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Braschels "Heim holen": Präsentation im Literaturhaus Wien

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Romandebüt von Katherina Braschel
©Residenz Verlag, APA
Die "Moodla" wird immer wieder an "Dahoom" erinnert, obwohl ihr Daheim in Salzburg liegt und nicht in Belgrad, von wo diese Gruppe der Donauschwaben, die noch immer ihren Dialekt, das "Schwoowisch", pflegt, zu Kriegsende vertrieben wurde und gemeinsam per Flüchtlingstreck an die Salzach zog. Lina, die Protagonistin von Katherina Braschels Debütroman "Heim holen", ist zerrissen zwischen einer verschroben wirkenden Traditionspflege und Fragen über Täter- und Opferrollen.

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Es ist eine typische Erfahrung der Nachgeborenen-Generation: Auf der einen Seite gibt es den engen privaten Umgang mit Eltern und Großeltern, die man nicht selten schätzt und liebt, auf der anderen Seite eine distanzierte und differenzierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Landes und des Kontinents. Bei den "Volksdeutschen" kommt eine Heimatverbundenheit hinzu, die leicht missbraucht oder missverstanden werden kann. Braschel, 1992 in Salzburg geboren und heute in Wien lebend, hat ihre Hauptfigur wohl nahe an ihren eigenen Erfahrungen angesiedelt. Als Kontrast zur Familie, in der die Mutter und die Tanten keine geeigneten Auskunftspersonen scheinen, wird der bunte, studentische Freundeskreis Linas etabliert, der sich erstaunlich interessiert zeigt und Gelegenheit gibt, in längeren Gesprächen jene Fragen zu stellen, auf die Lina seriöse wissenschaftliche Antworten sucht.

So vermischen sich bald eigene Erinnerungen an Ausflugsfahrten, Brauchtumspflege und Trachtenumzüge einer Gemeinschaft, die sich vorwiegend über das an ihr verübte Unrecht definiert, und dem Versuch, Licht ins Dunkel einer Vergangenheit zu bringen, über die kaum jemand offen sprechen will. Man bleibt lieber unter sich. Warum waren nur Frauen, Kinder und alte Männer auf dem Treck? Die Männer waren Soldaten, erfährt Lina. Als sie weiter recherchiert, wird klar: Nicht alle waren Soldaten. Mindestens genauso viele waren bei der SS. Auch der eigene Großvater. Dessen SS-Division Prinz Eugen, die sich vorwiegend aus Volksdeutschen rekrutierte, hat am Balkan bei Geiselerschießungen und Massakern an der Zivilbevölkerung grausame Kriegsverbrechen verübt. Lina zittert den Ergebnissen ihrer Archivanfragen entgegen: Lässt sich persönliche Mitschuld ihres Großvaters, mit dem sie Lego gespielt und Bäume gezählt hat, nachweisen?

Es ist der Umgang mit diesen Fragen und nicht die Antwort darauf, die Braschel ins Zentrum von "Heim holen" gestellt hat. Die Suche führt Lina in Salzburger Kellerabteile und in ehemalige Lager und Wohnviertel in Belgrad. Und sie führt zu einer erstaunlichen Annäherung an ihre eigene Mutter. Diese ist am Ende offenbar froh, dass die Enkelgeneration jene Fragen stellt, die für die Töchter und Söhne noch Tabu waren. - Fragen an die Autorin kann man am Dienstag im Literaturhaus Wien stellen - da präsentiert Katherina Braschel ihren Debütroman.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Katherina Braschel: "Heim holen", Residenz Verlag, 272 Seiten, 24 Euro, Buchpräsentation: Di., 20.1., 19 Uhr Literaturhaus Wien, Wien 7, Seidengasse 13)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Residenz Verlag

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