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Im Jahr 2022, in dem Pogo unter seinem bürgerlichen Namen bei der Bundespräsidentenwahl antrat und mehr als 8 Prozent der Stimmen erhielt, betrat er mit seinem Debüt "Gschichtldrucker" erstmals auch die Kabarettbühne. Am Mittwoch hat nun sein zweites Kleinkunstsolo "Lost & Found" Premiere. Kurz davor sprach der 39-Jährige im Interview mit der APA über den Druck als Alleinunterhalter, Lektionen aus der Politik und das "Lost"-Sein.
APA: Sie haben am Mittwoch mit Ihrem neuen Programm Premiere. Schon Lampenfieber?
Marco Pogo: Ich bin generell ein grundentspannter Mensch und lass' mich durch wenig aus der Ruhe bringen, habe aber schon noch einiges zu tun. Ich habe jetzt ein paar Vorpremieren gespielt. Da probiert man das Ganze aus, dann schreibt man um, dann probiert man wieder, schreibt wieder um ... Ich steh jetzt nicht direkt am Anfang, aber weit gekommen bin ich auch noch nicht (lacht). Viele Wuchteln fallen mir auch erst beim Spielen ein.
APA: Inwiefern macht es einen Unterschied, als Musiker oder Kabarettist auf der Bühne zu stehen?
Pogo: Es ist schon ein Riesenunterschied. Beim Musikmachen ist man als Band auf der Bühne. Die Last, die Menschen eineinhalb Stunden zu unterhalten, teilt sich auf mehrere Schultern auf. Beim Kabarett bin ich alleine. Dir gehören alle Lacher und der Applaus, aber wenn du's vergeigst, warst Du es auch alleine. Der Druck ist schon ein anderer, es macht aber beides irrsinnig Spaß. Kabarett ist allerdings ein sehr großer Begriff. Da denke ich z.B. an Josef Hader - und da bin ich wirklich zu demütig, um mich dazu zu zählen.
APA: Bei Musikern heißt es immer, das zweite sei das schwierigste Album. "Lost & Found" ist jetzt Ihr zweites Kabarettprogramm. Ist es Ihnen leicht von der Hand gegangen?
Pogo: Ich habe in den vergangenen Jahren viel erlebt - als Musiker und in der Politik. Da haben sich viele Geschichten angesammelt, die ich endlich loswerden kann. Das Schreiben ist mir so gesehen nicht schwer gefallen. Alles wiederum so auf den Punkt erzählen zu können, dass es "a runde G'schicht" wird, ist jetzt die Herausforderung, vor der ich stehe. Weil eine Geschichte erst dann gut ist, wenn sie gut erzählt wird. Insgesamt ist ein zweites Programm nicht so leicht, weil es natürlich eine Erwartungshaltung gibt. Jeder weiß, dass ich in ganz Österreich vor vollen Häusern gespielt habe. Es ist also schon ein bisschen mit Druck behaftet.
APA: In Ihrem Debüt "Gschichtldrucker" haben Sie aus dem Leben erzählt. Schließt das jetzige daran an?
Pogo: Es heißt "Lost & Found" und geht ums Verlieren und Wiederfinden. Verlieren kann man relativ viel: sich selbst, den roten Faden, den Schlüssel - oder wie ich im Programm den Kalender, was besonders schlimm ist. Das ist die Rahmenhandlung für das wilde Potpourri an Anekdoten, die ich erzähle. Das sind Geschichten, die wirklich so passiert sind. Ich habe eigentlich nix dazuerfinden müssen.
APA: Sind das Erlebnisse von Marco Pogo oder von Dominik Wlazny?
Pogo: Beides. Ich bin ja nicht nur Kunstfigur, sondern ein ganz normaler Mensch und als solcher z.B. extrem schlecht in der Reiseplanung. Ich bin einmal einen Monat zu Früh nach Norwegen geflogen, weil ich nicht in den Kalender geschaut habe.
APA: Sind Sie ein Typ, der schnell einmal "lost" ist?
Pogo: Eigentlich gar nicht. Ich bin schon viele Jahre Musiker und habe immer genau gewusst, wohin die Reise geht. Ich muss aber schon sagen, dass das Jahr 2024 für mich ein Jahr der Zäsur war und ich danach etwas "lost" war. Das war eine Erfahrung, die ich in meinem Leben bisher nicht kannte. Daran wächst man auch. Aber es war zum ersten Mal so, dass ich etwas orientierungslos war.
APA: Sie spielen auf das Scheitern der Bierpartei bei der Nationalratswahl an ...
Pogo: Genau. Die Bierpartei war ein riesengroßer Teil meines Lebens, und ich habe sehr viel Energie da reingesteckt. Da kann es Dir dann schon den Boden unter den Füßen wegziehen.
APA: Und wie kriegt man den Boden wieder unter die Füße?
Pogo: Indem man sich dem widmet, was einem Spaß macht. Ich habe mich wieder der Kreativarbeit gewidmet, die mir extreme Freude bereitet. Ich habe Musik und eben ein Programm geschrieben im vergangenen Jahr. Das hat mir wieder Leben eingehaucht.
APA: Spielt Bier oder Politik die größere Rolle im Programm?
Pogo: Bier spielt eine sehr untergeordnete Rolle, Politik eine größere, weil das eben so ein großer Teil meines Lebens war. Es ist aber kein politisches Programm, das können andere besser.
APA: Sie als Politinsider: Wie viel kabarettistisches Potenzial steckt im heimischen Politbetrieb?
Pogo: Was ich gelernt habe als jemand, der immer einen sehr humoristischen Zugang zu den Dingen und auch zu ernsten Themen gehabt hat: So lustig ist Politik gar nicht. Auch das war eine Lektion.
APA: Haben Sie vielleicht ein bisschen unterschätzt, wie Politik funktioniert und welche Kräfte da wirken können?
Pogo: Unterschätzt glaube ich nicht, weil ich wusste, dass das ein hartes Feld ist. Die Härte, mit der gekämpft wird, hat mich aber schon manchmal überrascht.
APA: Das Kapitel Parteipolitik ist für Sie also endgültig abgeschlossen?
Pogo: Man soll im Leben nie etwas ausschließen, aber vorerst ist das Buch jetzt einmal geschlossen.
APA: Laut Rechnungshof hat die Bierpartei aber noch 120.000 Euro übrig. Was passiert mit dem Geld?
Pogo: Das war eine Momentaufnahme zum Jahresabschluss 2024. Wir haben unsere laufenden Kosten weiter damit bestritten - von Rechts- und Steuerberatung über Personal bis Infrastruktur. Details dazu folgen im Rechenschaftsbericht 2025. Wir waren ja auch bis zum Ende der Legislaturperiode in Wien noch aktiv.
APA: Haben Sie im Kabarett neben dem Anekdotischen auch den Anspruch, einen satirischen Blick auf die Welt im Jahr 2026 zu werfen?
Pogo: Natürlich äußere ich meine Gedanken zur Politik - z.B. zu einer von mancher Seite geforderten Festung Österreich. Was ich aber nicht will, ist, der permanente Kommentator der österreichischen Innenpolitik zu sein. Ich wollte auch nicht, dass es ein eineinhalbstündiger innenpolitischer Vortrag wird. Das interessiert niemanden.
APA: Neben der Innenpolitik gibt es ja vor allem dramatische Entwicklungen auf globaler Ebene. Wie blicken Sie grundsätzlich auf die Gegenwart?
Pogo: Mit großer Sorge, um einen Altbundespräsidenten zu zitieren. Die Welt stellt sich neu auf. Es gibt klare Schuldige, das sind die weltpolitischen Entscheidungsträger. Da muss man nicht gendern, da sind keine Frauen dabei. Man merkt, mit welcher Dynamik das derzeit vonstatten geht. Da können sich viele Leute auch schon mal "lost" fühlen. Dazu kommt z.B. der Einfluss der KI auf unser Leben. Das sind Fragen, denen man sich stellen muss.
APA: Wie bei all dem die Zuversicht behalten oder wiedergewinnen?
Pogo: Ich pflege immer den Grundsatz: Alles wird gut und alles ist im Leben für irgendwas gut. Klar ist gerade schwer zu verstehen, wofür die Dinge, die momentan auf der Welt passieren, gut sein sollen. Aber ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Ich verstehe, dass das viele Leute in der jetzigen Situation nicht sein können, aber sich einen Grundoptimismus zu bewahren ist notwendig.
APA: Das neue Turbobier-Album, das am 1. Mai rauskommt, trägt aber den für meinen Geschmack recht wutbürgerischen Titel "Das Leben is ein Oaschloch" ...
Pogo: Der Titel klingt auf erste vielleicht sehr pessimistisch, ist aber eigentlich optimistisch gemeint. Man sollte sich bewusst sein, dass wir alle nur sehr kurz auf diesem Planeten sind und diese begrenzte Zeit mit möglichst viel Freude und Positivität absolvieren sollten. Viele Dinge können wir nicht beeinflussen, aber was man tun kann, ist, sich die Hoffnung zu bewahren.
APA: Haben Sie eigentlich Neujahrsvorsätze?
Pogo: Ich recycle immer meine alten aus den vergangenen Jahren. Nachhaltiges Scheitern quasi. Aber ich nehme mir immer vor, weiter viel Sport zu machen. Das ist im Tourleben nicht immer leicht.
APA: Ist ein "Dry January" für einen Marco Pogo vorstellbar?
Pogo: Für den Marco Pogo nicht, aber für den Dominik Wlazny sehr wohl. Was ich zuletzt auch probiert habe, ist ein "Sober October". Sehr zu empfehlen - auch wenn's imagemäßig vielleicht ein bissi schwierig ist. (lacht)
APA: Kommt also bald das alkoholfreie Turbobier auf den Markt?
Pogo: Wenn ich mehr Zeit hätte, hätte ich das Projekt schon länger verfolgt. Aber jetzt hänge ich mit meinem Programm noch in den Seilen.
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E - "Lost & Found" von und mit Marco Pogo, Premiere am 14. Jänner, 19.30 Uhr, im Stadtsaal Wien; https://pogosempire.com/)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/GEORG HOCHMUTH
