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Es sind Gedichte, die aus dem Heute kommen und für heutige Leserinnen und Leser geschrieben sind, ohne sich anzubiedern. "schreibe jammermaus / die autokorrektur ändert zu / kammermusik / wie oft da keine sorge / steht im chatverlauf", heißt es etwa unter "heulen". Zwischen Alltag und Ich-Betrachtung, Mensch und Natur pendeln die Beobachtungen und Bemerkungen, die durch den meist gegen die Sinnzusammenhänge gesetzten Zeilenfall Aufmerksamkeit erfordern. Wichtiges wird dafür fett gesetzt hervorhoben: "irgendwer wird es als scherz verstehen".
Unernst kann man den Gedichten nicht vorwerfen - aber eine angenehme Lockerheit, die auch in transzendentalen Dingen ("beten"!) nicht auf ein gewisses Augenzwinkern vergisst. Wenn alles schiefgeht, muss eben der Schutzengel ran: "es reicht ich rufe an / er hebt nicht ab / sogar die mailbox hat er ausgemacht". Sirka Elspaß hat den Dreh' raus. Ihre Gedichte machen süchtig. Und nach 80 Seiten wünscht man sich: Mehr davon!
(S E R V I C E - Sirka Elspaß: "hungern beten heulen schwimmen", Suhrkamp Verlag, 80 Seiten, 20,60 Euro, ISBN 978-3-518-43253-2)
FRANKFURT AM MAIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA / Suhrkamp