATO-Staaten an, gefolgt von Großbritannien.

Besonders stark wirkt sich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf die globalen Waffenströme aus. 9,7 Prozent aller Waffenlieferungen gingen zwischen 2021 und 2025 an die Ukraine, fast die Hälfte davon kam aus den USA. Somit war die Ukraine der größte Einzelimporteur der Welt. Allerdings zeichnete sich im Jahr 2025 ein deutlicher Rückgang ab, was mit verringerten Lieferungen aus den USA zu erklären sei. Gleichzeitig sagten im selben Jahr 25 Staaten zu, Waffen für die Ukraine von den USA zu kaufen.

Die USA bauten ihre Stellung als größter Waffenlieferant weiter aus. Der Anteil ihrer weltweiten Waffenexporte stieg von 33 Prozent im Vergleichszeitraum auf 42 Prozent. Die Vereinigten Staaten belieferten 99 Staaten, wobei Saudi-Arabien mit 12 Prozent ihr größter Abnehmer war. Waffenlieferungen gelten für die USA als wichtiges außenpolitisches Instrument.

Auf der Liste der größten Exporteure belegte Frankreich mit 9,6 Prozent hinter den USA den zweiten Platz. Ihre Lieferungen an europäische Staaten stiegen im Untersuchungszeitraum um 452 Prozent, wobei 80 Prozent der französischen Waffenexporte aus Europa hinaus gingen, vor allem nach Indien. Russland belegte den dritten Platz der weltweiten Exporteure, wobei sein Anteil aufgrund eines Rückgangs von Lieferungen an Algerien, China und Ägypten signifikant gefallen ist (-64 Prozent). Der größte Abnehmer russischer Waffen war Indien, wobei sich dem Bericht zufolge eine Neuorientierung Indiens hin zu westlichen Staaten beobachten ließ.

Asien und Ozeanien war mit 31 Prozent der weltweiten Waffeneinfuhren hinter Europa die zweitgrößte Import-Region, trotz starken Rückgängen in Südkorea (-45 Prozent) und China (-72 Prozent). Die beiden asiatischen Staaten drosselten ihre Importe stark und setzten zunehmend auf Waffensysteme aus Eigenproduktion. China war damit zum ersten Mal seit dem Zeitraum 1991 bis 1995 nicht mehr unter den Top 10 der Importeure. Große Anstiege beim Rüstungsimport gab es hingegen in Japan (+76 Prozent) und Taiwan (+54 Prozent). Südkorea und Japan bezogen ihre Waffenlieferungen fast ausschließlich aus den USA (je 93 und 95 Prozent).

Die Importe des Nahen Ostens gingen im Untersuchungszeitraum um 13 Prozent zurück, obwohl drei der zehn größten Importeure (Saudi-Arabien, Katar und Kuwait) in der Region liegen. Israel steigerte seine Waffenimporte um 12 Prozent und bezog über zwei Drittel davon (68 Prozent) aus den USA, gefolgt von deutschen Lieferungen (31 Prozent). Der Iran reduzierte seine Waffenimporte im Untersuchungszeitraum und wurde ausschließlich von Russland beliefert.

Algeriens Importe fielen um 78 Prozent, während jene Marokkos um 12 Prozent stiegen. In Südamerika stiegen die Waffenimporte um 31 Prozent, wobei der Anteil Brasiliens (+150 Prozent) am deutlichsten stieg.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER