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Das Dikasterium, das weltweit für Orden zuständig sei, werde dann die nächsten Schritte setzen und sagen, wie es weitergeht, erklärte Schiffl. "Als übergeordnete Behörde kann es alle Entscheidungen treffen." Welche Entscheidungen das sein könnten, könne er nicht sagen, antwortete Schiffl auf die Frage, mit welchen Konsequenzen die drei Nonnen zu rechnen haben, nachdem sie das Angebot des Propstes am Freitag ablehnten, unter Bedingungen "bis auf weiteres" im Kloster Goldenstein bleiben zu dürfen. Das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens ist eine Zentralbehörde der Römischen Kurie.
Die aufständischen Nonnen haben weltweit für Aufsehen gesorgt. "Alle drei Schwestern haben aus juristischen Gründen einstimmig beschlossen, diese Vereinbarung nicht zu unterzeichnen", hatte Christina Wirtenberger, Sprecherin der Nonnen, am Freitagabend gegenüber der APA erklärt. Der Anwalt der Nonnen bezeichnete die Vereinbarung gar als "Knebelvertrag".
Der Propst hatte den Nonnen angeboten, dass sie im Kloster bleiben können, dies aber an mehrere Bedingungen geknüpft. Im Vorschlag, der der APA vorliegt, wurde die sofortige "Einstellung sämtlicher Social-Media-Aktivitäten" sowie die Einstellung "sämtlicher aktiver Medienkontakte" gefordert. Außerdem wurde gefordert, dass die Klausur, also der abgeschlossene Teil des Klosters, künftig wieder respektiert werden und damit nicht mehr für ordensfremde Personen zugänglich sein soll. Diese dürften sich nur im Gästebereich aufhalten.
Weitere Bedingung war, dass die Schwestern "mit sofortiger Wirkung für sie tätige Rechtsanwälte und Juristen entpflichten" und es auf Dauer "keinerlei juristische Aktivitäten" der Nonnen mehr gebe. Schließlich wurde gefordert, dass sich die Helferinnen aus dem Kloster zurückziehen und keine Entscheidungen mehr für die Chorfrauen treffen. Im Gegenzug hatte Grasl unter anderem den Verbleib im Kloster, die Organisation von Pflege, ärztlicher Betreuung und Heimhilfe, allfällige bauliche Adaptierungen sowie geistliche Begleitung zugesagt.
In einer Aussendung betonten die Nonnen bzw. deren Helferinnen am Freitagabend, "dass es sich um einen einseitigen, einmal mehr mit den betroffenen Schwestern ebenso wenig wie mit ihren Helferinnen und Helfern abgesprochenen Vorschlag handelt."
Die vorgelegte Vereinbarung enthalte auch "keinerlei rechtsverbindliche Zusagen des vom Propst vertretenen Stiftes Reichersberg und der Erzdiözese Salzburg. Insbesondere die in den Medien behauptete Zusage, dass die Schwestern im Kloster bleiben dürften, entbehrt in der vorgelegten Vereinbarung durch den Vorbehalt 'bis auf weiteres' jeder Rechtsverbindlichkeit und ist insofern juristisch wertlos."
Was mit "bis auf weiteres" gemeint sei, konkretisierte Schiffl auf APA-Anfrage am Samstag. "Das heißt, dass die Schwestern dort wohnen bleiben dürfen, solange, bis nicht mehr gewährleistet ist, dass sie im Kloster gut gepflegt werden können." Wenn es aus pflegerischen oder medizinischen Gründen nicht mehr passt, müsse man sich überlegen, dass sie im Pflegeheim Elsbethen, das sich ganz in der Nähe des Klosters befinde, einen Pflegeplatz bekommen.
Nun sei es dem Dikasterium gemeldet worden, dass die Schwestern das Angebot des Propstes nicht annehmen, sagte Schiffl. "Rom wird sich darum kümmern und sagen, was zu tun ist." Die Causa liege nun in den Händen von Rom.
Bei einem Treffen am Mittwoch hatte der Propst zwei Vertreterinnen der Nonnen den Vorschlag unterbreitet. Diese kontaktierten am Freitag auch den Anwalt der Frauen, der von einem Knebelvertrag sprach. Auch die Ordensschwestern zeigten sich entsetzt: "Es wurde uns jetzt erst erklärt, dass sie uns laut dem Vorschlag am nächsten Tag schon wieder hinausschmeißen können", werden sie vom ORF Salzburg zitiert. "Dass sie rausgeschmissen werden, das stimmt einfach nicht", entgegnete Schiffl im APA-Gespräch.
Die Schwestern und ihre Helferinnen erklären sich in der Aussendung grundsätzlich bereit, mit der Erzdiözese Salzburg und dem Stift Reichersberg eine Vereinbarung zu schließen, um den gegenwärtigen Konflikt beizulegen. "Dazu müssten die Erzdiözese und das Stift allerdings endlich das Gespräch mit den Betroffenen selbst suchen, ihre legitimen Ansprüche und Bedürfnisse ernst nehmen und sich bereit erklären, eine sowohl gerechte und rechtskonforme als auch einvernehmliche Lösung herbeizuführen."
Nach Spitalsaufenthalten von zwei der Nonnen Ende 2023 sind alle drei in eine von Ordensfrauen geführte Seniorenresidenz im benachbarten Oberalm übersiedelt worden. Gegen ihren Willen, wie die Frauen nun sagen. Laut Grasl sei das "in Absprache" erfolgt. Anfang September sind die Nonnen aber unerlaubt nach Goldenstein zurückgekehrt, was für mediale Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Österreichs hinaus gesorgt hatte. Mit Hilfe von ehemaligen Schülerinnen leben sie seither wieder dort und haben wiederholt betont, nicht mehr aus Goldenstein wegzugehen.






