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Zahlungsunfähigkeit der Laura Stiftung: Hintergründe und Auswirkungen

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Die Laura Privatstiftung ist zahlungsunfähig - damit bricht auch der österreichische Teil von René Benkos Stiftungsgeflecht zusammen. News kennt die Hintergründe.

Eine Woche im Leben des René Benko. Was sich zuletzt im medialen Umfeld des Tiroler Immobilieninvestors abspielte, wirkt mitunter fast skurril. Zunächst berichtete das Wirtschaftsmagazin trend, Benko habe im Gefängnis um Arbeit als Tischler angesucht. Über seinen Anwalt Norbert Wess ließ er zugleich der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Untätigkeit ausrichten. Sinngemäß: Ihm sei langweilig geworden, das Studium der Akten allein fülle den Tag nicht mehr aus.

Kurz darauf meldete profil, dass eine Parteifunktionärin der Tiroler NEOS seit Kurzem im Beirat der Laura Privatstiftung sitzt. Kann man machen, muss man nicht. Für die NEOS in Tirol jedenfalls ein Eigentor bei ihren Bemühungen, eine Partei mit Sauberkeitsanspruch zu sein.

Schlag auf Schlag

Der eigentliche Paukenschlag folgte jedoch bereits Tage zuvor: Die Laura Privatstiftung musste Konkurs anmelden. Damit ist der österreichische Teil der Schattenstruktur im Benko-Universum kollabiert. Hintergrund sind Urteile in internationalen Schiedsverfahren, die die arabischen Geldgeber allesamt gewonnen haben. Die Vorgänge rund um die Stiftung werden nun von einem bestellten Masseverwalter aufgearbeitet. Neben Wirtschaftskriminalisten und Finanzermittlern dürften damit bald auch Insolvenzexperten das Stiftungswerk unter die Lupe nehmen.

Doch zurück zu René Benkos Langeweile. Am 15. Februar stellte er handschriftlich den Antrag, im Tischlereibetrieb der Justizanstalt mitarbeiten zu dürfen. Der Antrag wurde wenig später genehmigt.

An Lesestoffdürfte es ihm dennoch kaum fehlen. Ein weiterer 16-seitiger Zwischenbericht der Soko-Ermittler liegt inzwischen im Signa-Akt der WKStA. Darin geht es erneut um jene von News aufgedeckte Kapitalerhöhung, die als „Geldkarussell“ bekannt wurde. Etliche Millionen sollten kurz vor dem Zusammenbruch der Signa im Jahr 2023 von Benko & Co. über interne Kreditverträge im Kreis geschickt werden und schlussendlich als frisches Eigenkapital der Benko-Stiftung deklariert worden sein.

Das Geldkarussell

Die Ermittler halten darin fest, dass sie – mit Bezug auf den bereits vorliegenden Abschlussbericht der Soko Signa vom 20. Oktober 2025 – noch einmal zusammenfassend darstellen, welche persönlichen Aussagen René Benko gegenüber den Gesellschaftern der Signa Holding im Zuge der für Juni 2023 geplanten Kapitalerhöhung gemacht haben soll und welche Täuschungshandlungen ihm aus Sicht der Kriminalisten zugeschrieben werden.

Demnach fassen die Ermittler jene Aussagen und Handlungen zusammen, mit denen Benko Gesellschafter zur Teilnahme an der Kapitalerhöhung verleitet oder dies zumindest versucht haben soll. Einzelne Investoren habe er in der Folge zur Zahlung von Bareinlagen („cash“) oder zur Unterzeichnung entsprechender Verträge bewegt. Nach Einschätzung der Ermittler entstand den Gesellschaftern dadurch ein Vermögensschaden von rund 30 Millionen Euro.

