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Zaz, das notorische Springinkerl, sei mit ihrem neuen Album "Sains et Saufs" von September 2025 ruhiger, gereifter, reflektierter und verletzlicher geworden, ham's g'schrieben die Kritiker (nicht nur die französischen); die 45-Jährige arbeite in dem Werk vergangene persönliche Krisen auf wie den Tod ihres Vaters, ham's g'schrieben die Kritiker. Mag sein - aber live ist Zaz ein einziges freudesprühendes und -spendendes Motivationsbinkerl. Ihre Botschaft an die Fans, auf Deutsch vorgetragen: "Wir leben in sehr dunklen Zeiten. Und meine Antwort auf Dunkelheit war immer die Freude."
Sie singt in jeder (Lebens-)Lage: tanzend, hüpfen, liegend und kniend - und immer zum Niederknien mitreißend und intensiv. Ihre Stimme ist ebenso kraftvoll wie nuancenreich - da lassen sich Chansons, Jazz und Pop-Anklänge stilsicher präsentieren. Begleitet wurde die Französin von einer vierköpfigen Band, die vor allem zu Beginn ganz im Stil einer feinen Chanson- und Jazz-Combo agierte. Aber die Herren können es auch deutlich heftiger - ebenso wie Zaz selbst. Der Beweis: eine mitreißend rockige Version ihres Songs "Eblouie par la nuit" aus 2017.
Die Stimmung der Fans war von Beginn an bestens. Bei "La Flamme" sang das Publikum beglückt mit, "Comme ci, comme ca" war noch flotter, bei "Si jamais j'oublie" wäre eigentlich Mitschunkeln angesagt gewesen - was freilich bei einer gefühlten Distanz von zwei Zentimetern zwischen den Fans schlicht unmöglich war. Die Halle war gesteckt voll, zudem voll stickig und zu heiß - aber das alles beeinträchtigte weder die fröhliche Zaz noch ihr davon "angestecktes" Publikum.
Die Zugaben begannen zwar etwas getragener, aber schon bei Nummer drei gab Zaz mit Edith Piafs "La Vie en Rose" wieder Gas, die Darbietung und die Publikumsreaktion dürfen getrost als euphorisch bezeichnet werden. Aber natürlich hatte Zaz da noch einen Song auf Lager, der das toppen konnte: ihren allergrößten Hit "Je veux" als hinreißendes Finale - natürlich mit der Tröte, die Zaz quasi weltberühmt gemacht hatte. Die quirlige Französin hat die Gasometer-Halle am Montagabend tatsächlich mit Liebe, Lebensfreude und Hoffnung geflutet und in ihren persönlichen Arc de Triomphe verwandelt.
(Von Werner Müllner/APA)