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Triumphaler Schlussakkord von Grönemeyer-Tour in Wien

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Auftritt in ausverkaufter Wiener Stadthalle
©APA, GEORG HOCHMUTH
Herbert Grönemeyer ist auch unplugged ein Verstärker für Menschlichkeit und gegen Rechts: Das bewies der Star aus Bochum Donnerstagabend in der ausverkauften Wiener Stadthalle bei seinem spektakulären "Mittendrin - Akustisch"-Abend. Wobei das Motto des Konzertes wortwörtlich zu verstehen war: Die Bühne stand exakt im Zentrum von Halle D, bevölkert von bis zu 20 MusikerInnen und einem 20-köpfigen Chor. Was für ein triumphaler Schlussakkord seiner aktuellen Tour.

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Akustisch geht auch pompös: Auf die rechteckige Riesenbühne für die zusammen 40 Menschen - neben Grönemeyer und Band ein achtköpfiges Streicherensemble und der Chor "Ensemble Grenzenlos" - war ein rundes Zentrum aufgesetzt, auf dieses wiederum ein kleines Rechteck nur für den Meister. Der bald 70-Jährige rannte, hüpfte und sang aber meist hypermobil im gesamten Stage-Bereich - gut so, denn so konnten alle vier Zuschauerabschnitte "Gröni" immer wieder frontal und recht nah sehen. Eigentlich ein Super-Live-Stage-Konzept (wenn es nicht mutmaßlich ein bissl teuer sein würde und somit wohl kaum für jede Band leistbar...).

Gleich zu Beginn entschuldigte sich Grönemeyer für seine vom Wetter seines vorherigen Tourstopps Dortmund angeschlagene Stimme: "Meine Stimme ist ein bisschen geschädigt, aber dafür tanz' ich schön!" Lustig, aber wichtiger waren seine Ansagen für Menschlichkeit und gegen Rechts: "Menschen mit Migrationshintergrund, die gehören zu uns", schmetterte er als Intro für den Song "Doppelherz/Iki Gönlüm" ins Publikum. Noch deutlicher das Motto: "Wir leben durch die Vielfalt, wir leben für die Menschen." Hetzer sollten "die Klappe halten!" Es folgte das Lied "Fall der Fälle" mit dem prägnanten Chorus "Kein Millimeter nach rechts!"

Aber es gab bei Weitem nicht nur solche politischen Appell-Momente, schließlich spielte er natürlich "Bochum", "Männer", "Was soll das" und "Mambo" - dessen Chorus leider für viele Fans bei der mühsamen Anreise zur Stadthalle mit voller Garage Realität wurde: "Ich drehe jetzt schon seit Stunden hier so meine Runden." Aber Grönemeyer ist ja innerhalb seiner rauen Ruhrpott-Schale ein fanatisch Liebender, ein Romantiker und Träumer. "Flieg", die erste Single aus dem neuen Album, ist ein sehr guter Beweis dafür - auch wenn er den sanft schwebenden Song mit voller Inbrunst ins Publikum brüllt.

Man möchte kalmieren: Keine Angst, der schreit nicht, der will nur lieb sein. Apropos: Nur in Wien spielt der Altmeister im Zugabenset "Ich hab Dich lieb". Das Publikum reagierte mit Rührung, Begeisterung und überzeugendem Chorgesang. Überhaupt waren die Reaktionen der Fans von Anfang bis Ende des Abends schlicht euphorisch, und das völlig berechtigt. Kompliment von ihrem Onkel Herbert: "Ihr tragt einen auf Händen, das ist ja unfassbar!"

Und wieder was gelernt: Man muss Herbert Grönemeyer nicht unbedingt "ganz doll" mögen, um von ihm tiefst beeindruckt zu sein.

(Von Werner Müllner/APA)

Der Musiker Herbert Grönemeyer am Donnerstag, 19. Februar 2026, während seines Konzerts in der Wiener Stadthalle.

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