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Es seien zwar Asbestfasern gefunden worden, man bewege sich aber an der Nachweisbarkeitsgrenze - und: "Null ist es nirgends", erläuterte Umweltmediziner Hanns Moshammer. Mit niedrigen Werten sei bei der derzeitigen Witterung auch zu rechnen gewesen. Die Feuchtigkeit reduziere das Faserfreisetzungspotenzial. Im Frühjahr oder im Sommer soll deshalb noch einmal bei trockenem, warmem Wetter gemessen werden.
Obwohl eine Messung alleine noch nicht aussagekräftig sei, könne man eine akute Gefahr derzeit ausschließen. "Es muss niemand Angst haben", betonte Moshammer. Dennoch sei es "nicht klug, weiter faserhaltiges Gestein auf Straßen zu verteilen", meinte er und appellierte unter anderem an die Straßenmeistereien, auf anderes Streumaterial zurückzugreifen.
Beprobt wurde am Donnerstag auch der seit Anfang Jänner gesperrte Steinbruch in Pilgersdorf (Bezirk Oberpullendorf). Dort wurden Luftmessungen durchgeführt, aber auch Gesteinsproben entnommen, die nun auf ihren Asbestgehalt untersucht werden. In der kommenden Woche soll dasselbe in den drei anderen betroffenen Steinbrüchen im Bezirk Oberwart passieren. Geplant sind auch Ausbreitungsrechnungen, die zeigen sollen, wie viel von einer möglichen Asbestbelastung bei den Anrainern ankommt. Auf Basis der Ergebnisse werden die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden dann über die weiteren Schritte in den Betrieben entscheiden.
An den neun von Greenpeace untersuchten Standorten, darunter der Hauptplatz in Oberwart, die Klinik Oberwart und der Skatepark Rechnitz, wurde mit jeweils drei Geräten gemessen. Diese ziehen einen der menschlichen Atmung nachempfundenen Volumenstrom der Luft mit einer Pumpe über einen Goldfilter. Die dadurch gesammelten Fasern werden dann identifiziert, vermessen und gezählt und so der Fasergehalt in der Atmosphäre bestimmt. Die Geräte waren bei der Messung über acht Stunden in Betrieb.
Aber auch ein Personalsample wurde durchgeführt. Ein Kollege habe, ausgestattet mit Filter, getan, was Menschen in den untersuchten Bereichen eben so tun. "Er ist schlurfenden Schrittes herumgegangen und auch schneller herumgegangen", sagte der Sachverständige Michael Kochberger. Im Gewerbegebiet sei eine Pritsche mehrfach an den Messgeräten vorbeigefahren.
Dass es in der Region rund um Rechnitz eine Belastung mit Asbestfasern gebe, sei lange bekannt, eine statistisch erhöhte Gesundheitsgefährdung sei bisher jedoch nicht festgestellt worden. Eine "geogene Hintergrundbelastung" sei schon alleine dadurch gegeben, dass das Serpentinit dort natürlich vorkomme und auch auf Feldern und anderen Flächen liege, sagte Frank Melcher von der Montanuniversität Leoben.
Geprüft werden Staub und Produkte aus den Steinbrüchen zumeist von den Betreibern selbst. Die Behörde ist nicht dazu verpflichtet, sagte Andreas Temmel, Vertreter der Landesverwaltung in der Taskforce. Zu der Untersuchung, die letztlich zur Sperre der Steinbrüche führte, sei es gekommen, weil einer eine Erweiterung beantragt habe.
Wie die APA erfuhr, wurde bei einer Baustelle für den Ausbau der Hochspannungsleitung Ende Oktober 2024 in unmittelbarer Nähe zum heute gesperrten Steinbruch Pilgersdorf asbesthaltiges Material festgestellt. Die Arbeiten wurden daraufhin unterbrochen und wenige Tage später unter anderem mit FFP3-Masken und Einwegsicherheitsanzügen wieder aufgenommen. Das Landesmedienservice teilte dazu auf Anfrage der APA mit, dass seitens des Landes im Zuge des UVP-Genehmigungsverfahrens zum Bau einer 110 kV-Starkstromleitung Auflagen für die Beseitigung von Bodenaushubmaterial vorgeschrieben wurden. Bei Bohrarbeiten für Fundierungsarbeiten eines Maststandortes habe die Baufirma gemeldet, auf asbesthaltiges Material gestoßen zu sein. Dieses sei dann gemäß den Auflagen "fachgerecht entsorgt" worden. Das Arbeitsinspektorat sowie ein Abfalltechniker seien ebenfalls eingebunden gewesen. Die Verhängung eines Baustopps sei "nicht notwendig" gewesen, hieß es weiters.
Die FPÖ hatte ebenfalls darauf hingewiesen, dass bereits im Jahr 2008 asbesthaltiger Streusplitt zurückgerufen werden musste. Trotzdem sei der Abbau über Jahre hinweg fortgesetzt worden. Asbest im Südburgenland sei daher "kein neues Thema, sondern seit langem aktenkundig", so die Freiheitlichen. Auch im Fall des inzwischen gesperrten Steinbruchs Bernstein seien bereits im Juni 2025 Bedenken geäußert worden, die behördliche Schließung erfolgte aber erst im Jänner 2026. Für die Freiheitlichen stellt sich daher generell die Frage, wie in den vergangenen Jahren kontrolliert, geprüft und bewertet wurde.
