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"Ältere Songs kommen immer wieder hoch, nicht zuletzt dank TikTok oder dem Einsatz in Filmen oder Serien", erklärt Hans Schmucker vom Marktforschungsinstitut GfK Entertainment, das die deutschen Charts ermittelt. Prominente Beispiele aus Deutschland sind etwa Reinhard Meys "In meinem Garten". Das verträumte Chanson landete im vergangenen Jahr dank der Netflix-Doku über den Rapper Haftbefehl nach 55 Jahren in den Top Ten von Spotify. Der 80er-Jahre-Hit "Major Tom (Völlig losgelöst)" schaffte ebenfalls ein Comeback, weil es dank einer Fan-Initiative als DFB-Torhymne eingesetzt wird.
Aber warum erlebt der heimatverbundene Ötzi-Schlager, der auf "Down Under" von Men At Work (1981) basiert, nach so langer Zeit einen zweiten Winter? Schon Ende vergangenen Jahres verwendeten Nutzerinnen und Nutzer auf TikTok plötzlich Songschnipsel millionenfach in Clips und ironischen Kurzvideos. Viele wollen damit die Liebe zu einem bestimmten Ort ausdrücken. Mittlerweile gibt es Techno-Remixes und eine eigene Köln-Version ("Kölle am Rhing").
Der Musiker mit bürgerlichem Namen Gerry Friedle, der in den 2000ern mit "Anton aus Tirol", "Hey Baby", "Ein Stern" oder "Sweet Caroline" weitere Party-Evergreens landete, hat den Trend schnell erkannt. Mitte Dezember trat der Österreicher mit der markanten weißen Häkelhaube bei einem Festival in Bad Hofgastein als Überraschungsgast von Rapper Ski Aggu auf - und stimmte dort natürlich auch die neue Jugendhymne "Tirol" an, in der er über die Sehnsucht nach der Herzlichkeit der Heimat sinniert.
Mit dem jungen Social-Media-Star "Streichbruder" (über vier Millionen Follower auf Instagram und TikTok) nahm er mehrere Clips auf. Und auch in der Silvestershow von Florian Silbereisen performte DJ Ötzi im roten "Tirol"-Pulli. Aktuell ist der 55-Jährige auf "Gipfeltour" durch mehrere Skiorte und bringt im April sein Album "Öha" raus - das vermutlich auch von vielen jungen Leuten gestreamt wird.
(S E R V I C E - https://djoetzi.at/ )
