Thomas Brezina: Geschichtenerzähler und Geschäftsmann

Er liefert Bücher am Fließband - mit großem Erfolg. Doch wie tickt der Autor und was macht er heute?

Kaum ein Kinderzimmer in Österreich kommt ohne ein Buch von ihm aus: Thomas Brezina schuf Klassiker-Reihen wie die „Knickerbocker Bande“ oder „Tom Turbo“ – und das multimedial. Doch wer ist der Autor, der in seinem Leben bereits ungefähr 550 Bücher geschrieben hat, davon einen Großteil für Kinder und ein paar für Erwachsene?

von Porträt - Thomas Brezina: Geschichtenerzähler und Geschäftsmann © Bild: News Ricardo Herrgott

Steckbrief Thomas Brezina

  • Name: Thomas Conrad Brezina
  • Geboren: am 30. Jänner 1963 in Wien
  • Ausbildung: Begonnenes Studium der Veterinärmedizin und Theaterwissenschaften
  • Wohnort: Wien und London
  • Beruf: Autor (u.a. "Knickerbocker Bande", "Tom Turbo", "Tiger Team",...), Drehbuchautor, Fernsehmoderator, Produzent
  • Bücher-Reihen: Knickerbocker-Bande, Tom Turbo, Sieben Pfoten für Penny, Tiger-Team, Bronti Supersaurier, No Jungs,…
  • Familienstand: verheiratet mit Ivo (seit 2016), Hund Joppy

Unzählige junge Heldinnen und Helden brachte Thomas Brezinas Fantasie hervor, von den vier Helden der „Knickerbocker Bande“, die er in den letzten Jahren sogar erwachsen werden ließ über „Tom Turbo“ bis zum „Tiger Team“. Der Wiener Autor schrieb sich in die Herzen zahlreicher Kinder – und schuf „nebenbei“ auch noch diverse TV-Formate und zeichnet seit 2008 federführend für das ORF-Kinderprogramm "Okidoki" verantwortlich.

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Thomas Brezinas Erfolg in Zahlen

Eigentlich könnte sich der Bald-60-Jährige gemütlich zurücklehnen, wenn man sein Oeuvre und dessen Erfolg betrachtet: Knapp 550 Bücher hat Thomas Brezina geschrieben, diese wurden in mehr als 35 Sprachen übersetzt und verkauften sich über 70 Millionen Mal auf der ganzen Welt. In China etwa gilt er als einer der auflagenstärksten ausländischen Autoren und konnte im Jahr 2003 sogar "Harry Potter"-Schöpferin J.K. Rowling überflügeln.

Thomas Brezina: So arbeitet er

Doch zurücklehnen gibt es für Brezina nicht. Nach wie vor ist der Autor voller Tatendrang. Bis zu zehn Stunden am Tag arbeitet bzw. schreibt er. Das klingt gar nicht nach dem kreativen Schöfpungsprozess, den man mit dem Bild eines Schriftsteller verbindet. „Kreativarbeit ist harte Arbeit. Zehn Stunden schreiben heißt ja nicht, dass ich zehn Stunden vor dem Computer sitze. Das heißt, dass ich mir ein Tagesziel setze, eine gewisse Anzahl an Worten, die ich schreiben möchte und das versuche ich zu erreichen. Manches Mal geht es schneller, manches Mal weniger“, erklärte Brezina dazu 2017 in einem Interview mit News.at.

Thomas Brezina 1996
© APA/Pfarrhofer Thomas Brezina im Jahr 1996 als UNICEF-Botschafter
»Erfolg ist für mich, es geschafft zu haben, eine Geschichte aus meinem Kopf auf Papier zu bringen. «

So sieht er seinen Erfolg

Auch ein Wort wie "Tagesziel" mutet eher nach Management-Vorgabe an. Harte Arbeit also für den Erfolg? Naja, so will es der Autor auch nicht sehen. "Ich bin keine Fabrik, verstehen Sie, ich bin ein Geschichtenerzähler", stellte er dazu in der deutschen "Zeit" klar. Und: So wichtig seien im diese Zahlen gar nicht, sagte er bereits im Rahmen eines Interviews zu seinem 50 Geburtstag zur APA: „Die [erfolgreichen Zahlen, Anm.] sind einfach gekommen. Erfolg ist für mich es geschafft zu haben, eine Geschichte aus meinem Kopf auf Papier zu bringen. Wenn ich die dann lese und merke, das hat was, dann ist das Erfolg. Aber vor allem geht es mir darum, was ich bei anderen Menschen auslöse. Die Begeisterung, die mir Kinder entgegen bringen, ist sehr bewegend."

