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Romano erzählt mit Sprechgesang Skurriles über Körperteile

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Romano singt/spricht über Beine, Ohren, Finger, Zöpfe und Penis
©Arcadia Live, Fabien Prauss, APA
Am Anfang war die Zunge: "Dieses Wort klingt besonders. Und wenn man es geschrieben sieht, hat das was. Außerdem finde ich die Funktion der Zunge extrem spannend, diese ganzen Geschmacksknospen und so weiter. Da habe ich einfach mal losgeschrieben", sagt Sprechgesangskünstler und Texter Romano im APA-Interview. Herausgekommen ist nicht nur das Stück "Zunge", sondern am Ende auch ein ganzes Album über Körperteile.

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Man könnte Romano (bürgerlicher Name: Roman Geike) auch als Rapper bezeichnen, aber das greift ebenso zu kurz, wie die Musik zu seinen Worten in eine Genreschublade wie Hip-Hop stecken zu wollen. "Zehn Songs und zwei Gedichte", fasst der 49-Jährige das Album "Körper" (erscheint am 20. Februar) zusammen, die Beats steuerte Produzent Siriusmo bei. Die Musik orientiert sich am Inhalt der Stücke und verstärkt deren Atmosphäre.

Nach "Zunge" kam die Überlegung: "Welche Körperteile interessieren mich?" Bei "Finger" sei die Aufgabe recht leicht gewesen. "Da lag ein Abzählreim auf der Hand - so wie: meine Mutter schneidet Speck, schneidet mir den Finger weg. Das kannte ich noch aus der Kindheit", erzählt Romano. "Bei anderen Körperteilen wiederum musste ich ein bisschen überlegen, etwa was ich zum Thema Fuß machen kann."

In "Fuß des Tabanaka" erzählt Romano von einem Wunder bewirkenden, nicht zu verwesen scheinenden Fuß in einem Kloster. Allerdings haben dort die Klosterschüler "hinter dem heiligen Schrein, alle nur ein Bein". Der Künstler zur Inspiration: "In den Kirchen auf Sizilien habe ich Reliquienschreine gesehen. Die haben mich fasziniert. Daraus ist so was wie eine kleine Horrorgeschichte entstanden."

Grausig geht es in "Ohren" zu, wenn darin "etwas abseits der Norm" entsteht, was "widerlich riecht". "Da habe ich mich ausgetobt", so Romano. "Ich habe erst auch überlegt, ob das nicht ein bisschen eklig ist. Aber gleichzeitig habe ich ein Interesse an Horror und Science-Fiction - da gibt es öfter mal irgendeinen Schleim, der irgendwo runterläuft." Und weiter: "Ohren sind ja was sehr Passives. Sie nehmen die Außenwelt wahr, können sich aber nicht wehren. Wahrscheinlich würden die Ohren gerne mal was zu uns sagen, dass es ihnen reicht - oder einfach nur mal schreien können."

Die Arbeit an "Körper" sei bis zum Schluss "eine sehr amüsante Reise" gewesen, betont Romano: "Bei einem Song musste ich beim Verfassen besonders herzhaft lachen, bei 'Penis'." Der Deutsche schaffte es, "Faust" und Erektionsprobleme in diesem Stück zu thematisieren. "Im Hip-Hop geht es immer um den längsten und härtesten, und hier ging es um den kleinsten und schlaffsten", schmunzelt er.

Wilhelm Busch und Münchhausen sind ebenso Einflüsse auf die kreative Arbeit Romanos wie Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft. Auch die Kindheit sei angeführt: "Mein Vater war Sprengmeister, Pyrotechniker und Leiter der Waffenkammer im Fernsehfunk. Auf dem Weg zu ihm bin ich oft durch den Requisitenfundus gestapft. Was kann es für einen fünf-, sechsjährigen Jungen Spannenderes geben, als sich zu verkleiden?" Das Album "Körper" sei dazu prädestiniert, die seinerzeitigen Fantasiewelten "noch mal ein bisschen auszuleben".

Es finden sich neben Schrägem wie in "Zöpfe" (solche sind übrigens Romanos Markenzeichen) auch kritische Beiträge. In "Beine" befasst er sich mit "dieser neuen Kriegsführung in Form von Drohnen und Robotern", erläutert Romano. "Ich werde im Lied zum Cyborg ohne Stand-by-Funktion." Und auch die Pointe "Hirn und Herz, die braucht es nicht, dafür haben wir jetzt Apps" sitzt.

Am 18. März will Romano das Publikum im Wiener Flucc "für zwei Stunden in so eine ganz spezielle fantasievolle, vielleicht auch hie und da ein bisschen bedrohliche Welt entführen, die Spaß macht". Zwei Musiker werden ihn dabei begleiten.

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - www.romanomusik.de - https://arcadia-live.com )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Arcadia Live/Fabien Prauss/Fabien Prauss

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