ABO

EU scheitert mit Ukraine-Plänen zum Jahrestag des Kriegs

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
EU scheitert mit Plänen zum Jahrestag des Kriegs
©AFP, APA, JOHN THYS
Der EU ist es nicht gelungen, vor dem vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine den Weg für neue Sanktionen gegen Moskau und milliardenschwere Finanzhilfen für Kiew freizumachen. Wie es am Dienstag von EU-Diplomaten hieß, blockiert insbesondere Ungarn weiter die notwendigen Beschlüsse dafür. Alle Versuche, Ministerpräsident Viktor Orbán zum Einlenken zu bewegen, seien bisher erfolglos geblieben.

von

Für die EU ist die Blockade ein bitterer Rückschlag. Sie hatte zum Jahrestag am Dienstag eigentlich ein starkes Signal der Unterstützung an die Menschen in der Ukraine senden wollen, bekräftigt durch einen Besuch der EU-Spitzen in der Hauptstadt Kiew. Den Ukrainern sollte gezeigt werden, dass sie sich im Abwehrkampf gegen Russland auf die Hilfe der EU verlassen können. Zugleich war es das Ziel, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor Augen zu führen, dass er nicht auf das Nachlassen der europäischen Solidarität setzen und stattdessen an den Verhandlungstisch kommen sollte.

Vermutlich wird nun bloß ein 100 Millionen Euro schweres Nothilfe-Paket für die Energiesicherheit der Ukraine angekündigt werden können. Dies ist auch ohne Einwilligung Ungarns möglich. Bis heute hat die EU nach jüngsten Angaben rund 11.000 Stromerzeugungsaggregate und 7.000 Transformatoren in die Ukraine geliefert, um die Folgen der russischen Luftangriffe abzufedern.

Die Entwicklungen dürften auch die geplanten Gedenkveranstaltungen in Kiew überschatten. Zu ihnen werden neben mehreren Staats- und Regierungschefs aus EU-Staaten auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa erwartet.

Costa hatte seinen Unmut über die ungarische Blockade bereits am Montag in einem Brief an Orbán geäußert und diesem einen Verstoß gegen den Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit in der EU vorgeworfen. "Keinem Mitgliedstaat darf gestattet werden, die Glaubwürdigkeit der vom Europäischen Rat kollektiv getroffenen Entscheidungen zu untergraben", schrieb der frühere portugiesische Ministerpräsident.

Er verwies dabei auf eine Grundsatzvereinbarung für die neuen Ukraine-Hilfen, die bereits bei einem EU-Gipfel am 18. Dezember getroffen worden war. Die Unterstützung in Form von Darlehen soll sich bis Ende 2027 auf bis zu 90 Milliarden Euro belaufen und der Ukraine eine Fortsetzung des Abwehrkampfes gegen die russischen Angreifer ermöglichen.

Öffentlich begründet Orbans Regierung die Blockade damit, dass Ungarn über die durch die Ukraine führende Druschba-Pipeline derzeit kein russisches Öl mehr bekommt. Die Führung in Budapest wirft dem Nachbarland vor, die Nutzung der Leitung absichtlich und aus politischen Gründen zu blockieren. Nach ukrainischen Angaben sind die Öllieferungen hingegen wegen russischer Bombardierungen seit Ende Jänner unterbrochen. Reparaturarbeiten seien im Gange, wegen der feindlichen Luftangriffe aber gefährlich.

Über die abweichenden Darstellungen zur Lieferung von Rohöl nach Ungarn will Costa heute mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj reden. Die Hoffnung ist, dass Ungarn spätestens nach einer Reparatur der Pipeline die Blockade der neuen Ukraine-Hilfen und Russland-Sanktionen aufgibt.

Letztere sollen Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter reduzieren und dem Kreml damit die Finanzierung des Kriegs erschweren. Zudem ist geplant, weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abzuschneiden und zusätzliche Handelsbeschränkungen zu verhängen.

Die freiheitliche EU-Abgeordnete Petra Steger lobte indes die Haltung der ungarischen Regierung. "Ungarn lässt sich nicht erpressen", betonte Steger am Dienstag in einer Aussendung. Auch Österreich sei längst in die Geiselhaft einer verfehlten Sanktions- und Schuldenpolitik geraten und dürfe "nicht weiter für Kiew zahlen".

Neben Ungarn blockiert auch die Slowakei, die bis zuletzt ebenfalls noch russisches Öl über die Druschba-Pipeline bezog, die Russland-Sanktionen. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kündigte zudem an, die Notstromlieferungen seines Landes an die Ukraine einzustellen, bis der Öltransit in die Slowakei wieder aufgenommen wird. Bisher beteiligt sich Fico allerdings nicht an der Blockade des Ukraine-Darlehens.

Die Ukraine importiert trotz Drohungen aus der Slowakei weiterhin Strom aus ihren Nachbarländern. Der ukrainische Netzbetreiber Ukrenergo teilte am Dienstag mit, der Strom fließe entsprechend der Kapazitätsauktionen aus allen angrenzenden EU-Staaten sowie der Republik Moldau.

Ukrenergo bezeichnete den slowakischen Schritt als praktisch bedeutungslos. Die Ukraine beziehe Strom entweder über reguläre kommerzielle Verträge oder als Nothilfe. Letztere werde nur selten und in geringem Umfang für kurze Zeiträume benötigt - zuletzt vor über einem Monat. Kommerzielle Lieferungen liefen dagegen weiter, was auch Daten des slowakischen Netzbetreibers bestätigten. Nach Einschätzung der Beratungsfirma ExPro sind die Importe aus der Slowakei und Ungarn für die Ukraine jedoch essenziell: Sie machen rund 70 Prozent der gesamten Energieeinfuhren aus.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER