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"Viele melden sich gar nicht erst bei den Fachärztinnen und Fachärzten, sondern suchen direkt die ohnehin überlasteten Spitalsambulanzen auf. Damit wird die Erosion des heimischen Gesundheitswesens weiter beschleunigt", betonte Bonni Syeda vom Berufsverband der Österreichischen Internisten. Die Einschätzung und Priorisierung von Anfragen gehört zur normalen Terminplanung, entspricht dem ärztlichen Selbstverständnis und liegt im Interesse der Patientinnen und Patienten, wurde in dem der APA übermittelten Ärzte-Appell zu möglichen längeren Wartezeiten bei Kontrollterminen erläutert.
Eine aktuelle Umfrage des Berufsverbandes der Orthopäden unter 50 orthopädischen Kassenordinationen zeigt, dass die Wartezeit auf Routinetermine im Durchschnitt bei rund zehn Tagen liegt. Akuttermine hingegen werden in der Regel zeitnah vergeben, berichtete Florian Sevelda, Präsident des Berufsverbandes. Auch die HNO-Ärztin Niederberger-Leppin versicherte: "Die HNO ist ein klassisches Akut-Fach. Patientinnen und Patienten mit akuten Ohrenschmerzen oder plötzlichem Hörverlust erhalten selbstverständlich einen Termin am selben oder spätestens am nächsten Ordinationstag."
"Viele niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte bieten innerhalb von 48 Stunden Akuttermine an. Routinetermine ohne besondere Dringlichkeit sind in den Ordinationen für Urologie, Lungenheilkunde und Dermatologie meist innerhalb von zwei bis vier Wochen verfügbar", ergänzten Mehmet Özsoy, Präsident des Berufsverbandes der Urologen, Lungenfachärztin Irene Sperk und Hautärztin Sylvia Perl-Convalexius in der Stellungnahme.
Als kurzfristig umsetzbare Maßnahme schlagen die Berufsverbände die Einrichtung einer zentralen Terminplattform vor, auf der Fachärzte auf freiwilliger Basis täglich ein bis zwei Akuttermine freigeben können. Gerade in Ballungsräumen wie Wien ließe sich so transparent darstellen, dass auch kurzfristig zahlreiche Termine verfügbar sind. Derzeit müssen Patienten solche Akuttermine jedoch oft mühsam telefonisch erfragen. "Eine digitale Buchungsmöglichkeit über bestehende Kanäle wie 1450 oder die Website der ÖGK könnte hier wirksam Abhilfe schaffen", sagte Özsoy.
"Der Erhalt eines leistungsfähigen Gesundheitswesens für die Patient:innen muss oberste Priorität haben. Ein entscheidender Schritt zur Reduktion von Wartezeiten wäre, auch in fachärztlichen Kassenordinationen den Einsatz anderer Gesundheitsberufe zu ermöglichen - so wie es in den Primärversorgungseinheiten (PVE) bereits üblich ist. Die Zusammenarbeit mit Diätologen, diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Physiotherapeuten oder Logopäden könnte ärztliche Ressourcen gezielt entlasten, die Versorgungsqualität erhöhen und Wartezeiten insgesamt reduzieren", erklärten die Expertinnen und Experten.
