vl: WK-Direktor Meinrad Höfferer, Jutta Steinkellner, Leiterin des Servicezentrums und WK-Präsident Jürgen Mandl.
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Mehr als 51.000 Anfragen, steigende Beratungsstunden und ein Sparkurs für 2026: Die WK sieht sich als Stütze der Betriebe in Kärnten, von Rechtsfragen bis Bildung und Standortpolitik.
Die Wirtschaftskammer Kärnten (WK Kärnten) meldet für das Jahr 2025 eine hohe Nachfrage nach Beratung und Unterstützung. Laut aktueller Leistungsbilanz bearbeitete die Kammer 51.164 Serviceanfragen und erfasste 215.261 Servicestunden digital. Gegenüber 2024 sei die Zahl der Leistungsstunden erneut gestiegen.
WK Präsident Jürgen Mandl beziffert den Gegenwert dieser Leistungen mit 40,3 Millionen Euro. Damit liege der Wert des Wirtschaftskammerservice über den Mitgliedsbeiträgen von rund 36 Millionen Euro. Berücksichtigt seien dabei ausschließlich Services, die ein privatwirtschaftlicher Anbieter grundsätzlich verrechnen könnte. Mandl verweist auf die wirtschaftliche Lage, die von Bürokratiebelastung, geopolitischen Unsicherheiten und internationalen Handelsdebatten geprägt sei. Gerade dann brauche es rasche, verlässliche Hilfe für Betriebe.
Auch zur Qualität des Angebots nennt die Kammer Zahlen. Unternehmen hätten sich im Schnitt knapp 2,6 Mal pro Jahr an die Expertinnen und Experten gewandt. Eine Beratung dauerte im Durchschnitt 38 Minuten. In der Bewertung nach Schulnotensystem erreichte das Service laut WK erneut eine 1,1. Besonders häufig hätten Ein Personen Unternehmen sowie Kleinst und Kleinbetriebe Kontakt aufgenommen, aus diesem Segment kamen 29.248 Anfragen. Bei Großbetrieben mit mehr als 250 Beschäftigten lag die Kontaktquote laut WK bei 76 Prozent.
Rechtsberatung und Gründungshilfe am stärksten nachgefragt
Am stärksten nachgefragt war erneut die Rechtsberatung. 13.517 Anfragen betrafen arbeits, sozial und wirtschaftsrechtliche Themen. Ebenfalls stark genutzt wurden Gründungsberatungen mit 11.583 Anfragen sowie Beratungen zu Förderungen, Steuern und Abgaben, Außenwirtschaft und Zoll.
Zusätzlich berichtet die WK von erweiterten Unterstützungsleistungen, etwa Begleitung bei Behördenverhandlungen. 94 Unternehmen seien kostenlos durch Vertragsanwälte vor Gericht vertreten worden. Durch Interventionen, etwa bei Internetbetrug, Erlagscheinschwindel oder Urheberrechtsverletzungen, beziffert die Kammer eine Kostenersparnis von 450.171 Euro für betroffene Unternehmen.
Standortthemen: Koralmbahn, AREA Süd und digitale Infrastruktur
Neben Service hebt WK Direktor Meinrad Höfferer die Rolle als Interessenvertretung hervor. 2025 habe sich die WK Kärnten an 204 Gesetzesbegutachtungen auf Bundesebene und 86 auf Landesebene beteiligt, dazu kamen 444 weitere Stellungnahmen zu wirtschaftsrelevanten Themen.
Inhaltlich nennt die Kammer Infrastruktur und Standortprojekte, darunter den Ausbau der S37 und der B317 bis zur steirischen Landesgrenze, außerdem Debatten rund um Windkraftprojekte sowie den Ausbau von 110 und 380 kV Leitungen. In der Tourismuspolitik habe man sich in die Tourismusreform eingebracht.
Als wichtigen Einschnitt für den Standort bewertet die WK die Inbetriebnahme der Koralmbahn. Seit Dezember seien Graz und Klagenfurt in 41 Minuten verbunden, der neue Wirtschaftsraum werde unter der Dachmarke AREA Süd weiterentwickelt. Für Südkärnten verweist die Kammer auf den IC Halt sowie den Verladebahnhof in Kühnsdorf.
Zusätzlich wird ein regionaler Internet Exchange Point namens ALPSiX als Schritt für Datensicherheit und digitale Leistungsfähigkeit genannt.
Reformkurs und Sparkurs: 1,4 Millionen eingespart, 2026 weitere Million geplant
Intern betont die WK Kärnten einen fortgesetzten Reformkurs. Strukturen seien verschlankt, Kosten gesenkt und Bezirksstellen zusammengelegt worden, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Vor dem Hintergrund rückläufiger Einnahmen sei ein Sparkurs umgesetzt worden, 2025 mit Einsparungen von rund 1,4 Millionen Euro. Für 2026 seien weitere Einsparungen von rund einer Million Euro vorgesehen, unter anderem durch zurückgestellte Investitionen und natürliche Abgänge im Personal.
Auch das WIFI sei von strukturellen Anpassungen betroffen, verbunden mit einem gezielten Personalabbau, ohne Abstriche bei der Qualität der Angebote, so die Kammer.
Einen Schwerpunkt setzt die WK weiterhin bei Aus und Weiterbildung. In den vergangenen zehn Jahren seien rund 45 Millionen Euro in Bildungsinfrastruktur investiert worden, darunter das Testcenter Carinthia (TCC) und Lehrwerkstätten. Das WIFI Kärnten zählte 2025 laut WK rund 25.000 Kundinnen und Kunden.
Im TCC hätten seit der Eröffnung vor knapp zwei Jahren 6.311 Jugendliche und 1.032 Erwachsene Angebote zur Berufsorientierung genutzt. Die Lehrlingsstelle wickelte 459 Lehrabschlussprüfungen mit 2.804 Kandidatinnen und Kandidaten in 144 Lehrberufen ab und erstellte 3.230 Lehrverträge. Dazu kamen 14.514 Förderfälle mit Bundesförderungen in Höhe von 19 Millionen Euro.
Exportchancen ja, Bürokratieabbau bleibt Kernforderung
Mit Blick nach vorn verweist die WK auf anspruchsvolle Rahmenbedingungen, aber auch auf mögliche Exportchancen durch Handelsabkommen, sofern sie umgesetzt werden. Mandl verbindet das mit einer klaren Forderung: Internationale Öffnung brauche im Inland schnellere Verfahren, klare Zuständigkeiten und spürbaren Bürokratieabbau, damit Betriebe nicht ausgebremst werden.

