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Nipah-Fälle in Indien - Drei Länder verschärfen Kontrollen

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Das Virus kann zu schweren Erkrankungen und zum Tod führen
©APA, dpa, Sebastian Kahnert
Nach dem Nachweis von zwei Fällen des Nipah-Virus in Indien haben mehrere südostasiatische Länder ihre Kontrollen für Einreisende verschärft. Neben Thailand und Malaysia kündigte am Mittwoch auch Singapur Maßnahmen an. In Indien selbst sind seit Dezember zwei Infektionen im östlichen Bundesstaat Westbengalen nachgewiesen worden, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte. Das Ministerium warnte zugleich vor "spekulativen und falschen Zahlen", die im Umlauf seien.

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Die Behörden hätten 196 Kontaktpersonen ermittelt. Keine von ihnen zeige jedoch Symptome, und alle seien negativ auf das Virus getestet worden. Singapur will am Flughafen Fiebermessungen bei Passagieren von Flügen aus den betroffenen Gebieten in Westbengalen einrichten, wie die Seuchenschutzbehörde des Stadtstaates erklärte. Zudem werde die Überwachung neu angekommener Wanderarbeiter aus Südasien verstärkt.

Auch Thailand hat dem dortigen Gesundheitsministerium zufolge für Flugzeuge aus Gebieten mit Nipah-Ausbrüchen spezielle Parkpositionen zugewiesen. Passagiere müssten zudem vor der Einreise Gesundheitserklärungen abgeben. Das Gesundheitsministerium in Malaysia teilte ebenfalls am Mittwoch mit, die Vorsorge durch Gesundheitskontrollen an den internationalen Grenzübergängen zu verstärken. Die singapurische Behörde erklärte weiter, sie stehe mit ihren Partnern in Südasien in Kontakt, um die Lage besser einschätzen zu können. Es werde an einer globalen Plattform gearbeitet, über die Länder die Genomsequenzierung von entdeckten Fällen melden könnten.

In Japan riefen die Gesundheitsbehörden zu Wachsamkeit auf. An Flughäfen kommen Thermoscanner zum Einsatz, Reisende aus betroffenen Regionen mit Symptomen wie Fieber oder Atembeschwerden müssen mit einer Befragung durch den Quarantänedienst rechnen. In China verbreiten die Staatsmedien Behördeninformationen, wonach von dem Virusausbruch in Indien derzeit keine besondere Gefahr für das Land ausgehe. Zugleich wurde ebenfalls zu erhöhter Wachsamkeit, insbesondere für Reisende aus betroffenen Regionen, aufgerufen. In sozialen Netzwerken wurden zudem Sorgen laut, da die große Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest Mitte Februar bevorsteht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Sterblichkeitsrate bei einer Nipah-Infektion auf 40 bis 75 Prozent. Sie stuft das Virus wegen seines Potenzials, eine Epidemie auszulösen, als Krankheitserreger mit hoher Priorität ein. Die seltene, aber schwere Erkrankung wird durch das Nipah-Virus ausgelöst, das in Flughunden vorkommt und auf andere Tiere sowie den Menschen übertragen werden kann. Es gibt weder einen Impfstoff noch eine wirksame Behandlung für die Krankheit.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei bei engem Kontakt durch Tröpfchen aus der Atemluft, Husten oder Niesen möglich. Eine Infektion kann symptomlos oder mild verlaufen. Es sind aber auch akute Atemwegserkrankungen und tödliche Entzündungen des Gehirns möglich. Die Viren können nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg auch durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweinefleisch oder anderen tierischen Produkten übertragen werden oder auch durch das Trinken von rohem Dattelpalmensaft oder anderen Baumsäften, die mit Fledermauskot kontaminiert seien.

Vereinzelte Nipah-Ausbrüche gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit 1998 Ausbrüche in Asien, einschließlich Indiens, Bangladeschs, Malaysias, der Philippinen und Singapurs gemeldet. In Westbengalen seien jetzt zwei Menschen betroffen, die im Dezember zusammen in einem etwa 25 Kilometer nördlich von Kolkata entfernten Privatkrankenhaus gearbeitet hätten, sagte ein Beamter der Gesundheitsbehörde des Unionsstaats. Es werde vermutet, das Virus könnte von einem ungetesteten Patienten, der gestorben sei, übertragen worden sein. Bei den infizierten Personen handelt es sich nach Berichten des indischen Senders NDTV um zwei Krankenpflegerinnen. Sie würden derzeit in einem Krankenhaus behandelt.

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