von
"In A Silent Way" interpretiert Sokal mit seinen Groove unlimited-Kollegen Jojo Lackner (Bass) und Herbert Pirker (Drums) sehr, sehr nahe am Original, eigentlich noch ein bisschen zarter und intimer durch den Einsatz des Sopran-Saxophons statt Miles Davis' Trompete. Aber auch der Zawinul'sche Groove des zweiten Teils der Nummer kommt nicht zu kurz. Und rund um "In A Silent Way" gruppierte Sokal in dem Album feinste, manchmal beinahe zerbrechliche Nummern aus eigener Feder wie beispielsweise "Less We Can" oder den lyrischen "Choral" von Thierry Lang.
Sokal und Zawinul sind einander in ihren langen Karrieren natürlich öfter "über den Weg" gelaufen, die Treffen waren immer gekennzeichnet von großem gegenseitigen Respekt. Legendär ist eine Zusammenkunft in New York, als Harry Sokal mit Flügelhornist Art Farmer im Club "Sweet Basil" spielte. Zawinul neckte den stilistisch sehr traditionellen Saxophonisten, der bis heute gerne im gepflegten Fahrwasser des großen John Coltrane phrasiert: "Super Harry (...), aber Oida, warum spielst so a oide Musik - spü a gscheite Musik!"
Vielleicht hat sich Harry Sokal das gut gemerkt - denn die Abschlussnummer des Albums, "Hit Hat", steigert sich nicht nur beständig im Tempo, es "übernehmen" im Lauf des Stückes vor allem elektronische Sounds und Drum & Bass - ganz im Zawinul'schen Stil, wie er das vor allem mit "Wheather Report" perfektioniert hatte.
Generell ist "I Remember Joe" aber ein sehr introvertiertes Werk, fein, sanft, fragil, streckenweise melancholisch. Eigentlich sollte man sich das Album an einem stillen Wintertag anhören, während vor dem Fenster langsam die Schneeflocken herniederschweben. Immerhin war das exakt jenes Szenario, in dem Joe Zawinul daheim in Wien im Winter 1968/69 "In A Silent Way" geschrieben hatte.
(Von Werner Müllner/APA)
(S E R V I C E - Harry Sokal & Groove unlimited: "I remember Joe", Albumpräsentation am 21. Jänner, 21 Uhr, im Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien)
