Fakten von

Ein Wiener Waffendealer packt aus

Im Interview erzählt der illegale Händler: "Erst kaufst du Drogen, dann die Pistole"

Mann mit Waffe © Bild: iStockphoto.com/MilosJokic

Immer mehr Österreicher bewaffnen sich. Wer keine Waffe auf dem legalen Weg bekommt, beschafft sie sich auf dem Schwarzmarkt. Aber ist das wirklich so einfach? Wir treffen einen illegalen Waffenhändler in einem schäbigen Kaffeehaus mitten in Wien. Er will uns ein Interview geben. Seine Bedingung: absolute Anonymität. Dafür hat er aber eine Waffe und seine Preisliste dabei. Für uns nennt er sich Toni H.

Wie funktioniert ein illegaler Waffendeal?
Toni H.: Früher war das so, dass ich ins Puff reingegangen bin und meine Kunden kannte. Denen hab ich dann eine Preisliste auf den Tisch gelegt, und wir haben verhandelt. Die Waffen hatte ich im Kofferraum. Heute kaufst du erst Drogen bei mir, steckst sie in die Tasche und erst dann biete ich dir die Pistolen an. Aber ich verkaufe keine Einzelwaffen. Für eine alleine stehe ich nicht mal auf.

Also sind Sie Waffen- und Drogendealer?
Ja, Waffen alleine, das reicht nicht mehr. Jeder von uns verkauft Drogen oder macht Geld mit Menschenhandel und Prostitution.

Verkaufen Sie auch über das Internet?
Nein. Das macht niemand. Das funktioniert vielleicht in den USA so, aber nicht bei uns. Hier kaufst du direkt bei mir. Das läuft meistens über Kontakte. So wie ich gesagt habe, erst Drogen und dann Waffen. Also du musst schon irgendwie drin sein. Oder halt nach einem Spiel nehme ich dich mit raus und mache den Kofferraum auf.

Nach einem Spiel?
Illegales Glücksspiel.

Wo wir uns jetzt kennen, kann ich als Frau bei Ihnen eine Waffe kaufen?
Eine Frau hat es schwer. Die hat keine Chance an eine illegale Waffe zu kommen. Ich würde sie sofort zur Polizei schicken. Dieses Geschäft ist Männersache.

Wer sind denn Ihre Kunden?
Das sind alles Kriminelle. Andere Menschenhändler, Zuhälter, Einbrecher, Betrüger, Hehler. In diesem Milieu machst du besser keine Geschäfte ohne eine Waffe.

Interview mit Wiener Waffenhändler
© News Toni H. hat seine Preisliste mitgebracht. Die legt er seinen Kunden auf den Tisch, dann wird verhandelt. Eine Waffe alleine verkauft der Händler nicht.

Bewaffnen sich Ihre Kunden wegen steigenden Flüchtlingszahlen?
Nein. Das ist sicher nicht der Grund.

Warum kaufen Ihre Kunden illegale Waffen? Die könnten doch auch einen Waffenführerschein machen und sich dann ganz legal eindecken?
Naja also ich habe zum Beispiel ein amtliches Waffenverbot. Ich darf überhaupt keine Waffen besitzen. Und die meisten meiner Kunden auch nicht. Oder sie wollen eine Waffe mit Schalldämpfer, das ist sonst auch verboten. Und wenn du wirklich irgendwo mit einer Waffe hingehen willst, dann muss sie schon handlich sein. Solche Waffen kriegst legal auch nur schwer.

Interview mit Wiener Waffenhändler
© Nina Strasser Ein illegaler Smith & Wesson Revolver. Toni H. zeigt uns die Waffe im Hinterzimmer des Kaffeehauses. Der Waffendealer will sie für 2000 Euro verkaufen. Legal würde der Revolver allerdings knapp die Hälfte kosten.

Woher bekommen Sie überhaupt die Ware?
Meistens direkt aus Österreich. Ein braver Familienvater aus Niederösterreich, der zufällig Jäger ist, hat sich mal im Puff aufgeführt und wurde gefilmt. Der musste für uns dann zehn Waffen kaufen. Aber ich bekomme auch Waffen von Einbrechern. Die haben sie aus ganz normalen Familienhäusern oder direkt aus dem Waffengeschäft gestohlen. Denen zahl ich dann 100 Euro und die sind froh, dass sie die Ware los sind.

Aber dann wissen Sie ja nie, ob schon mal mit der Waffe eine Straftat begangen wurde, oder?
Nein, das kann man nicht wissen. Es gibt aber einen Waffenschmied in Wien. Den kennt bei uns jeder. Der schleift dir in seinem Keller die Seriennummer raus. Er kann alles reparieren. Und wenn gar nichts mehr geht, verkauft der auch selbst seine Waffen. Er hat viele Restbestände von Kunden, die ihre Waffen nicht mehr abgeholt haben, weil sie untertauchen mussten oder im Häfn sitzen.

Haben Sie schon mal selbst geschossen?
Ich habe mal jemanden in Notwehr getötet. Das hat das Gericht bestätigt. Der erste Schuss hat ihn am Arm getroffen. Der zweite in die Brust. Es war fürchterlich. Das wird man nicht los. Töten ist töten. Das fühlt sich immer scheiße an.

Kommentare

Oberon

Kann es sein, dass ich diesen Artikel schon kenne? Andrerseits, wer rechnet denn schon damit, dass ein user beim Lesen mit denkt?!

Anm.: Eigentlich dachte ich bisher immer, Wiederholungen sind vorwiegend auf die Sparte "Life" beschränkt? ;-)

Oberon

Kann es sein, dass ich diesen Artikel schon kenne? Andrerseits, wer rechnet denn schon damit, dass ein user beim Lesen mit denkt?!

Anm.: Eigentlich dachte ich bisher immer, Wiederholungen sind vorwiegend auf die Sparte "Life" beschränkt? ;-)

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