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Besonders im Zuge der Covid-19-Pandemie verschlechterte sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. "Eine zielgerichtete und wirksame Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen ist besonders wichtig, um die teils schwerwiegenden persönlichen Auswirkungen für die Betroffenen möglichst gering zu halten", schrieb der Rechnungshof. Die Erkrankungen setzen sich häufig auch im Erwachsenenalter fort und können zu eingeschränkter Erwerbstätigkeit führen.
Die Versorgungslage für die Betroffenen ist in Österreich dem Rechnungshof zufolge unzureichend. Laut einer Studie der Universität Wien waren im Jahr 2014 weniger als die Hälfte der psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen in Behandlung. Auch entsprechende diagnostische und therapeutische Angebote wurden zu wenig intensiv entwickelt - und sind daher nicht ausreichend verfügbar. 2023 ging auch der damalige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) von einem nach wie vor sehr hohen unerfüllten Versorgungsbedarf aus. Zudem war nach Einstufung des Gesundheitsministeriums im Jahr 2022 in mindestens zwölf von 32 Versorgungsregionen von einer mangelhaften ambulanten Versorgung auszugehen. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Behandlungstermin bei niedergelassenen Vertragsärztinnen und -ärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien lag bei 90 Tagen.
Nach Einführung des Sonderfachs Kinder- und Jugendpsychiatrie im Jahr 2007 bekannten sich das Gesundheitsministerium und die Sozialversicherung in Strategiepapieren dazu, die Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlichen verbessern zu wollen. "Es fehlten jedoch klare Ziele, Richtwerte und konkrete Umsetzungsmaßnahmen", so der Rechnungshof. Besonders gegen die Unterversorgung beziehungsweise für den Aufbau von Versorgungsstrukturen wäre das notwendig.
Zudem empfahl er einen bedarfsgerechten Ausbau der Sozialversicherungsleistungen in der klinisch-psychologischen und psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus drängte der Rechnungshof auch auf eine bessere Abstimmung zwischen den Fachärztinnen und Fachärzten und anderen versorgungsrelevanten Gesundheitsberufen wie Psychotherapie und klinische Psychologie, Sozial- und Ergotherapie.
Die österreichische Sozialversicherung betonte in einer Reaktion, dass den Empfehlungen des Rechnungshofes folgend bereits mehrere neue Versorgungseinrichtungen geschaffen wurden. So wurden etwa fünf neue multidisziplinäre Ambulatorien eingerichtet, in denen ärztliche, psychologische und therapeutische Leistungen gebündelt unter einem Dach angeboten werden. Zudem entstanden fünf neue Kassenordinationen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, wodurch die ambulante Betreuung weiter ausgebaut werden konnte.
"Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht: Ein Zuwachs von 40 Prozent bei Ordinationen und Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigt, dass wir in diesen Bereich nachweisbar investieren, wir sind aber erst am halben Weg. Unser Ziel muss es sein, dass jedes Kind und jede Familie im Bedarfsfall rechtzeitig die passende Hilfe erhält", betonte Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann und Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (beide SPÖ) bekräftigten ebenfalls, dass die Versorgung weiter verbessert werden muss. "Darauf haben wir uns auch im Regierungsprogramm verständigt – für den österreichweiten Ausbau der Therapieangebote zur Stärkung der psychosozialen Versorgung insbesondere für Kinder und Jugendliche stehen ab 2026 jährlich 25 Millionen Euro sowie ab 2027 zusätzlich 50 Millionen Euro zur Verfügung. Weiters wird es einen Ausbau der Sachleistungsversorgung im medizinischen und therapeutischen Bereich geben", hieß es in einer Stellungnahme.