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Intensivtierhaltung - auch das kann Bio sein

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©Bild: VGT Verein gegen Tierfabriken

Keine Frage, Bio ist gut. Aber es leistet nicht alles. Mit dem europaweit geschützten Begriff verbinden viele Konsumenten die ganze idyllische Palette einer tierfreundlichen Landwirtschaft - ein Irrglaube. Denn die EU-Verordnung fordert beispielsweise nicht, dass österreichische Bio-Hendln und -Schweindln sich an einer Freilandhaltung erfreuen müssen.

"Bio kann auch Intensivtierhaltung sein", sagt Christine Braun vom "Verein gegen Tierfabriken" (VGT). Trotzdem halten Tierschützer im Vergleich zur konventionellen Tierhaltung die biologische Landwirtschaft in jedem Fall für die bessere Alternative. Die Experten erklären, warum das so ist und welche Probleme es noch gibt.

Bio vs. konventionell - die Unterschiede

Österreich ist laut Umweltministerium Bioland Nr. 1. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Rund 8 Prozent der in Österreich gekauften Frischprodukte - ohne Backwaren - sind biologisch. 60 Prozent der Konsumenten sind dafür bereit, tiefer in die Geldbörse zu greifen als für andere Produkte. Aus einer AMA-Marketing-Umfrage vom Jahr 2015 geht hervor, was Konsumenten mit dem Begriff Bio verbinden - dazu zählt unter anderem die Freilandhaltung. Diese ist in der EU-Bioverordnung allerdings nicht zwingend vorgeschrieben. Bio-Bauern sind dazu verpflichtet, den Tieren einen Auslauf zu ermöglichen. "Bio bedeutet Auslauf, aber nicht Weidehaltung", teilt Braun mit.

Der Begriff Bio ist durch die EU-Bioverordnungen 834/2007 und 889/2008 gesetzlich geschützt, das gilt für alle EU-Mitgliedsstaaten und betrifft den Pflanzenbau, die Tierhaltung, die Verarbeitung, den Handel und die Kennzeichnung und Kontrolle für Bio-Lebensmittel. Folgende Bezeichnungen dürfen daher nur auf Bio-Produkten stehen:

  • aus (kontrolliert) biologischem (ökologischem) Anbau

  • aus (kontrolliert) biologischer (ökologischer) Landwirtschaft

  • aus (kontrolliert) biologischem (ökologischem) Landbau

Sie haben fast doppelt so viel Platz im Stall zu Verfügung wie bei der konventionellen Haltung

Doch was macht den Unterschied zwischen einem Bio-Betrieb und einem konventionellen Betrieb aus? Die Vorteile von biologischer Landwirtschaft liegen auf der Hand: die Wartezeit nach einer Antibiotika-Verabreichung ist doppelt so lang, Antibiotika dürfen nicht präventiv eingesetzt werden, es wird kein gentechnisch verändertes Futter verwendet und die Tiere haben mehr Platz im Stall sowie einen Auslauf. "Die Tiere haben die Möglichkeit, sich Außenreizen auszusetzen und ihr natürliches Verhalten auszuleben", sagt Kornel Cimer von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Für Schweine, Geflügel und Rinder stehe laut Gesetz "grob gesehen doppelt so viel Platz im Stall zu Verfügung wie bei der konventionellen Haltung".

So viel Platz räumen die gesetzlichen Richtlinien den Nutztieren ein - ein Vergleich:

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Bio-Betriebe

Ein Bio-Schweinestall

 © VIER PFOTEN

Mastschweine aus biologischer Haltung haben nicht nur mehr Platz, sie müssen auch nicht auf Vollspaltböden stehen und haben Stroh im Stall. Die Bio-Bauern in Österreich bieten ihren Schweinen zudem einen überdachten Auslauf, der sie Frischluft schnappen lässt.

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Schweinestall

Ein konventioneller Schweinemastbetrieb

 © VGT - VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN

Zudem ist die Massentierhaltung im Bio-Bereich besser geregelt. Ein Bio-Masthühnerstall darf in Österreich pro Stall maximal 4.800 Tiere beherbergen - in einem konventionellen Masthühnerstall kann es vorkommen, dass rund 40.000 Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht werden.

