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Klimpern oder Zwinkern

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Sie gelten als Symbol der Verführung: lange, dichte, dunkle, geschwungene Wimpern. Schon im alten Ägypten tuschte man sich die Wimpern mit Kohl (nein, nicht das Gemüse, sondern ein schwarzes Pulver), seit den Dreißigerjahren helfen Frauen auch gerne mit künstlichen Wimpern nach. Man kann in der Parfümerie ganze Wimpernbänder kaufen und selbst aufkleben oder in ein Kosmetikstudio gehen. Dort werden die künstlichen Wimpern - Härchen für Härchen - an die natürlichen geklebt.

Wer sich für künstliche Wimpern entscheidet, sollte einige Punkte beachten. Als Klebstoff wird Cyanacrylat-Kleber verwendet, also Sekundenkleber, der allergische Reaktionen auslösen kann. "Es gibt zwei Arten, wie sich eine Allergie äußern kann: Die eine ist unmittelbar und wird von giftigen Dämpfen ausgelöst. Die Augen tränen, die Nase ist verstopft, im schlimmsten Fall kann es zu Atemnot kommen", sagt Hautärztin Christine Bangert von der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien.

Die andere Form ist ein Ausschlag um das Auge. Rötungen und Schwellungen treten auf, die Haut wird schuppig. Die gleiche Reaktion können die Konservierungsstoffe im Kleber, meist Formaldehyd oder Methylparaben, verursachen. Bangert betont, dass es bisher kaum Patientinnen gibt, die nur aufgrund künstlicher Wimpern Hautprobleme hätten. Betroffen sind vor allem Berufsgruppen, die oft mit Klebern in Berührung kommen, wie Kosmetikerinnen oder Dentalarbeiter, weil Cyanacrylat auch für Fingernägel und Zahnersatz verwendet wird. Sie können durch ständigen Kontakt Allergien entwickeln. "Wenn man fürchtet, allergisch zu sein, kann man vielleicht das Kosmetikstudio bitten, ein bisschen Kleber auf das Handgelenk zu geben, zwei Tage darauf belassen und schauen, ob sich eine Allergie entwickelt", sagt die Hautärztin.

Wichtig ist, dass kein Klebstoff ins Auge gelangt. "Das kann zu einer Bindehautentzündung und damit zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Sehkraft führen", sagt Matthias Bolz, Leiter der Universitätsaugenklinik in Linz. "Bleibende Schäden sind aber sehr unwahrscheinlich." Häufig wisse man über die Inhaltsstoffe aber nicht Bescheid. "Manchmal ist Latex oder Formalin enthalten, die allergische Reaktionen auslösen können", sagt Bolz.

Lebensverlängerung für Wimpern

Immer bekannter werden auch sogenannte Wimpernseren. Sie enthalten Prostaglandin-Analoga, also Stoffe, die dem Hormon Prostaglandin ähneln. "Ursprünglich wurden diese Prostaglandin-Analoga für die Behandlung des Grünen Stars entwickelt", erklärt Bolz. "Eine auffällige Nebenwirkung ist, dass sich die Lebensdauer der Wimpern deutlich verlängert." Normalerweise fallen Wimpern nach drei bis fünf Monaten aus und neue wachsen nach. Die Prostaglandine verzögern dies. Die Wimpern wachsen weiter, werden also länger als normal. Auf diese Weise versprechen die Wimpernseren binnen einiger Wochen längere und dichtere Wimpern. "Das Wachstum ist aber nicht regelmäßig, es kann sein, dass Wimpern auch oberhalb des Wimpernkranzes am Lid sprießen", sagt Bolz.

Eine Folge kann auch eine dunkle Pigmentierung des Lids sein, die aber wieder verschwindet, sobald man das Serum absetzt. Ähnlich wie Wimpernkleber sollten auch die Seren nicht ins Auge gelangen. Sie können die Bindehaut reizen und, wenn sie durch den Tränenkanal in die Nase gelangen, auch die Schleimhäute dort.

Gegen Prostaglandine selbst kann man zwar nicht allergisch sein, wohl aber gegen die in manchen Seren enthaltenen Konservierungs-und Duftstoffe. "Wenn man sich für eine Anwendung entscheidet, sollte man zu einem parfüm- und parabenfreien Produkt greifen", rät Hautärztin Bangert.

Sowohl durch Wimpernkleber als auch durch die Seren sind Allergien alles andere als programmiert. Im Gegenteil: Viele Nutzerinnen sind sehr zufrieden. Allen anderen bleibt immer noch die gute alte Mascara.

Selbstversuch

News-Redakteurin Nathalie Martens testete eine Wimpernverlängerung.
Drei Stunden dauerte sie, die Behandlung an meinen Wimpern. Nach kurzer Zeit mussten mein Wimpernprofi und ich bereits pausieren: Meine Augen waren stark gerötet und tränten ununterbrochen, da ich den Spezialkleber nicht vertrug. Dennoch hielt ich tapfer bis zum Schluss durch. Zu Hause angekommen, präsentierte ich meine neuen Synthetikwimpern stolz meinem Freund. Der war aber alles andere als begeistert, schließlich kennt er mich nur natürlich. Die Männer in meiner Umgebung reagierten generell eher negativ auf die Veränderung. Meine Freundinnen hingegen waren begeistert. Auch mir selbst gefiel das Ergebnis an sich gut, bloß verlor ich nach einer Woche schon viele Wimpern, oder sie begannen sich nach innen zu drehen und mir ins Auge zu stechen. Die letzten Extensions riss ich mir nach drei Wochen selbst aus, da es unerträglich wurde und einfach seltsam aussah. Ehrlich gesagt lege ich mir für 270 Euro lieber einen Vorrat an Wimperntusche zu.

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