von
Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren, als Jugendlicher aus politischen Gründen verhaftet und in einem Foltergefängnis inhaftiert. 1996 floh er aus dem Irak. Seit 2000 lebt er in Deutschland, studierte Literatur und Philosophie und begann zu schreiben. Was er seinen 14-jähriger Protagonisten Noah erleben lässt, weiß er wohl aus erster Hand.
Noahs Vater ist Textilhändler, und das erste, was dieser unter den neuen Machthabern machen muss, ist die radikale Umstellung seines Sortiments: Bunte, fröhliche, freizügige Kleidung ist künftig streng verboten, von Frauen dürfen auch auf Werbefotos nur noch die Augen zu sehen sein. Da braucht es viele schwarze Filzstifte zum Schwärzen!
Seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus, doch wenigstens seinem Hobby, der Taubenzucht, darf er vorerst noch ungehindert nachgehen. Die Tauben werden allmählich zu einem Symbol der Freiheit - und geraten damit ins Fadenkreuz des Regimes. Ihnen und den Züchtern, die in den Verdacht aufrührerischen Umtriebe geraten, müssen die Flügel gestutzt werden.
In kurzen, aber eindringlichen Kapiteln verbindet Abbas Khider die verträumte Welt eines Heranwachsenden mit einem politischen Umsturz, der alles verändert. "Der letzte Sommer der Tauben" schildert ein abruptes, erzwungenes Erwachsenwerden, in dem Fehler nicht verziehen werden, und ein autoritäres Regime, das mit großer Geschwindigkeit Fakten schafft.
(S E R V I C E - Abbas Khider: "Der letzte Sommer der Tauben", Hanser Verlag, 216 Seiten, 24,70 Euro, ISBN 978-3-446-28222-3)
MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA / Hanser Verlag
