Ein Drittel des katholischen Klerus sind ehemalige Anglikaner, die meisten davon verheiratet und mit Kindern.
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Seit 2011 ist es anglikanischen Gläubigen und auch Priestern möglich, zum Katholizismus zu konvertieren, ohne ihre anglikanische Tradition völlig aufzugeben. Der schon zuvor bestehende Trend eines Übertritts wurde dadurch stark beschleunigt, berichtete das Schweizer Nachrichtenportal kath.ch am Freitag laut Kathpress.
Dies zeige eine aktuelle Studie der Saint Barnabas Society und der Katholischen Universität St. Mary's in Twickenham, und das gelte auch für die Geistlichen.
Beibehaltung bestimmter liturgischer Traditionen
Heute machten ehemalige Anglikaner ein Drittel des katholischen Klerus in Großbritannien aus, wobei die Mehrheit von ihnen verheiratet ist und Kinder hat. Konkret wurden in England 522 anglikanische Priester zwischen 1992 und 2024 in der katholischen Kirche geweiht. Dies entspricht 35 Prozent aller Weihen der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, so der Bericht.
Laut den Anordnung des von Papst Benedikt XIV. eingerichteten Personalordinariats „Unserer Lieben Frau von Walsingham“ können anglikanische Priester, die wieder mit Rom in Gemeinschaft getreten sind, bestimmte liturgische Traditionen beibehalten, darunter die Feier der Messe ad orientem und in altem Englisch. Auch wenn sie bereits verheiratet sind, können sie nach zweijähriger Zusatzqualifikation die katholische Priesterweihe empfangen.
Auf Ex-Anglikaner nicht zu verzichten
Zwei deutliche Zuwächse bei den Konversionen ließen sich laut der Studie beobachten: 1994 nach der Entscheidung des anglikanischen Generalsynods („Kirchenparlament“, Anm.) für die Weihe von Frauen, und 2010-2011 nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Großbritannien und der Gründung des Ordinariats. Der Zustrom von anglikanischen Priestern zum Katholizismus zeige seit 2015 keine Anzeichen eines Rückgangs. Durchschnittlich 20 Prozent der jährlichen Weihen entfallen inzwischen auf ehemalige Anglikaner.
Inzwischen seien die ehemaligen Anglikaner ein unverzichtbarer Teil des katholischen Klerus in England. In einigen Regionen stellten sie sogar die Mehrheit, wenn man von indischen und afrikanischen Priestern absehe. Das Nebeneinander von Zölibatären und verheirateten Priestern schaffe eine besondere Dynamik im englischen Presbyterium, so der Bericht. Die Situation werde im Land als ein „Versuchslabor“ für Frage der Weihe verheirateter Männer gesehen.
Viele Vorbehalte
Dennoch gebe es weiterhin viele Vorbehalte unter anglikanischen Priestern: Die Stellung im anglikanischen Establishment, finanzielle Einschränkungen, der Verlust von Wohnraum, Gehalt und Pensionsansprüchen sowie die Unsicherheit, ob Rom eine Weihe genehmigt, halten viele zurück. Einige Priester müssten nach der Konversion laut dem Bericht sogar einer Teilzeittätigkeit nachgehen.
