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In Le Havre, ihrer alten Heimatstadt, wird die Frau einem Verhör unterzogen. Es werden ihr Bilder des Toten gezeigt. Sie kennt ihn nicht, er erinnert sie aber entfernt an ihre Jugendliebe, die seinerzeit spurlos verschwand. Sie stromert durch Le Havre in einer Art archäologischer Suche nach Bruchstücken ihres vergangenen Lebens und stößt dabei immer wieder auf Zeugnisse einer versehrten Stadt.
Maylis de Kerangal, 1967 in Toulon geboren, hat vielfach preisgekrönte, auch ins Deutsche übersetzte Bücher geschrieben wie "Die Brücke von Coca", "Die Lebenden reparieren" oder das Kleinod "Weiter nach Osten". Ihr jüngstes Werk "Brandung" schürt zunächst die Erwartung eines Thrillers, die aber bald enttäuscht wird.
Tatsächlich handelt es sich hier nicht um eine klassische Kriminalerzählung, sondern eher um eine biografische Spurensuche und eine Hommage an die herbe normannische Industriestadt, in der die Autorin aufwuchs. Die etwas mäandernde, mit zahlreichen Rückblicken verwobene Erzählweise macht das Buch zu einer sperrigen, nicht leicht zugänglichen Lektüre, die man sich erst erschließen muss. In Frankreich war "Brandung" jedenfalls ein Bestseller.
(Von Sibylle Peine/dpa)
(S E R V I C E - Maylis de Kerangal: "Brandung", Aus dem Französischen von Andrea Spingler, Suhrkamp, 238 Seiten, 25,70 Euro)






