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Russische Drohnenschwärme über der Ukraine

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Kriegsschäden in der Ukraine (Themenbild)
©AFP, APA, GENYA SAVILOV
Das russische Militär hat die Ukraine in der Nacht auf Samstag erneut mit Drohnenschwärmen angegriffen. Weit über 100 Kampfdrohnen seien über verschiedenen Landesteilen unterwegs, so die ukrainische Luftwaffe. Bei Tscherkassy und Tschernyhyw waren Explosionen zu hören. In der Hauptstadt Kiew wurden ebenfalls mehrere Detonationen registriert. Auch aus Dnipropetrowsk wurde ein "massiver Angriff" gemeldet. Die USA stellen unterdessen den Willen Moskaus zum Frieden in Frage.

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Vereinzelt trat die Flugabwehr bereits in Aktion. Unklar war Samstag früh, ob die Explosionen in Kiew auf die Flugabwehr oder auf Einschläge zurückzuführen waren. In Saporischschja sei ein Firmengebäude getroffen und in Brand gesetzt worden, schrieb seinerseits der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow auf Telegram. "Vorerst wurden keine Opfer gemeldet", fügte er hinzu.

Behörden in der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk meldeten Samstag früh einen "massiven Angriff". "Die Region wird massiv angegriffen. Es sind Explosionen zu hören", schrieb der Gouverneur der Region, Serhyj Lysak, auf Telegram und rief die Einwohner auf, Schutzräume aufzusuchen. Seinen Angaben zufolge waren die Städte Dnipro und Pawlograd von den Angriffen betroffen. Zuvor hatte die ukrainische Lufwaffe vor einer Rakete gewarnt, die sich auf das Gebiet zubewegte.

Anders als Donezk, Cherson, Luhansk, Saporischschja und die Halbinsel Krim gehört Dnipropetrowsk nicht zu den ukrainischen Regionen, die Moskau als annektiert erklärt hat. Dnipropetrowsk ist bisher auch von heftigen russischen Angriffen weitgehend verschont geblieben. In dieser Woche räumte Kiew jedoch erstmals ein, dass der russischen Armee in der Region ein Vorstoß gelungen sei.

Moskau, das etwa 20 Prozent des ukrainischen Gebiets kontrolliert, hatte bereits im Juli Fortschritte in der Region Dnipropetrowsk gemeldet.

Auch der Gouverneur der Region Saporischschja, Iwan Fedorow, berichtete am Samstag von Explosionen und veröffentlichte auf Telegram ein Foto eines brennenden Hauses in der gleichnamigen regionalen Hauptstadt. "Die Russen haben die Stadt mit mindestens drei Drohnen angegriffen", erklärte er.

Ukrainische Medien warnten die Bevölkerung unterdessen vor möglichen Luftangriffen russischer Kampfbomber. Nach Erkenntnissen der Flugabwehr seien von russischen Flughäfen sechs strategische Bomber aufgestiegen, um die Ukraine möglicherweise mit Raketen anzugreifen. Kurz darauf hieß es, die Bomber hätten mehrere Marschflugkörper abgefeuert.

Russland hatte die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht zum Donnerstag mit Kampfdrohnen und Raketen angegriffen. Bei dem Angriff, einem der schwersten in dreieinhalb Jahren Krieg, wurden nach neuesten offiziellen Angaben mindestens 25 Menschen getötet.

Nach Angaben aus Kiew plant Russland eine weitere große Offensive im ostukrainischen Industriegebiet Donbass. Der Vorstoß könne im Raum um die Stadt Pokrowsk erfolgen, warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine zufolge bei einem Gespräch mit Medienvertretern. "Die Konzentration (an Truppen) dort liegt bei bis zu 100.000, das ist das, was wir heute Morgen haben", sagte er. Die russischen Truppen bereiteten den Vorstoß in jedem Fall vor. Aber die Ukraine sei darauf vorbereitet, sagte Selenskyj. Er schätzte die Lage als unter Kontrolle ein.

Die USA stellen inzwischen den Willen Moskaus zum Frieden in Frage. "Die Angriffe auf Kiew lassen Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Russlands Friedenswillen aufkommen. Diese Angriffe auf zivile Gebiete müssen sofort aufhören", sagte US-Diplomat John Kelley vor dem UN-Sicherheitsrat. Die US-Regierung droht derzeit mit wirtschaftlichen Maßnahmen, sollte Russland den Krieg fortsetzen.

"Die Vereinigten Staaten fordern die Russische Föderation auf, diese Konsequenzen zu vermeiden, indem sie die Gewalt stoppt und sich konstruktiv für die Beendigung des Krieges einsetzt", so Kelley weiter vor dem 15-köpfigen Rat. Russland hatte gegen die Ukraine am frühen Donnerstagmorgen einen weiteren umfassenden Raketen- und Drohnenangriff gestartet.

Das US-Außenministerium hat unterdessen den potenziellen Verkauf von Starlink-Diensten sowie von Patriot-Luftabwehrsystemen und zugehöriger Ausrüstung an die Ukraine genehmigt. Wie das Pentagon mitteilte, handelt es sich dabei um Transaktionen im Wert von 150 Millionen beziehungsweise 179 Millionen Dollar.

Die US-Regierung hatte sich mit ihren europäischen Verbündeten darauf geeinigt, die militärische Unterstützung für Kiew zu verstärken. Trotz der Genehmigung durch das US-Außenministerium ist unklar, ob entsprechende Verträge schon unterzeichnet sind oder die Verhandlungen abgeschlossen wurden.

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