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Interne Untersuchungen seien "sofort eingeleitet" und Personalmaßnahmen getroffen worden, betonte Sporrer. Dass die Öffentlichkeit Mitte Jänner und damit Wochen nach dem Tod informiert wurde, begründete sie damit, dass man den Ermittlungen nicht vorgreifen könne. Sie denke daran, dass auch eine unabhängige, zweite Überprüfung der internen Vorgänge durchgeführt werde, sagte sie weiters. Eine Verlegung nach einer Auseinandersetzung zwischen Justizwachebeamten und einem Häftling sei ein "üblicher Vorgang", um "eine Deeskalation zu bewirken", erklärte die Ressortchefin. In der JA Hirtenberg gebe es eine medizinische Abteilung, hielt sie fest. Sporrer verwies auf Schulungen und Fortbildungen für Justizwachebeamte zum Umgang mit psychisch Kranken. "Von Anfang an" sei sie tätig geworden, um Verbesserungen "vor allem in Bezug auf die gesundheitliche und psychiatrische Versorgung in den Haftanstalten" einzuleiten.
In einer parlamentarischen Anfrage an Sporrer wollen die Grünen unter anderem wissen, warum trotz bekannter psychischer Erkrankung des Häftlings kein medizinisches Personal beigezogen worden sei. "Warum wurde der Einsatz nicht abgebrochen, warum erfolgte keine sofortige notfallmedizinische Versorgung - und warum stehen die beschuldigten Beamten weiterhin im Dienst?", lauten weitere Fragen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, "handelt es sich um einen Justizskandal, der dem Ansehen des Rechtsstaates schweren Schaden zufügt", teilte Zadić am Mittwoch in einer Aussendung mit. "Sporrer muss jetzt Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass die Ermittlungen unabhängig, lückenlos und ohne Interventionen geführt werden. Strukturelle und personelle Missstände im Strafvollzug müssen sofort angegangen werden", betonte die stellvertretende Klubobfrau der Grünen und frühere Justizministerin. "Es wirkt, als wollte man die Angelegenheit vertuschen und kleinhalten", befand Zadić.
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt gegen zwölf Justizwachebeamte wegen des Verdachts der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung einer Amtsstellung. Ein schriftliches Obduktionsergebnis lag laut Sprecherin Petra Bauer am Mittwoch weiterhin nicht vor. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen wird der Einsatz intern evaluiert. "Der Ablauf der Ereignisse wird vollständig aufgeklärt und im Detail aufgearbeitet werden", teilte das Ministerium am Dienstag mit.
Der Häftling soll sich in der JA Stein mehrmals aggressiv gegenüber dem Personal verhalten haben. Ein Arzt hatte im November 2025 den Verdacht auf eine akute Psychose festgestellt und eine sofortige Verlegung des 30-Jährigen ins Anstaltsspital angeordnet, berichtete der "Falter". Mehrere Tage später wurde der Insasse in einen besonders gesicherten Haftraum verlegt, nachdem er ein Waschbecken zerstört und zwei Mitinsassen gewürgt haben soll. In seiner Zelle soll er im Wahn um sich geschlagen und dabei Beamte getroffen sowie gebissen und getreten haben. Am 1. Dezember wurde der Insasse in die JA Hirtenberg verlegt.
In Hirtenberg stellte ein Arzt am 2. Dezember dem "Falter" zufolge eine akute Psychose fest, angeordnet wurde die Unterbringung in einem besonders gesicherten Haftraum. Tatsächlich befanden sich dem Bericht zufolge in der Zelle ein Betonbett und ein Tisch. Für den 3. Dezember war ein Transport in die Psychiatrie einer Krankenanstalt geplant. Der Mann sei nicht sediert worden, ein Taser oder Bodycams seien nicht eingesetzt worden. Es kam den Angaben zufolge zu einer Rauferei mit mehreren Beamten, der schwer verletzte Insasse wurde in einen Gefangenenbus verfrachtet. Weil er kurz nach dem Losfahren keine Reaktion zeigte, wurde die Rettung verständigt und der Häftling reanimiert. Am Abend starb er im Spital. Ein Gerichtsmediziner stellte laut "Falter" unter anderem zahlreiche Brüche fest.
Der Anwalt der Eltern des Verstorbenen, Gerhard Jarosch von der Kanzlei Lansky, sagte laut ORF: "Entweder das System hat hier versagt und diese Beamten hatten keine Einschulung dazu, oder die Beamten haben darauf gepfiffen und das getan, was ihnen gerade eingefallen ist. Und das wüsste ich ganz gerne, vor allem wüsste das auch gerne die Familie." Auf alle Fälle müsse jetzt eine "ordentliche Untersuchung" stattfinden.