Ein Bio-Betrieb ist genauso auf Profit ausgerichtet, wie jeder andere Betrieb"9c8a2470-7ec6-4bb1-bd82-d5f1830eaa13

Aber "selbst Bio hat seine Einschränkungen und diese sind teils eklatant", sagt Braun. Man dürfe nicht vergessen, ein Bio-Betrieb "ist genauso auf Profit ausgerichtet, wie jeder andere Betrieb." Die Probleme liegen laut Tierschützer Kornel Cimer dort, wo noch keine Definitionen für Bio getroffen worden sind. Am Ende landen die meisten Bio-Schweine im selben Transporter und beim selben Schlachter wie Schweine aus konventioneller Haltung, eine eigene Regelung für Bio-Bauern gibt es nicht. Und dass die Zustände in Österreichs Schlachthöfen teils erschreckend sind, hat bereits eine News-Report aus dem Jahr 2015 gezeigt. Positive Beispiele sind in Österreich ebenfalls zu finden: Der Biohof Labonca in der Steiermark schlachtet beispielsweise tierschutzgerecht und selbst, in einem "Schlachthaus" direkt auf der Weide (Eine Liste mit Höfen die Schweine, Rinder und Co. tierschutzgerecht schlachten, finden Sie hier).

Als weitere problematische Punkte nennen die Experten:

  1. Die EU-Bioverordnung verbietet den Einsatz von Hochleistungsrassen bei Legehühnern nicht. Viele Bio-Betriebe verwenden diese Rasse, da sie die meisten Eier legt. Die Hühner sind jedoch rasch ausgelaugt und werden schneller krank.

  2. Bio-Betriebe dürfen, genau wie bei der konventionellen Haltung, ihre Kälber enthornen. Das spart später Platz und mindert die Verletzungsgefahr für Halter.

  3. Auch Bio-Bauern trennen die Kälber von ihren Müttern.

  4. Die Anbindehaltung ist laut EU-Bioverordnung nicht zur Gänze verboten. Sie ist bis zu einer Betriebsgröße von 35 Tieren erlaubt.

Der Anteil der Freilandhaltung liegt in Österreich weit unter einem Prozent. Die Bio-Schweinehaltung liegt in Österreich laut Daten der "Bio Austria" (2014) bei 1,5 Prozent.

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Schweinestall

Ein Bio-Schweinemastbetrieb

 © VGT - VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN

Wie kontrolliert und gekennzeichnet wird

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen gibt es mehrere Bio-Siegel, die darauf hinweisen, dass ein Produkt aus biologischer Landwirtschaft stammt. Produkte mit diesem Siegel kosten auch dementsprechend. Die Preisunterschiede seien vorwiegend auf die Futtermittel zurückzuführen, sagt Braun. Die Haltung der Tiere spiele auch eine Rolle. Aber können Konsumenten darauf vertrauen, dass die Bio-Richtlinien eingehalten werden? Laut Expertin werden Bio-Bauern mindestens einmal jährlich kontrolliert, konventionelle Betriebe hingegen viel seltener beziehungsweise fast nie.

Die Konsumenten können sich beim Kauf im Supermarkt an den Bio-Siegeln orientieren. Diese drei offiziellen Siegel sind in Österreich häufig vertreten und vertrauenswürdig:

1. EU-Biosiegel
Das Siegel besagt, dass das betreffende Bio-Produkt der EU-Bioverordnung entspricht.

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EU-Biosiegel
 © EU-Biosiegel

In Österreich gibt es drei wichtige und vertrauenswürdige Bio-Siegel:

2. Bio-Austria-Logo
Dieses Siegel bedeutet, dass das Produkt den Richtlinien der "Bio Austria", einem Verein zur Förderung des biologischen Landbaus, entspricht. Mitglieder des Vereins verpflichten sich, strenge biologische Regelungen einzuhalten. Es gelten die EU-Bio-Verordnung 834/2007, die Codexrichtlinien A8 und die Verbandsrichtlinien der "Bio Austria".

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BIO AUSTRIA Logo
 © Bio Austria

3. Das staatliche AMA-Biosiegel
Dieses Bio-Siegel garantiert, die durch AMA geprüfte biologische Landwirtschaft und den kontrolliert biologischen Anbau der Rohstoffe des Lebensmittels. Das Siegel gibt es jeweils mit und ohne Ursprungsangabe des Produkts.

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AMA-Biosiegel

mit Ursprungsangabe

 © AMA
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AMA-Biosiegel

ohne Ursprungsangabe

 © AMA

Und man darf nicht vergessen: Ein Produkt, dass nicht als Bio gekennzeichnet ist, kann durchaus einige der Kriterien erfüllen, die österreichische Siegel vorgeben. Laut Gesetz ist jeder Landwirt verpflichtet zumindest die österreichische Tierhalteverordnung einzuhalten.

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