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Wüste, Wellen, Wildlife: Was Angola ausmacht

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©Unsplash, Alberto Charamba

Angola ist ein Reiseziel für Entdecker: tosende Fälle von Kalandula-Wasserfälle, Safaris im Kissama-Nationalpark, die Mondlandschaft des Miradouro da Lua und Surfwellen bei Cabo Ledo. Zwischen Kolonialarchitektur in Luanda und wilder Natur zeigt sich ein Land im Aufbruch – fernab vom Massentourismus.

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Eines ist sicher: Massentourismus ist Angola bisher unbekannt. Die frühere portugiesische Kolonie erlangte erst 1975 nach einem langen Kampf ihre Unabhängigkeit – und versank wenig später in einem blutigen Bürgerkrieg, der bis 2002 andauerte.

Zu dessen Vermächtnis gehören in Teilen des Landes noch immer Landminen. Die roten Warnschilder "Perigo Minas" dürfen bei Überlandfahrten keinesfalls ignoriert werden. Angolanische Behörden mahnen, in verminten Gebieten keine Querfeldeinfahrten zu unternehmen.

Kalandula, Kissama und Namibe

Doch von diesen Altlasten abgesehen, wartet das Land im Südwesten Afrika darauf, entdeckt zu werden:

  • die Kalandula-Wasserfälle zum Beispiel, die zu den größten des Kontinents zählen: 400 Meter breit, mehr als 100 Meter tief

  • der Nationalpark Kissama für Safaris zu Elefanten, Giraffen und Antilopen

  • oder die spektakuläre Wüstenlandschaft Namibe im Süden, die sich Angola mit seinem Nachbarland Namibia teilt

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Wie nicht von dieser Welt: die Curoca-Hügel in der Namibe-Wüste

Wie nicht von dieser Welt: die Curoca-Hügel in der Namibe-Wüste.

 © Angola Tourism Board, Robert Haidinger, APA, dpa, gms

Hauptstadt Luanda als Eingangstor

Für die meisten Reisenden ist die Hauptstadt Luanda am Atlantik das Eingangstor nach Angola – seit Ende vergangenen Jahres über den gut 50 Kilometer außerhalb liegenden neuen Großflughafen, den sich das Land zum 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit schenkte. Gebaut wurde er, wie so viele große Infrastrukturprojekte in Afrika, von chinesischen Firmen.

So viel vorweg: Ein billiges Reiseziel ist das ölreiche Angola nicht. Insbesondere die Hauptstadt Luanda, jahrelang fast ausschließlich ein Ziel von Geschäftsreisenden, hat gesalzene Hotelpreise.

Auf der Fahrt vom Airport nach Luanda überraschen die breiten, schlaglochfreien Straßen. Das ist in anderen, auch touristischeren afrikanischen Ländern nicht unbedingt selbstverständlich. Je näher die Vororte der Millionenstadt rücken, desto dichter wird der Verkehr.

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Luanda

 © Unsplash, Shawn Clark

Kolonialarchitektur trifft Brutalismus

In Luandas Innenstadt prallen portugiesische Kolonialarchitektur – teils liebevoll restauriert, teils mit marodem Charme – und Brutalismus der sozialistischen Ära des Landes, die bis Anfang der 1990er Jahre andauerte, zusammen. Seitdem umarmt die einstige Volksrepublik zunehmend den Kapitalismus. Moderne Glaspaläste und Bürohochhäuser zeigen den dynamischen Wandel der Hauptstadt zu einer modernen Metropole.

Dazwischen behaupten sich weiterhin gehämmerte Marktstände mit Obst und Gemüse oder Altkleidern. Fliegende Händlerinnen drängen sich mit Tabletts mit hartgekochten Eiern oder kleinen Tüten mit Nüssen, die sie auf dem Kopf tragen, um die Passagiere an lokalen Bushaltestellen.

Gemächlich über den Kwanza River

Beachfeeling kommt bei der Fahrt entlang der Baia de Luanda auf. Der Blick fällt auf die Atlantikstrände – vor allem an den Wochenenden zieht es Familien, schwer bepackt, ans Meer.

Wer dem Großstadttrubel entkommen will, muss nicht weit fahren – bei einer Flussfahrt auf dem Kwanza River geht das Leben einen gemächlichen Gang. Auf zwei- bis achtstündigen Ausflügen, die mehrere örtliche Veranstalter anbieten, lassen sich am bewaldeten Ufer zahlreiche Vogelarten entdecken und mit ein wenig Glück auch Affen in den Baumwipfeln. Auf dem Fluss sind Fischer mit flachen Kanus unterwegs.

Morro da Cruz: Die Geschichte der Sklaverei

Historie wartet in Morro da Cruz, gut eine Stunde Autofahrt südlich vom Zentrum Luandas: im nationalen Sklavereimuseum, umgeben von mächtigen Baobab-Bäumen. Während in ehemaligen Sklavenforts in Ghana oder Senegal der Sklavenhandel von Afrika nach Nordamerika im Fokus ist, wird in Morro da Cruz über den Handel mit Sklaven für die Plantagen in Brasilien und in der Karibik informiert.

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Das Museu Nacional da Escravatura (Sklavereimusum) in Morro da Cruz

 © Anadolu Agency, IMAGO

Teil des Museums ist eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, in der Sklaven vor der Überfahrt noch getauft wurden. Schwere Ketten und Peitschen in der Ausstellung dokumentieren die unmenschliche Behandlung der Sklaven durch die Kolonialherren und ihre lokalen Partner.

Wie auf dem Mond

Vom Sklavereimuseum noch einmal 40 Kilometer südlich das Meer hinab befindet sich der "Miradouro da lua", übersetzt Aussichtspunkt des Mondes. Tatsächlich wirkt die schroffen, rotbraunen und ockerfarbenen Klippen am Meer bei Vollmond wie der Mond selbst.

Naturliebhaber aus Luanda campen gerne dort. Wandern oder Klettern ist allerdings verboten, da es sich auch um ein Schildkröten-Schutzgebiet handelt.

Cabo Ledo: Die perfekte Welle

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Cabo Ledo: Die perfekte Welle

Am Strand von Cabo Ledo

 © Unsplash, Alexandre Juca

Weiter geht es entlang der Küste nach Cabo Ledo zu einem der schönsten Surfstrände Angolas. Zum Baden ist der Wellengang mitunter zu heftig, doch für Surfer auf der Suche nach der besten Welle ist es ideal.

Viele Touristen verirren sich nicht hierher, entsprechend authentisch ist das Alltagsleben. Die kleinen Urlaubsresorts bestehen in friedlicher Koexistenz mit den Einwohnern der benachbarten Fischerdörfer. Bei einem Strandspaziergang kann man Fischern zusehen, die ihre Netze flicken oder die Boote vorbereiten, und Frauen, die den Fang des Tages verarbeiten. Kinder spielen am Strand Fußball oder werfen sich in die Wellen.

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