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Sie habe Themen beim Namen nennen wollen, so die Künstlerin mit bürgerlichem Namen Eva Klampfer. "Das war so der Ursprungsgedanke, und der zieht sich durch das ganze Album." Bei großen Produktionen würde vieles davon ablenken, worüber man singt. "Je spärlicher alles instrumentiert ist, desto mehr hört man auf die Texte und auf die einzelnen kleinen Stimmungen. Es ist quasi alles viel nackter", betont Lylit.
Die Entstehung von "her" war ein langer Prozess über mehrere Jahre, erzählt sie. "Wir haben teilweise jede Zeile umgedreht, um herauszufinden, ob Musik und Stimme, ob Musik und Lyrics wirklich kohärent sind. Ihr Schauspiellehrer Christian Nekrasov habe öfter zu ihr gesagt: "Jetzt machst du schon wieder Schnörkel." - "Das war mir gar nicht bewusst. Er hat mir das ausgetrieben, damit alles so pur wie möglich klingt", schmunzelt Lylit. "Die Frage war: Wie kommt der Inhalt am besten rüber? Was braucht er, damit er am besten blühen kann?"
Die Essenz von "her" besteht - trotz der mitunter eingesetzten Streicher - aus der Stimme und Klavier. "Das ist mein Instrument", sagt Lylit. Viel wurde improvisiert und Kompromisse vermieden. Über die Frage, wo man die so entstandenen Songs "auf den österreichischen Markt bezogen hintut", habe sie "gar nicht nachdenken" wollen. Und was ihr Genres betrifft: "Darauf habe ich selbst keine Antwort. Ich habe klassisch Klavier studiert und finde, man spürt, dass die Songs g'scheit von der Klassik geprägt sind. Das Soulige kommt von meiner Stimme, die hat dieses Timbre. Im Großen, sage ich, ist es wahrscheinlich trotzdem Pop."
Je älter sie werde, desto mehr möchte sie nur das thematisieren, was sie "wirklich, wirklich" spüre, bekräftigt Lylit. Der Song "My Body" über einen erlebten Übergriff etwa war zunächst nicht geplant. "Aber dadurch, dass ich tief gegraben und viel an mir gearbeitet und versucht habe, nicht auszuweichen, ist dieses Thema herbeigewachsen. Irgendwie dachte ich: Okay, dann schreibe ich diesen Text, wenn er unbedingt geschrieben werden will." Dann sei ihr das "extrem leicht" von der Hand gegangen.
Zwischen fragiler bis geschmeidiger Stimme ist der Song "Crush" mit Sprechgesang "ein bisschen ein Alien", so Lylit. Es handelt sich um eine Abrechnung mit "Möchtegern-Diktatoren" und "Boys-Clubs". "Wir haben lange überlegt, ob das Lied auf das Album soll oder nicht, weil es dich ein bisschen rauszieht aus der anderen Stimmung. Aber Klavier und Stimme sind der rote Faden. Auch wenn die Stile teilweise unterschiedlich sind, ist alles gleich aufgenommen, ganz roh, oft in einem Take, Klavier und Stimme gleichzeitig eingespielt, alles so akustisch und echt wie möglich."
Der Titelsong etwa sei eine einzige Improvisation, die im Gegensatz zu den übrigen Nummern nicht im Radiokulturhaus, sondern im eigenen Studio aufgenommen wurde: "Das Klavier war super verstimmt und wir wollten eigentlich nur ein Demo aufnehmen. Schlussendlich haben wir gesagt, na okay, das lassen wir jetzt so." Hört man den berührenden Track, kann man dieser Entscheidung nur beipflichten.
So düster sich manche ihrer Lieder anhören, so sonnig wirkt Lylit beim Gespräch. "Ich habe schon als Kind den Schmerz in der Musik geliebt", erklärt sie. "Ich war ein total glückliches Kind und habe nur düstere Musik gehört. Musik ist ein so schönes Tool, um Dinge auszuleben, die man sonst im normalen Leben nicht ausleben will, kann oder soll. Ich glaube, darum berührt uns Musik, weil wir da etwas fühlen dürfen, was wir sonst vielleicht wollen oder können. Ich mag auch gern das Schöne im Leben und bin gern einfach lustig."
(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.lylit.com )
