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Alle Nachrichten, die suggerieren wollten, dass der Expertenrat noch keine Entscheidung getroffen habe, seien Lügen. Nun liege es am Leiter des Sekretariats des Rates zu entscheiden, wann der Nachfolger offiziell bekanntgegeben werde. Khamenei war bei einem israelischen Luftangriff am 28. Februar in Teheran getötet worden.
Gemäß der iranischen Verfassung bestimmen die 88 Geistlichen im Expertenrat das neue Oberhaupt. Nach unbestätigten Berichten gelten Mojtaba Khamenei (56), der Sohn des verstorbenen obersten Führers, sowie Hassan Khomeini (53), der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Khomeini, als die beiden wichtigsten Kandidaten. Der oberste Führer der Islamischen Republik hat das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen.
Ein Mitglied des Expertenrats deutete an, dass die Wahl auf Khameneis Sohn Mojtaba Khamenei gefallen sei. Der "geeignetste Kandidat" sei "ermittelt", erklärte Mohsen Heydari nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA. Unter Verwendung der von Teheran gebrauchten Bezeichnung für die USA erklärte Heydari: "Der 'Große Satan' hat die von den Vertretern getroffene Wahl auch erwähnt."
Heydari bezog sich damit offenbar auf eine Aussage von US-Präsident Donald Trump, der nach der Tötung Khameneis dessen Sohn Mojtaba als Nachfolger ausgeschlossen und für sich selbst eine Mitsprache bei der Entscheidung beansprucht hatte. Khameneis Sohn sei für ihn "inakzeptabel", hatte Trump am Donnerstag geäußert. "Wir wollen jemanden, der dem Iran Harmonie und Frieden bringt", zitierte ihn die Plattform Axios. Namen nannte er demnach nicht. Mojtaba Khamenei bezeichnete der US-Präsident zudem als "Leichtgewicht".
Israel hatte nach der Tötung Khameneis bereits erklärt, auch dessen Nachfolger werde getötet. Am Sonntag schrieb die israelische Armee im Onlinedienst X auf Persisch, Mitglieder des Rates zur Wahl des neuen Oberhaupts ins Visier zu nehmen. "Wir wollen Sie darüber informieren, dass der Staat Israel jeden Nachfolger und jeden, der einen solchen ernennen möchte, weiterhin genau beobachten wird." Die Armee erneuerte zudem ihre Warnung "an alle, die eine Teilnahme an dieser Versammlung zur Wahl des Nachfolgers erwägen": "Wir werden nicht zögern, Sie anzugreifen."
Der 56-jährige Mojtaba Khamenei gilt als konservativ und den iranischen Revolutionsgarden nahestehend. Er hat kein offizielles Regierungsamt inne, doch die Frage nach seinem tatsächlichen Einfluss sorgte seit Jahren für Spekulationen.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Dabei wurden Ali Khamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, auf US-Einrichtungen in der Golfregion und Infrastruktur mehrerer Golfstaaten. Auch der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah im Libanon eskalierte erneut.