Gruppendruck

Wie die Ermittler weiter ausführen, schilderte ein Schweizer Investor in seiner Einvernahme, wie die Entscheidung zur Beteiligung zustande kam. Ursprünglich sei eine Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro geplant gewesen, später sei der Betrag auf 300 Millionen reduziert worden. Man habe die Beteiligung intern diskutiert, sagte der Investor laut Protokoll: „Machen wir da mit oder nicht? Dann haben wir gesagt, okay, wenn alle anderen mitmachen, dann machen wir aus Solidaritätsgründen auch mit. Wir wollen nicht da der Aussteiger sein.“

Ausschlaggebend sei schließlich eine mündliche Zusage Benkos gewesen, wonach auch die übrigen Investoren einverstanden seien. Der Investor habe daraufhin entschieden, sich doch zu beteiligen. Wörtlich heißt es im Protokoll: „Und haben da nach der mündlichen Zusage von René Benko, die er Herrn Dolpp gegeben hat, dass alle anderen Investoren einverstanden sind, entschieden, wir würden dann doch das Geld überweisen.“ Für René Benko gilt die Unschuldsvermutung.

Der Prozess in dieser auch gruppenpsychologisch geprägten Angelegenheit dürfte noch 2026 beginnen. Die umfangreichen Ermittlungen gelten inzwischen als weitgehend abgeschlossen.

Absturz der Laura-Stiftung

Der für Benko wohl schmerzhaftere Teil der vergangenen Wochen betrifft jedoch die Laura Privatstiftung. Sie ist inzwischen in Konkurs geschlittert. Damit sind nun beide österreichischen Stiftungen aus dem Benko-Umfeld zahlungsunfähig.

Allein in der Laura Privatstiftung waren nach News-Recherchen zu Beginn des Jahres 2024 Vermögenswerte von mehr als 750 Millionen Euro auf der Aktivseite der Bilanz verbucht. Die Verbindlichkeiten lagen damals bei rund 100 Millionen Euro, wurden im Laufe des Jahres jedoch deutlich reduziert – zuletzt auf etwa 50 Millionen Euro.

Zu den wichtigsten Finanzierern der Stiftung zählten vor allem deutsche Banken und Versicherungen, darunter die Airbus Bank und die Ergo Group. Mit dem Fortschreiten der Ermittlungen dürfte jedoch auch der Druck der Kreditgeber gewachsen sein, offene Forderungen möglichst rasch – wenn nicht frühzeitig – zu tilgen.

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Geheime Aufstellung: Interne Stiftungsunterlagen geben Einblick in das vormalige Investment-Portfolio der Laura Stiftung

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Jetset-Insignien

Mit der Insolvenz der Laura Privatstiftung dürfte in Österreich auch der Geldfluss aus der Stiftung an die Begünstigten über Ausschüttungen ein Ende gefunden haben. Über viele Jahre flossen über teilweise verdeckte Beteiligungen zig Millionen Euro als Dividenden aus dem Signa-Konglomerat in die Stiftung.

Sie war das zentrale Vehikel für die Insignien der einstigen Macht: Yacht, Privatjet, Villen, Jagdreviere, Kunstsammlung, Ferrari-Sammlung, Pferde. Alles einst Teil der Laura-Welt – und alles im Einflussbereich Benkos. Heute ist vieles davon verkauft, verschoben oder in den Strudel der Laura-Insolvenz geraten. Damit neigt sich auch ein wesentliches Kapitel des Benko-Systems seinem Ende zu.

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Insignien: Die Zeiten von Luxus-Yacht und Luxus-Jet gehören für den Immo-Jongleur der Vergangenheit an

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Der letzte Tresor

Der letzte große Tresor des Benko-Systems steht im Fürstentum Liechtenstein. Dort sind noch zwei Stiftungen angesiedelt: die INGBE Stiftung und die ARUAL Stiftung. Vor allem mit ersterer beschäftigen sich inzwischen die Finanzermittler des Amts für Betrugsbekämpfung sowie der Innsbrucker Insolvenzverwalter intensiv. In Liechtenstein wurde bereits eine Art einstweilige Verfügung erlassen, mit der große Teile des Vermögens vorübergehend eingefroren wurden.

Wie die gerichtliche Auseinandersetzung ausgeht, ist offen. Doch auch dem dortigen „Millionen-Goldbunker“ – News hat darüber ausführlich berichtet – scheint langsam die Luft auszugehen. Der Finanzplatz Liechtenstein ist jedenfalls bemüht, nicht in den Sog dieses vermeintlichen Kriminalfalls zu geraten.

Und Benkos Anwälte? Die wollen nicht auf ihren enormen Kosten sitzen bleiben.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 12/2026 erschienen.

Causa René Benko

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