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Verletzte bei Messerangriff in jüdischem Viertel in London

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Vorfall in jüdisch geprägtem Viertel Golders Green
Bei einer Messerattacke in einem jüdischen Viertel in London sind Medienberichten zufolge zwei Menschen verletzt worden. Das berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC. Zuvor hatten mehrere britische Medien von dem Vorfall unter Berufung auf eine jüdische Nachbarschaftsinitiative berichtet. Der mutmaßliche Angreifer konnte gefasst werden. Nach BBC-Informationen wurden zwei jüdische Männer niedergestochen und müssen wegen schwerer Verletzungen behandelt werden.

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Die jüdische Organisation Shomrim berichtete, dass ein Mann im Stadtteil Golders Green im Norden der britischen Hauptstadt mit einem Messer unterwegs war und versuchte, jüdische Passanten anzugreifen. Sicherheitskräfte von Shomrim hätten ihn zunächst festgehalten, bevor die Polizei ihn mit einem Elektroschocker überwältigt habe. Die beiden Opfer würden medizinisch versorgt.

Die Polizei bestätigte die Festnahme eines Verdächtigen. Es handle sich um einen 45-jährigen Mann. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zum möglichen Tatmotiv. Die Staatsbürgerschaft des Mannes und sein Hintergrund seien Gegenstand von Ermittlungen, hieß es lediglich. Diese werden demnach von der Anti-Terror-Einheit geleitet, "um alle Umstände und mögliche Terrorismusverbindungen aufzuklären", so die Mitteilung weiter.

Premierminister Keir Starmer bestätigte bei der Fragestunde im Parlament, dass die Polizei zu dem "zutiefst beunruhigenden Vorfall" ermittelt. Starmer geht einem Posting auf der Plattform X zufolge davon aus, dass die Tat einen antisemitischen Hintergrund hat. "Der antisemitische Angriff in Golders Green ist zutiefst entsetzlich. Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Großbritannien", hieß es in der Mitteilung von Regierungschef Starmer. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen werden, kündigte der Labour-Politiker an.

Israels Außenministerium forderte nach der Attacke ein entschlosseneres Vorgehen Großbritanniens gegen Antisemitismus. "Nach Angriffen auf Synagogen, jüdische Einrichtungen, Gemeindekrankenwagen und nun auch gezielten Attacken auf Juden in Golders Green kann die britische Regierung nicht länger behaupten, die Lage sei unter Kontrolle", hieß es in einem Post des Ministeriums auf der Plattform X.

Das Außenministerium in Jerusalem schrieb dazu, Starmers Äußerungen seien "kein Ersatz dafür, sich den Ursachen des Antisemitismus zu stellen, der sich im gesamten Vereinigten Königreich ausbreitet". Jüdinnen und Juden in Großbritannien sollten keine Sicherheitspatrouillen benötigen, um offen als Juden leben zu können, forderte das Ministerium. "Genug der Worte", hieß es in der Mitteilung. London müsse nun "entschlossen und dringend handeln".

Zuletzt kam es in London zu mehreren Angriffen auf jüdische Einrichtungen. Erst vor wenigen Wochen waren etwa vier Krankenwagen einer jüdischen Gemeinde in Golders Green bei einem antisemitisch motivierten Brandanschlag zerstört worden. Mehrere Verdächtige wurden angeklagt.

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