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Karner sagte, dass die polizeiliche Anzeigenstatistik eine "Richtschnur" für polizeiliche Maßnahmen, für die Justiz und letztlich auch für politisch Verantwortliche darstelle. Die Aufklärungsquote "halte ich für einen sehr guten Wert", betonte der Innenminister. Gegenüber 2024 (52,9 Prozent Aufklärungsquote) gab es einen Anstieg. "Das heißt mehr als die Hälfte aller angezeigten Fälle" wurden aufgeklärt, resümierte Karner. Das sei die höchste Aufklärungsquote im 25-Jahre-Vergleich, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf.
Es wurden auch um rund 10.000 Tatverdächtige mehr ausgeforscht als 2024 - 2025 waren es 345.095 ausgeforschte Verdächtige. 52,3 Prozent stammen aus Österreich. 47,7 Prozent von ihnen waren ausländische Staatsbürgerinnen und -bürger. Das ist eine Steigerung von 4,8 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Die meisten Tatverdächtigen im Jahr 2025 kamen aus Rumänien vor Syrien und Deutschland. "Die schlechte Nachricht ist, ja es ist so, sie sind mehr geworden. Und die gute Nachricht ist: Wir kriegen sie. Und wir zeigen sie an. Und, das möchte ich an dieser Stelle auch deutlich sagen, wir schieben sie auch ab", sagte Karner. Im Vorjahr seien rund 3.000 verurteilte Straftäter abgeschoben worden.
Das Deliktsfeld Jugendkriminalität sei "im wahrsten Sinne des Wortes weiter ein Sorgenkind", räumte der Innenminister ein. "Nicht nur die Zahl der Täter hat zugenommen, die Täter sind auch immer jünger geworden." Vor allem bei zehn- bis 14-jährigen Tatverdächtigen, "die uns besonders fordern", hätten sich die Zahlen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt (55 Prozent). Im Vergleich zu 2024 gab es eine Steigerung von 9,4 Prozent. In dieser Altersgruppe würden die syrischen Tatverdächtigen negativ hervorstechen.
Im Jahr 2025 gab es 75.724 Tatverdächtige, die unter 21 Jahre alt sind, erklärte auch Ruf. Das ist eine Steigerung von 2,3 Prozent. Bei der Zahl der Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 18 habe es - im Gegensatz zu den Zehn- bis 14-Jährigen - einen leichten Rückgang von 0,1 Prozent gegeben.
Der Innenminister verwies auf die vor zwei Jahren gegründete Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität, es werde weitere Schwerpunktaktionen geben. Darüber hinaus sei die Umsetzung des im Regierungsprogramm enthaltenen Maßnahmenpaketes notwendig, diese würden gerade mit dem Koalitionspartner verhandelt. Das betreffe die gefängnisähnliche Unterbringung von Intensivtätern, dabei sei er der Stadt Wien sehr dankbar, die hier ein Pilotprojekt gestartet habe. Dazu soll das Messertrageverbot kommen, die polizeiliche Belehrung, die sich vor allem an die Eltern richte, sowie die sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen.
Bei der Internetkriminalität gab es zwar einen leichten Anstieg gegenüber 2024 von 1,8 Prozent, das Niveau des Jahres 2023 wurde aber nicht ganz erreicht, sei aber weiterhin hoch mit fast 62.500 Anzeigen. "Die Sensibilisierungsmaßnahmen beginnen zu greifen. Die Menschen werden vorsichtiger", lautete die Interpretation des Innenministers. Gerade deshalb sei hier aufgrund der schwierigen Ermittlungen die hohe Aufklärungsquote "beachtlich", sagte Karner.
Im Bereich der Gewaltkriminalität - der Androhung und der Ausübung - gab es eine Zunahme von 2,2 Prozent. Vor allem die gefährliche Drohung im digitalen Bereich habe stark zugenommen mit einem Plus von 16,4 Prozent. "Das ist die größte Steigerung in diesem Deliktsfeld", erklärte Karner.
Bei den Eigentumsdelikten - für den Innenminister "einer der sensibelsten Bereiche" - gab es erfreulicherweise einen Rückgang der Anzeigen von etwa einem Prozent. In den vergangenen 20 Jahren habe es bei diesen Delikten eine Halbierung der Fälle gegeben. Bei den Wohnungs- und Hauseinbrüchen gab es vor 20 Jahren noch rund 20.000 Anzeigen, nun sind es rund 6.000. Bei den Raubdelikten sind es nun auch um die Hälfte weniger - von 4.500 auf etwas über 2.000 Anzeigen innerhalb von 20 Jahren. Und bei den Kfz-Diebstählen - der laut Karner "deutlichste Rückgang" - fielen die Anzeigen von 8.000 auf unter 2.000 innerhalb der letzten 20 Jahre. Das sei auch der Etablierung von Maßnahmen wie der Soko Kfz zu verdanken, sagte der Innenminister.
Die klassische Eigentumskriminalität zählt mit 163.685 Anzeigen im Jahr 2025 allerdings immer noch zu einem der bedeutendsten Deliktsfeldern, sagte Ruf. Der Anteil zur Gesamtkriminalität liegt hier bei 30,4 Prozent. "Das subjektive Sicherheitsgefühl der betroffenen Menschen würde sie hier ganz stark beeinflussen", meinte der Generaldirektor.
Im Bereich Organisierten Kriminalität hat es im vergangenen Jahr 229 Anzeigen gegeben, so Ruf. "Das war im Jahr 2025 ein Höchststand." Die Kriminellen würden hier "gerade in Phasen der Instabilität" - wie etwa in Zeiten von Kriegen - zu ihrem Vorteil nutzen. Allerdings liege hier die Aufklärungsquote sehr hoch bei 89,5 Prozent. Der Fokus im vergangenen Jahr lag etwa bei Kartellen am Balkan oder auch bei russischsprachigen Tätergruppierungen. Diese handeln mit Waffen oder Drogen, betreiben Korruption oder Geldwäsche.
In diesem Jahr wird auch ein besonderer Fokus auf den Sozialleistungsbetrug gelegt, sagte der Direktor des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer. "Es ist eine Belastung für den Sozialstaat, also für uns alle." 2025 gab es nämlich 60.062 Anzeigen in dem Bereich, was ein Plus von 24,6 Prozent bedeutet. Die Aufklärungsquote liegt hier bei nahezu 100 Prozent, "weil der Sozialleistungsbetrug ein Kontrolldelikt" sei. Holzer avisierte dazu einen Gipfel am 15. April zu diesem Thema, um alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen.






