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Hexen und Fragen: Laura Freudenthalers neuer Roman "Iris"

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Laura Freudenthaler hat einen neuen Roman geschrieben
©JungundJUng, Clemens Schmiedbauer, APA
Die 1984 geborene, in Wien lebende Salzburgerin Laura Freudenthaler zählt zu den meistausgezeichneten österreichischen Autorinnen der jüngeren Generation. 3sat-Preis, Anton-Wildgans-Preis und Reinhard-Priessnitz-Preis sind Zeichen für hohe Aufmerksamkeit und Anerkennung einer Prosa, die sich dem Außergewöhnlichen verschrieben hat. Am Donnerstag stellt sie ihren neuen Roman in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien vor.

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Der Verlag Jung und Jung hat die Erwartungen sehr hoch gehängt: "Mit 'Iris' schreibt sich Laura Freudenthaler in den Kanon der feministischen Literatur ein, in einer Reihe mit Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek und Marlen Haushofer." Das macht die Lektüre nicht eben unbefangen. Titelfigur Iris, so stellt sich heraus, ist eine viel reisende Autorin, ständig unterwegs zu Auftritten bei Lesungen, Symposien und Literaturwochen. Flughäfen und Flugzeuge sind häufige Schauplätze, an denen sie auf diesen 170 Buchseiten anzutreffen ist, Transitorte wie die Hotelzimmer und Gästehäuser, in denen sie untergebracht wird.

Auch sprachlich ist alles im Fluss. Freudenthaler setzt auf seitenlange Sätze, bei denen Orte, Zeiten und Personen unmerklich ineinander übergehen, eine Technik, bei der man sich als Leser nur treiben lassen kann und dabei so manche Wechsel verpasst. Damit lässt sich aber auch das Verschwimmen der Ebenen nachvollziehen, das Iris immer wieder zurückführt in ein dunkles Kapitel der Geschichte, mit dem sie sich intensiv beschäftigt: die Hexenverfolgung.

Dass die brutale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen, mit der einst eine patriarchal und kirchlich geprägte Gesellschaft jegliches weibliche Emanzipationsbestreben unterdrückte, mit sexuellen Praktiken der Hauptfigur in Beziehung gesetzt wird, ist ein Grundmotiv des Buches, das viel Risiko nimmt. Die Unterwerfungs- und Bestrafungsrituale, die Iris bei Begegnungen mit Männern, vor allem mit ihrem fotografierenden Freund Anton, lustvoll durchspielt, beruhen auf Freiwilligkeit, reizen Grenzen aus, gehen aber nie darüber hinaus. Die Foltern, mit denen im Mittelalter Angeklagten Geständnisse über ihren angeblichen Umgang mit dem Teufel abgepresst wurden, waren dagegen von unfassbarer Grausamkeit geprägt und endeten meist tödlich.

"Was bedeutet es für eine Frau, dass Erfahrungen in unsere Körper eingeschrieben sind über Generationen und Jahrhunderte hinweg?", versucht der Klappentext des Buches Fragen zu formulieren, die dieser irritierende Motivstrang aufwirft. "Wie wirken wir selbst an einer Geschichte mit, in der Gewalt immer weiter fortgeschrieben wird? Und wie entkommen wir ihr?" Diese Fragen werden in "Iris" nicht beantwortet. Vielleicht sind es aber auch die falschen Fragen. Sicher ist nur, dass man Freudenthalers Buch mit bedeutend mehr Fragen aus der Hand legt, als man es aufgeschlagen hat.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Laura Freudenthaler: "Iris", Verlag Jung und Jung, 172 Seiten, 24 Euro, Buchpräsentation am 19.2., 19 Uhr, in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, Wien 1, Herrengasse 5)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/JungundJUng/Clemens Schmiedbauer/Clemens Schmiedbauer

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