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Auch wenn Parkinson bisher nicht heilbar ist: Mit Medikamenten und Bewegungstherapien lässt sich die Erkrankung oft gut bewältigen. 7 Fakten im Überblick.
Morbus Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns. "Hierbei verklumpt das körpereigene Eiweiß Alpha-Synuclein im Mittelhirn", sagt der Neurologe Andrés Ceballos-Bauman.
Durch diese Verklumpungen funktionieren Zellen im Gehirn nicht mehr richtig und sterben letztendlich ab. Mit Auswirkungen: Der Körper bildet weniger Dopamin. Fehlt dieser wichtig Botenstoff, sind Bewegungen nicht mehr so möglich, wie man es bisher kannte. Sie sind dann schlechter steuerbar.
Warum es zu einer Parkinson-Erkrankung kommt, ist bisher nicht vollständig erforscht. "Es gibt aber Hinweise darauf, dass neben dem Alter auch andere Erkrankungen, Genetik und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten", so Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende im Vorstand der DGP.
Der Mangel an Dopamin kann zu zitternden Händen im Ruhezustand führen, Tremor nennt sich das. Weitere mögliche Auswirkungen sind:
- Muskelsteifheit (Rigor)
- verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
- kleiner werdende Bewegungen (Akinese)
- instabile Körperhaltung
"Die Erkrankung geht teilweise auch mit sogenannten Freezing-Momenten einher, wobei mit Freezing das Einfrieren von Bewegungen gemeint ist", sagt Brit Mollenhauer. Beispielsweise erstarrt der Körper, wenn die Ampel auf Grün schaltet und man schnell losgehen möchte.
Eine Parkinson-Erkrankung kann aber auch Symptome abseits von Bewegungsstörungen haben, etwa:
- Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Riechstörungen
- Verdauungsprobleme
- Schlafstörungen
- Depressionen
- geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz.
Erste Anzeichen können bereits viele Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten. "Dazu gehören beispielsweise REM-Schlaf-Verhaltensstörungen", sagt Andrés Ceballos-Baumann.
REM ist die Abkürzung für "Rapid Eye Movement", was so viel wie "schnelle Augenbewegung" bedeutet. Betroffene schreien, schlagen oder treten in dieser Schlafphase um sich. "Auch teilweise aggressive und wiederkehrende Träume zählen zu REM-Schlaf-Verhaltensstörungen", so Brit Mollenhauer, die Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ist.
Weitere frühe Anzeichen können laut Ceballos-Baumann sein:
- eine verkleinerte Handschrift
- Riechstörungen
- einseitige Schulterschmerzen
- vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen
- Verstopfung
- leiser werdende Stimme
- ein maskenhaft wirkender Gesichtsausdruck
Hat man den Verdacht, möglicherweise Parkinson zu haben, ist ein Facharzt oder eine Fachärztin für Neurologie die richtige Anlaufstelle.
Im Fokus der Diagnostik stehen Symptome wie Bewegungsarmut, Muskelsteifigkeit, Ruhezittern und körperliche Instabilität. "Ein Parkinson-Syndrom liegt vor, wenn sich mindestens ein Kernsymptom zeigt wie verlangsamte oder kleiner werdende Bewegungen plus ein weiteres Kernsymptom wie Zittern in Ruhe oder Muskelsteifigkeit", so Andrés Ceballos-Baumann. Auch bildgebende Verfahren des Gehirns wie MRT und CT kommen zum Einsatz.
Eine weitere Methode, um die Diagnose Parkinson-Krankheit abzusichern: Patientinnen und Patienten nehmen testweise das gängige Parkinson-Mittel L-Dopa ein. "Kommt es dadurch zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden, spricht das für die Parkinson-Krankheit im engeren Sinne", sagt Ceballos-Baumann.
Medikamente können den Alltag erleichtern. "Die Symptome lassen sich lindern, indem der Körper Dopamin als Arzneimittel zugeführt bekommt", sagt Brit Mollenhauer. Je nach Art und Schwere der Symptome bekommen Betroffene Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie verordnet. "So können sie über viele Jahre eine gute Lebensqualität haben", sagt Andrés Ceballos-Baumann.
Gut zu wissen: Die Wirkung der Medikamente kann sich mit Fortschreiten der Erkrankung verändern. Die Ärztin oder der Arzt muss daher die Dosierung und Kombination der Parkinson-Medikation häufig anpassen. Für eine optimale Wirkung sind die Medikamente zu festen Uhrzeiten einzunehmen.
Es kann aber durch die Arzneimittel zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen laut Ceballos-Baumann etwa Übelkeit, Schwindel oder Halluzinationen.
Übrigens: Spezielle Kliniken bieten Parkinsonpatienten stationär Medikamentenein- und -umstellungen auch in Kombination mit Anwendungen wie Physio- und Ergotherapie an. Multimodale Komplextherapie nennt sich das.
Neben Medikamenten in Tablettenform gibt es auch andere Formen wie Pflaster oder die Möglichkeit von Medikamentenpumpen. Zudem steht die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Möglichkeit vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten zur Verfügung, um Medikamente einzusparen.
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, mit denen Parkinson-Erkrankte leichter durchs Leben kommen. Drei Beispiele:
- Spezielles Besteck
Messer, Gabel und Löffel haben Griffe, die mit einem weichen Material ummantelt sind. "Solche Griffe erleichtern das Greifen, wenn die Greifkraft nachlässt oder die Feinmotorik beeinträchtigt ist", so Ceballos-Baumann.
- Anziehhilfen
Sie gibt es für Socken und Schuhe. Das Prinzip: Sie "verlängern" die Arme, sodass man sich ohne Bücken oder große Anstrengung selbstständig anziehen kann.
- Tremor-Maus für den PC
Sie filtert die Zitterbewegungen der Hand elektronisch heraus, damit der Rechner leichter zu bedienen ist.
Benannt ist die Erkrankung nach dem englischen Arzt James Parkinson: Er hat die Hauptsymptome der "Schüttellähmung" im Jahr 1817 erstmals beschrieben. Auf seinen Geburtstag am 11. April fällt der Welt-Parkinson-Tag.
BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Laura Ludwig/Laura Ludwig
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