ABO

"Mo & Moritz": Neues Jugendbuch von Julya Rabinowich

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Jugendbuch von Julya Rabinowich
©APA, Hanser, Hanser Verlag
Am Opernball kommen derzeit auch die Wiener Autorinnen nicht vorbei. Nach der satirischen Reportage "Opernball" von Stefanie Sargnagel und dem Krimi "Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade" von Angelika Hager spielt auch das Jugendbuch "Mo & Moritz" von Julya Rabinowich auf dem Staatsball. In einer entscheidenden Szene begegnen einander zwei ungleiche junge Männer, ein muslimischer Friseurlehrling, der beim Auffrisieren hilft, und ein jüdischer Ballbesucher.

von

Beide werden "Mo" gerufen. Der eine heißt Moritz und ist Sprössling einer Familie, die im Holocaust viele Mitglieder verloren hat und vom neuen Antisemitismus alarmiert ist. Der andere heißt Mojad und hat seinen vollständigen Vornamen abgelegt, als er, versteckt unter der Küchenabwasch, miterleben musste, dass seinem Vater, der seine Söhne vor der Rekrutierung durch Islamisten schützen wollte, eine Hand zertrümmert wurde. Am nächsten Tag trat die Familie im Morgengrauen die Flucht an und lebt nun in Wien.

Hier ruhen die Hoffnungen der Geflüchteten nun ganz auf der nächsten Generation: Mojads Schwester assimiliert sich jedoch schneller, als den konservativen Eltern lieb ist, sein Bruder entwickelt sich zum religiösen Hardliner, der Eltern und Frauen kaum mehr Respekt entgegenbringt, und Mo fliegt von der Schule, weil er sich von denen, deren Verachtung er zu spüren meint, nichts mehr gefallen lassen möchte. Die Möglichkeit, in einem renommierten Frisiersalon eine Lehre antreten zu können, erweist sich als Rettungsanker. Der Friseur "Herr Franz" hat viel Geduld mit ihm, unter den älteren Kundinnen wird "Frau Christiane" für Mo zur guten Fee, die ihm auch für private Dinge ein offenes Ohr und verständnisvollen Zuspruch schenkt.

Bald steckt Mo nämlich in einem mehrfachen inneren Konflikt. Allmählich muss er sich eingestehen, dass er für Moritz das empfindet, was er nach Ansicht seiner Familie für eine junge Frau empfinden sollte - Zuneigung, Zärtlichkeit, Liebe nämlich. Gleichzeitig hat er den Verdacht, dass die vielen Stunden, die sein Bruder im Internet verbringt, und die fundamentalistischen Sprüche, die er klopft, miteinander zusammenhängen. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf Alarmierendes und steht nun vor einem Dilemma: Informiert er die Polizei, bringt er den Bruder in Haft und Schande über die Familie; unternimmt er nichts, gefährdet er neben anderen unzähligen Konzertbesuchern vielleicht auch seine Schwester und deren Freundinnen.

Nichts anderes als den geplanten Anschlag auf das Wiener Taylor-Swift-Konzert hat sich Rabinowich nämlich als Verankerung ihrer fiktiven Geschichte in der Realität ausgesucht - und versucht so auch den Rest zu beglaubigen, den sie mit viel Verständnis für die Nöte und Konflikte Heranwachsender erzählt. "Mo & Moritz" ist für ein Lesepublikum ab 14 Jahren empfohlen. Was das Buch glaubwürdig vermittelt, ist, dass auch in diesem Alter niemand eine Insel ist, und dass der richtige Kurs im umliegenden Archipel von Untiefen und gefährlichen Strömungen nicht einfach zu finden ist.

Rabinowich zeigt, dass man Konflikten mit Eltern nur schwer aus dem Weg gehen kann, dass aber nicht bei allen Erwachsenen Hoffnung auf Empathie und Unterstützung vergebens ist. Vielleicht begibt sie sich mit ihrer "blauen Fee" dabei zu sehr Richtung Märchen, doch sie trifft den richtigen Ton, auch wenn es um große Gefühle geht. Als "Mo & Moritz" eine Chance bekommen und eine Woche alles andere hinter sich lassen, können die Verliebten ihr Glück kaum fassen: "Wie 'Romeo und Julia'" - "Nur mit dem Unterschied, dass wir leben, Mann. Ich habe das extra nachgelesen."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Julya Rabinowich: "Mo & Moritz", Hanser, Ab 14 Jahren, 224 Seiten, 17,50 Euro, Lesung und Gespräch am 9.2., 11 Uhr, Junges Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Hanser Verlag/Hanser

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER