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Jo Nesbø bietet mit "Minnesota" hohes Krimi-Niveau

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Verlust, Einsamkeit, Waffengewalt, Umgang mit Traumata: Rund um diese Motive hat Jo Nesbø einen neuen Roman geschrieben. Der norwegische Autor, vielleicht am besten bekannt für seine gepriesene Serie um den brillanten, aber alkoholkranken Ermittler Harry Hole, bietet erneut hohes Krimi-Niveau. "Minnesota" unterhält mit einer spannenden, gut aufgebauten Story mit starken Figuren vor realem Hintergrund und liefert zugleich Gedanken und Fakten zu den genannten brisanten Themen.

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"Ich will nur eine Geschichte erzählen, wie aus guten Menschen Monster werden", sagt an einer Stelle im Buch ein norwegischer Schriftsteller, der 2022 nach Minneapolis reist, um über "einen Polizisten mit norwegischen Wurzeln" zu berichten. Bei diesem handelt es sich um Bob Oz, der - von seiner Frau verlassen und traumatisiert vom Tod seiner Tochter - seine Depressionen in Alkohol ertränkt und seine Einsamkeit mit One-Night-Stands zu kompensieren versucht. Noch dazu wird der Kriminalist suspendiert, nachdem er den neuen Lebensgefährten seiner Ex verprügelt. Es braucht schon Lesezeit, bis man am Verhalten des Ermittlers Anteil nimmt.

Oz ist einem Mörder auf der Spur, der Waffenhändler und -befürworter tötet. Auch den Killer, der Katz-und-Maus mit der Polizei spielt, führten familiärer Verlust und Einsamkeit in die Depression. Sein Traum treibt ihn zu Rache, außerdem will er mit seinen Taten Aufmerksamkeit für das Thema Waffengewalt wecken. Sein "Magnus Opus" plant er an einem Tag, an dem die Waffenlobby NRA in der Stadt ein Treffen abhält. Dort soll der Bürgermeister sprechen, der die Meinung vertritt, "dass es bei dem Recht, eine Waffe zu besitzen, auch um das Recht gehe, seine Familie zu verteidigen, seine Kinder".

Ob sich Nesbø in die Romanfigur des Schriftstellers geschrieben hat, kann man nur rätseln. Aber er lässt viel Psychologie über den Umgang mit emotionalen Ausnahmezuständen einfließen, während er den Kriminalfall weitertreibt und alle Register zieht: Zeitsprünge, Perspektivenwechsel, Page-Turner, spürbare Atmosphäre, authentisch beschriebene Schauplätze und das Auftreten von Nebenfiguren, die ihre eigenen gewichtigen Geschichten haben.

"Minnesota" hat Tiefgang, ohne das Publikum abzuschrecken, das Unterhaltung sucht. So gar nicht nur nebenbei erfährt man dabei einiges über Taxidermie, die Kunst der Tierpräparation. Auch das ist Gegenstand der schlauen Erzählweise Nesbøs, der Einblicke in menschliche Verhaltensweisen, Diskussionen über das US-Waffenrecht ("Ist es wirklich Freiheit, eine Waffe zu besitzen, die dafür gemacht wurde, andere Menschen zu töten, nur weil der Nachbar vielleicht auch eine hat?"), Fakten über Gangkriminalität und eine fiktive Krimihandlung zu einem schlüssigen, packenden Ganzen zusammenfügt.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - Jo Nesbø: "Minnesota", aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob, Ullstein Verlag, 416 Seiten, 26,50 Euro)

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