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Studiert hat Fritz Bukowski, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, Rechtswissenschaften. Aber "das war immer nur Plan B", wie er im APA-Interview erzählte. Den Doktor habe er als Sohn eines Rechtsanwaltes gemacht, "um die Eltern zu beruhigen, und außerdem konnte ich nicht davon ausgehen, aus der Oststeiermark kommend, als Rock-Drummer ein Leben bestreiten zu können". Schon während des Studiums schloss sich Bukowski als Schlagzeuger der Band Magic an.
Vom Drummer zum Leadsänger wurde er 1977 durch Zufall, so Bukowski. Magic arbeiteten in München an einem Album. "Zwischendurch mussten wir nach Wien, um der Plattenfirma vorzuspielen, was wir bisher mit ihrem Geld gemacht haben. Nach einer Session waren drei Songs noch nicht besungen, wir hatten aber nur mehr eine Stunde Studiozeit gebucht. Zufällig waren das drei Lieder von mir, also ging ich schnell in die Gesangskabine." Was nur für Demonstrationszwecke gedacht war, gefiel dem Plattenboss. "Er wollte, dass ich am ganzen Album singe. Da bin ich - zack - ins kalte Wasser gesprungen."
Magic bekamen gute Kritiken, der große kommerzielle Durchbruch blieb aus. Dass Lieder wie "Euer Fritze mit der Spritze" und "Kokain" nicht im Radio gespielt wurden, wurmte Bukowski. Also nahm er sie nach dem Ende von Magic solo neu auf. "Ich musste es mit diesen Songs einfach noch einmal versuchen." Sie landeten auf den Alben "Boris Bukowski" (1985) bzw. "Intensiv" (1987) und wurden Hits. "Meine Solo-Karriere hat gleich sehr gut begonnen, ich habe auf Anhieb mehr verkauft als mit Magic."
Aber als Produzent und Studio-Betreiber verhalf der Musiker auch Kollegen wie Carl Payer, STS und der EAV zu Erfolgen. Im Rückblick auf sein bisheriges Schaffen bilanzierte Bukowski: "Ich bin zufrieden, ich habe es nicht schlecht erwischt. Popmusik hat viel mit Mode und Zeitgeist zu tun. Was heute zeitgeistig ist, ist manchmal übermorgen schon ganz woanders. Es gibt aber nicht nur einen Song von mir, der die Zeit überdauert hat. 'Kokain' zum Beispiel wird demnächst 50 - und das Lied wird nicht alt."
Zwischendurch, als heimische Popmusik im Radio nicht mehr angesagt war, hat Bukowski "ein paar Jahre aufgehört". Aber er wollte es noch einmal wissen: "Ich habe mich wieder hoch gekämpft. Das war manchmal ziemlich hart. Wir sind zu Auftritten 1.000 Kilometer mit der eigenen Anlage und im eigenen Auto hin- und zurückgefahren. Danach hatte ich 150 Euro in der Tasche." Mittlerweile ist Bukowski wieder gut im Geschäft, neben Konzerten mit Band tritt er im Duo mit seinem Gitarristen auf, wobei er zwischen reduzierten Versionen seiner Hits Erlebnisse aus dem Musikerleben erzählt.
Anekdoten gebe es viele, schmunzelte Bukowski. Zum Beispiel? "Auf der Mariahilfer Straße kam mir eine elegante Dame entgegen. Wie sie mich sieht, ist sie völlig aus dem Häusl: Oh, Herr Bukowski, ich bin ein Riesenfan von Ihnen. Wunderbare Lieder und Ihre kühnen Texte: 'Lieb mich im Stehen'! Sag ich: Ah, Moment, es mag Zeilen von mir geben, die im Ohr des Zuhörers eine völlig neue Bedeutung kriegen. Diese Zeile heißt im Original 'Lieb mich im Stillen'. Aber wenn Sie, gnädige Frau, an der Stelle 'Lieb mich im Stehen hören', dann geht das voll in Ordnung."
Mit 80 wirkt Boris Bukowski trotz überstandener gesundheitlicher Probleme äußerst fit. "Mein Elixier ist Bewegung", verriet er. "Seit mindestens 25 Jahren mache ich jeden Tag rund eine Stunde Kardio, Übungen oder ein bisschen Muskeltraining. Ich muss mich dazu überhaupt nicht mehr motivieren."
Auf seine "Geburtstagsfeier" in Wiesen freue er sich. "Ich habe in jüngster Jugend im Burgenland gespielt. Ich kenne sämtliche Wirtshäuser, wo Rockkonzerte damals stattfanden. Die Burgenländer waren immer lustig und kamen in Scharen zu uns." Diesmal werden laut Veranstalter 1.000 bis 1.500 Besucherinnen und Besucher erwartet, 400 Karten sind bereits weg. Mit Bukowski, Minisex, Bilgeri und einem Opus-Special von Pfleger und den Schick-Sisters soll das Festival seinem Titel "Legenden des Austropop" gerecht werden.
(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.wiesen.at/festivals/austropop )
