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Dem Hype gerecht: Laufey brillierte in Wiener Stadthalle

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Laufey bei einem Auftritt in den USA
©APA, GETTY IMAGES NORTH AMERICA, MICHAEL LOCCISANO
Laufey ist ein Phänomen. Die isländische Sängerin, Musikerin und Songschreiberin hat es geschafft, 9.000 zu großen Teilen sehr junge Fans in der Wiener Stadthalle einen Konzertabschnitt lang mit Jazz pur zu begeistern. Auch sonst wurde die 26-Jährige am Donnerstag dem Hype um ihre Person und Kunst gerecht: Laufey wirbelte elegant Genres durcheinander, mischte unter anderem Pop mit Klassik, Jazz-Harmonien mit Broadway-Feeling. Das Ergebnis: viel Emotion und hohe Musikalität.

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Man könnte vermuten, Laufey sei mit ihrem Vintage-Sound aus der Zeit gefallen. Aber bei ihrem ersten Gastspiel in der Bundeshauptstadt wurde rasch klar, dass ihre Songs genauso zeitlos wie zeitgemäß sind - ob diese nun an alte Musicals erinnerten, in die Jazz-Bar führten, ordentlich Tempo aufnahmen, Bossa-Nova-Rhythmen enthielten oder eine ordentliche Prise Drama entfalteten. Die Begeisterung für modern aufbereitete, handgemachte Musik abseits von Trends, Formaten und Algorithmen war auf der Bühne und im Gästeraum spür- und hörbar.

Nach einem Intro, bei dem das Bühnenbild an einen alten Schwarz-Weiß-Spielfilm erinnerte (die Namen der Protagonisten des Abends liefen dabei wie in einem Vorspann über die Videowalls), schritt Laufey - einer Märchenprinzessin gleich - aus einem Torbogen und eröffnete das 25 Songs umfassende Programm mit "Clockwork". Bei diesem Stück aus dem aktuellen Album "Matter Of Time" brillierten auch gleich Streicher und E-Musiker im Zusammenspielen, was sich an dem Abend fortsetzen sollte.

Wie abwechslungsreich und doch homogen Laufey ihre Darbietungen gestalten vermag, zeigte sich bereits im ersten von vier Akten (plus Zugaben). Wurde etwa beim verspielten Bossa-Nova "Lover Girl" mit Offbeat-Tempo das Publikum zur eifrigen Beteiligung am rhythmischen Klatsch-Teil animiert, nahm Laufey mit dem verträumten, sanften "Silver Lining" dieses auf eine sentimentale Reise mit. Bei "Too Little, Too Late" saß sie (nicht zum letzten Mal) am Klavier, bevor dem Streicherquartett das Rampenlicht überlassen wurde und man sich für Minuten im Konzerthaus wähnte.

Im Jazz-Set kleidete Laufey die erste Single aus ihrem Debütalbum von 2022, "Valentine", in ein verändertes, vor allem auch stimmlich beeindruckendes Arrangement. Diesen Teil absolvierte sie bei schummrigem Licht mit kleiner Bandbegleitung in einem Kreis am Bühnenrand. Sonst setzte die Grammy-Gewinnerin durchaus auf Show - mit Stil: Visuals, bewegliche Elemente und vier Tänzerinnen unterstützen die musikalische Darbietung und lenkten nicht von ihr ab. Laufey - nach eigener Aussage "der größte Mozartfan" - nahm sich auch Zeit für Publikumsinteraktion: Sie sei froh, eine schlimme Erkältung überwunden zu haben, erzählte sie und schilderte, wie beeindruckt sie von der Größe und Art eines von ihr verspeisten Wiener Hotdogs gewesen sei.

Das Stück "Goddess" sei für sie besonders wichtig, betonte Laufey, bevor sie es intonierte. Ab diesem habe sie den Mut gefunden, alle ihre Gefühle rauszulassen. Und "mit jedem Album bin ich weniger schüchtern geworden", so Laufey, die bei einem Zwischenspiel auch ihr Können am Cello demonstrierte. Ob dynamisch mit viel Tempo ("Castle in Hollywood"), ob überschwängliche Lichtermeer-Ballade ("Bored"), mit Romantik ("Forget-Me-Not") oder mit Bombast ("Sabotage") - Laufey und ihr Ensemble brillierten. Da gab es neben Applaus auch hysterisches "We love you"-Gekreische.

Am 10. April erscheint mit "A Matter of Time: The Final Hour" eine Deluxe-Version des mit einem Grammy prämierten Albums. Diese enthält vier zusätzliche Songs. Eines der neuen Lieder, "How I Get", brachte Laufey im Zugabenteil. "Ich hoffe, dass ich ab jetzt jedes Mal auch nach Österreich komme", sagte sie während des Konzerts. Diesen Wunsch kann man nur teilen.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - www.laufeymusic.com)

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