Brezina 2002
© imago/SKATA Thomas Brezina und sein beühmter Schnauzer im Jahr 2002

Thomas Brezina: Anfänge in der Kindheit und Jugend

Geschichten im Kopf hatte Brezina wohl schon immer. Bereits als Achtjähriger setzte er seine ersten Fußstapfen und schrieb über eine Maus auf dem Jupiter. Nur sieben Jahre später, mit 15, erhielt er für die Drehbücher zur Puppenfernsehserie "Tim, Tom und Dominik" den Großen Österreichischen Jugendpreis. In Folge begann er als Puppenspieler bei „Clown Habakuk“ und spielte dort unter anderem den Zauberer Tintifax. Schließlich gelangte er über das Radio zum Fernsehen. Durch die Arbeit an Drehbüchern bekam er schließlich das Angebot, Bücher zu schreiben und mit der „Knickerbocker Bande“ gelang ihm im Jahr 1990 schließlich der große Durchbruch.


Thomas Brezina getestet: Erkennt der Autor anhand kurzer Passagen seine eigenen Bücher? Auflösung im Video:

© Video: News.at

Kindheit und Eltern

Aufgewachsen ist Thomas Brezina in Wien mit Bruder und Eltern. „Ich hatte großartige Eltern, mein Vater war Radiologe, meine Mutter Musikpädagogin“, erzählte er in einem Interview mit „Der Presse“ 2015. Er sei „absolut behütet“ aufgewachsen und ein guter Schüler gewesen. Die Eltern hätten ihn stets unterstützt. Allerdings sei er als eher dickliches Kind auch verspottet worden, weshalb er sich zurückgezogen habe und eher Einzelgänger war: „Ich habe nie Fußball gespielt und war auch nie Anführer einer Clique. Ich habe Puppentheater gebaut und mir Geschichten ausgedacht", erklärt er seine frühe Berufung. Seine eigenen Helden damals? Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach oder Wickie und die starken Männer.

Thomas Brezina über seine Helden und Heldinnen

Heute hat er selbst viele Heldinnen und Helden für jüngere Generationen geschaffen. Ob er angesichts der hohen Zahl schon einmal den Überblick verliere? "Das ist wie ein großes Haus mit verschiedenen Wohnungen und Zimmern. Einmal gehe ich hierhin, einmal gehe ich dorthin, je nachdem, an was ich wieder arbeite. Das ist wie alte Freunde zu besuchen", erklärte er einst dazu.

© Ecowin Verlag GmbH/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Der Zweifler

Als größte Maxime gilt für Brezina: „Ich will Kinder begeistern, bestärken, begleiten“. Schwierig sei es jedoch mit der Zeit immer mehr geworden, sich nicht zu wiederholen. Und natürlich zweifelt auch ein erfolgreicher Mensch wie er immer wieder. Aber dafür habe er Menschen um sich, "die mir dann auf die Schulter klopfen und sagen: 'Es ist okay.'"

»Das schönste Kompliment, was mich erreicht, ist jenes von den Lesern von früher, die sich heute für eine schöne Kindheit bedanken.«

Thomas Brezina und Kritik

Früher trugen zu den Zweifeln wohl auch die Kritiker bei, die nicht wenige waren. Seine Bücher seien seicht, sein Sprachstil zappelig, warf man ihm etwa vor. „Die Kritiken in der Anfangszeit für meine Bücher waren sehr heftig. Das hat mich schon etwas gekränkt“, erzählte er „Der Presse“. Doch sein Verleger und Lektoren hätten ihn beruhigt und geraten, sich nicht darum zu kümmern, schreibe er doch für sein Publikum und nicht für die Kritiker, erklärte er News.at wie er lernte, damit umzugehen. Und von diesem Publikum bekomme er viel Lob. „Das schönste Kompliment, was mich erreicht, ist jenes von den Lesern von früher, die sich heute für eine schöne Kindheit bedanken. Es gibt keine höhere Auszeichnung“, so Brezina, der inzwischen auch für für diese Gruppe jener schreibt, die mit ihm die mit seinen Geschichten groß wurden, etwa mit Geschichten über die erwachsenen Knickerbocker oder Veröffentlichungen im Lebensratgeber-Segment .

Thomas Brezina und Hund Joppy
© imago/SKATA Thomas Brezina mit seinem Lebensratgeber - und Hund Joppy

Doch dieses öffentliche kritisiert werden habe ihn dennoch verändert, er habe gelernt, sich zu schützen und heute nur eine Handvoll Menschen in seinem Umfeld, auf deren Urteil er höre.

Thomas Brezina privat: Mann Ivo und Hund Joppy

Überhaupt lebt Brezina sehr zurückgezogen. Auch wenn er als Autor und Moderator sehr präsent ist, achtet er stets darauf, über sein Privatleben nicht viel Preis zu geben bis auf ein paar ausgewählte Episoden, die er gerne erzählt. Er lebt in Wien und London und ist seit 2016 mit seinem Mann Ivo verheiratet, den es neben Hund Joppy (mit eigenem Instagram-Account) auch oft auf Brezinas Instagram-Posts zu sehen gibt. Außerdem reist er gerne, etwa jedes Jahr nach Indien zum Ayurveda. Und wo fühlt er sich zwischen den Reisen und Leben in zwei Ländern zuhause? „Du bist da zuhause, wo du auch dein soziales Umfeld hast. Das immer wieder neu aufzubauen, ist eine mühevolle Arbeit“, bleibt er auch hier recht verschwiegen.