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Bessere Überlebenschancen bei Hals-Kopf-Tumoren

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Wechsel hin zu funktioneller und quantitativer Bildgebung
©APA, HELMUT FOHRINGER, THEMENBILD
Mit einem Wechsel in der Bildgebung von reiner Anatomie hin zu funktioneller und quantitativer Bildgebung gibt es in der Radiologie wichtige Innovationen. Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung verbesserten bereits die Prognose vor allem bei Mandel-, Zungen- und Mundhöhlenkrebs enorm. Wie die Überlebensrate bei Hals-Kopf-Tumoren weiter gesteigert werden könnte, thematisiert der europäische Radiologiekongress ECR, von 4. bis 8. März im Austria Center Vienna.

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Mit 500.000 Neuerkrankungen pro Jahr weltweit liegen die Kopf-Hals-Tumore wie Kehlkopfkrebs, Rachenkarzinom und Mundhöhlenkrebs auf Platz sechs der häufigsten Krebsarten. Sie sind mit einer Überlebensrate von unter 35 Prozent bei fortgeschrittenen Tumoren auch eine der tödlichsten Krebserkrankungen. Entscheidend für eine zielgerichtete Therapie ist eine genaue Diagnostik durch MRT, CT und PET-CTs sowie anderer Verfahren, informierte das Austria Center Vienna am Mittwoch zu dem jährlich in Wien stattfindenden Kongress mit mittlerweile mehr als 20.000 Teilnehmenden.

Bei den bösartigen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich "braucht es die Radiologie, um mit CT und MRT die genaue Ausdehnung des Tumors, die Infiltration wichtiger Strukturen und die Detektion von Metastasen aufzeigen zu können", erläuterte Minerva Becker vom Universitätsspital in Genf, Präsidentin der European Society Radiology (ESR) und Kongress-Präsidentin des ECR. "Auch in der Therapieplanung und in der Nachsorge spielt die Radiologie eine zentrale Rolle, umso mehr, da bei bösartigen Kopf-Hals-Tumoren - je nach Stadium und Lokalisation - ein relativ hohes Rückfallrisiko zwischen 15 und 50 Prozent innerhalb der ersten zwei Jahre liegt."

Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich haben in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen. Allein in Österreich sind es etwa an die 1.300 Neuerkrankungen pro Jahr. "Betroffen sind vor allem Männer und ältere Menschen. Während Frühstadien mit 70 bis 90 Prozent eine gute Fünf-Jahres-Überlebensrate haben, fällt die Überlebensrate bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oft auf unter 35 Prozent. Das macht Kopf-Hals-Tumore zu einer der tödlichsten Krebsarten. Fortschritte bei der Diagnose und der Behandlung haben die Prognose jedoch vor allem bei Mandel-, Zungen- und Mundhöhlenkrebs verbessert", betonte Becker.

Hauptursachen für Hals-Kopf-Tumore sind das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sowie eine Kombination aus beiden. "Hier schädigt das Rauchen direkt die Schleimhäute und der Alkohol verstärkt die Wirkung", so Becker. Unabhängig davon spielen HPV-Viren (Humanes Papilloma Virus), insbesondere das HPV16, eine steigende Ursachenrolle besonders bei Tumoren im mittleren Rachenraum. Die HPV-Schutzimpfung bietet hier einen wichtigen Schutz vor späteren Krebserkrankungen.

Für Becker gilt in der Bildgebung der Wechsel von reiner Anatomie hin zu funktioneller und quantitativer Bildgebung als eine der wichtigsten jüngsten Entwicklungen. "Multiparametrische MRT liefern zusätzliche Informationen zur Gewebscharakterisierung und zur Beurteilung des Therapieansprechens. Hybridverfahren wie PET/MR machen die Diagnostik noch präziser", berichtete Becker. Auf CT-Seite gewinnen für sie Dual-Energy, spektrale CTs beispielsweise mit Jodkarten und Photon-Counting-CTs an Bedeutung. Parallel entwickeln sich Radiomics und KI als Bausteine für Prognose- und Response-Modelle sowie MR-geführte adaptive Radiotherapie. Sie appellierte für eine europaweite, moderne und qualitativ hochstehende medizinische Aus- und Weiterbildung der Radiologinnen und Radiologen.

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