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Für die vielen ESC-Fans in Deutschland dürfte nicht nur wegen des Senderwechsels vom NDR zum SWR das diesjährige ESC-Finale wegweisend werden. Nachdem in den Jahren 2019 bis 2023 ausschließlich Plätze am Ende des Teilnehmerfelds heraussprangen, reichte es in den vergangenen zwei Finals für Mittelfeldplatzierungen.
2024 wurde Isaak im schwedischen Malmö Zwölfter, im vergangenen Jahr belegte das Wiener Duo Abor & Tynna im schweizerischen Basel den 15. Platz. Damit war zwar der vom damaligen ESC-Chefjuror Stefan Raab zum Ziel erklärte Sieg in weiter Ferne - aber zweimal solides Mittelfeld ist für das beim ESC Niederlagen gewohnte Deutschland schon ein Erfolg.
Damit stellt sich nun die Frage, ob es noch weiter aufwärts geht oder ob Deutschland wieder zurück in die ESC-Bedeutungslosigkeit rutscht. Im Vorentscheid wird sich nicht nur zeigen, ob die vom SWR im Voraus ausgewählten neun Starter gute Lieder auf die Bühne bringen. Es wird sich auch zeigen, ob die Künstler bühnentauglich sind - manches im Radio gut klingende Lied scheiterte in den vergangenen Jahren beim weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb an der lahmen Performance der Starter.
Die auf der Internetseite esc-kompakt.de bereits vor dem Vorentscheid rege diskutierenden Fans machten für Samstag bereits einen Favoriten aus. Der aus Liechtenstein stammende und inzwischen in Köln lebende nichtbinäre Künstler wavvyboy, der sich weder als Mann noch als Frau fühlt, gilt mit "Black Glitter" dort als Favorit. Sollte wavvyboy tatsächlich gewinnen, würde Deutschland erstmals einen nichtbinären Künstler zu dem in der queeren Szene besonders stark beachteten Wettbewerb schicken.
Zum Favoritenkreis zählen die Fans auch die vom Namen her bekannteste Starterin Sarah Engels. Die mit der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" und ihrer gescheiterten Ehe mit Pietro Lombardi bekannt gewordene Engels geht mit der Popnummer "Fire" ins Rennen. Weitere Teilnehmer des Vorentscheids sind der Sänger Bela mit "Herz", die Gruppe Dreamboys The Band mit "Jeanie", Sängerin Laura Nahr mit "Wonderland", Sängerin Malou Lovis mit "When I'm with you", Sängerin Molly Sue mit "Optimist (HaHaHa)", der Sänger Myle mit "A OK" und die Band Ragazzki mit "Ciao Ragazzki".
In der auf drei Stunden angelegten Show wird eine 20-köpfige Jury aus 20 ESC-Teilnehmerländern von diesen neun Startern die aus Jurysicht besten drei auswählen. Am Ende wird dann das Publikum aus diesen drei Juryfavoriten den deutschen Starter auswählen. Damit entschied sich der SWR mal wieder für ein neues Prozedere für den Ablauf des deutschen Vorentscheids - schon in den vergangenen Jahren hatte es kaum Kontinuität gegeben.
