Studie zu Teenager-Sex in Europa: Erstes Mal in Österreich im Durchschnitt mit 16,3!

Nur noch Deutsche tun es im Durchschnitt früher Mangel an Aufklärung: Verhütung bei uns mittelmäßig

Teenager-Sex in Österreich zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Im Durchschnittsalter von 16,3 Jahren erleben Mädchen und Burschen "das erste Mal" und in einem Vergleich mit Altersgenossen aus 26 europäischen Staaten sehr früh. Bei der Geburtenrate in der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren sind die österreichischen Mädchen im Mittelfeld. In Zypern, Schweden und Dänemark ist die Geburtenrate hier nur halb so hoch. Das geht aus einem neuen Report mit dem Titel "Sexualerziehung in der Europäischen Region" hervor, der vom Europa-Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht wurde.

Der Bericht wurde vom Europäischen Netzwerk des Internationalen Verbandes für Familienplanung (IPPF) in Zusammenarbeit mit der Universität Lund (Schweden) und der WHO erstellt. Die finanzielle Unterstützung dafür kam von der EU. Aus den gesammelten Daten gehen große nationale Unterschiede im Sexualverhalten der Jugendlichen hervor:

- Beim ersten Geschlechtsverkehr mit einem Partner sind beispielsweise die Österreicher im Durchschnittsalter von 16,3 Jahren nur nach den jungen Deutschen (16,2 Jahre) "Spitze". Im katholischen Polen "passiert es" erst im Durchschnittsalter von 17,9 Jahren, in Frankreich mit 17,1 Jahren, in Schweden mit 16,4 und in Großbritannien mit 16,7 Jahren.

- Mit 15 haben beispielsweise schon 40,4 Prozent der britischen Mädchen Sex gehabt, in Schweden 30,9 Prozent, in Österreich 19,1 Prozent (Burschen: 22,1 Prozent), in Italien 20,5 Prozent, in Deutschland 33,5 Prozent und in Polen 9,2 Prozent.

Die Analyse der in den einzelnen Ländern etablierten Formen der Sexualerziehung zeigt in Europa noch einige Defizite. So wird von den meisten Fachleuten betont, dass institutionalisierte Sexualerziehung in der Schule jeweils fächerübergreifend erfolgen sollte. Doch heißt es in dem Report unter anderem: "Es ist in Europa noch immer eine Seltenheit, dass Sexualerziehung außerhalb der Volksschule über den gesamten Lehrplan hinweg durchgeführt wird." Oft wird sie oft in Fächer wie Biologie abgeschoben und konzentriert sich dann fälschlicherweise auf Biologie und Gesundheitsaspekte (HIV etc.), statt Partnerschaft und gegenseitige Verantwortung zu betonen.

Defizite in der Sexualaufklärung
Defizite in der Sexualaufklärung und mangelnde bzw. nur höher schwellig erreichbare Mittel zur Empfängnisverhütung führen schließlich zu unerwünschten Schwangerschaften. Hier zeigt sich, dass auch in Österreich im Vergleich speziell zu den skandinavischen Länder es zu oft schon im Alter zwischen 15 und 19 Jahren "Ihr Kinderlein kommet" heißt. Schwangerschaftsraten in dieser Altersgruppe pro 1.000 junger Frauen:

- Bulgarien: 39
- Großbritannien: 27,8
- Zypern: 5,7
- Schweden: 6,1
- Italien: 7,1
- Frankreich: 11
- Deutschland: 11,7
- Österreich: 13,2

Politische Rahmenbedingung wichtig für Sexualerziehung
Einige Schlussfolgerungen: "Eine Untersuchung der hierbei erhobenen Daten zeigt deutlich, dass eine vollständige Akzeptanz von Sexualerziehung bei allen Bevölkerungsgruppen nur in wenigen Ländern gegeben ist und dass die jeweiligen politischen Rahmenbedingungen dabei immer noch eine erhebliche Rolle spielen. So findet Sexualerziehung in Ländern wie Dänemark und den Niederlanden allgemeine Akzeptanz und Unterstützung, während in Ländern wie Tschechien, Deutschland, Irland und Polen teilweise heftiger Widerstand herrscht."

Die Autoren weiter: "Religiöse Gemeinschaften spielen mittlerweile bei der sexuellen Aufklärung von Jugendlichen eine immer wichtigere Rolle. Obwohl Sexualaufklärung an vielen Schulen in der Region auf Grund des starken Drucks religiöser Gruppen vernachlässigt wird, nimmt andererseits die Beteiligung religiöser Organisationen (wie etwa der Orthodoxen Kirche in Griechenland) auf diesem Gebiet zu." Besonders wichtig sei die Einbindung der Medien.

Einfluss der Religion in Österreich hoch
Der neue Report "Sexualerziehung in der Europäischen Region" - vom Europäischen Netzwerk des Internationalen Verbandes für Familienplanung (IPPF) in Zusammenarbeit mit der Universität Lund (Schweden) und der WHO verfasst - analysiert auch die Situation in Österreich: Obwohl Sexualerziehung verbindlich in den Schulen auf dem Programm steht, bekommen sie offenbar viele Jugendliche gar nicht, wird unter anderem kritisiert. Hier einige Passagen:

- "Insgesamt ist der religiöse Einfluss in den Schulen in Österreich stark. Sexualerziehung war und ist ein kontroversielles Thema. Generell glaubt man, dass die jungen Leute zu früh sexuell aktiv werden und Sexualerziehung wegen des vermehrten Wissens über die Schwangerschaftsverhütung weniger wichtig bis unnötig wird."

- "Es gibt auch die Auffassung, dass die Sexualerziehung nicht mit den persönlichen Erfahrungen der heutigen Jugend Schritt hält."

- Obwohl die Sexualerziehung in den österreichischen Schulen verpflichtend ist und schon seit zwei Generationen fix verankert ist, gibt es Meinungen, wonach nur die Hälfte der jungen Menschen wirklich irgendeine Form der Sexualerziehung in der Schule erhalten."

- Das könnte auch an der Ausbildung der Lehrerschaft liegen: "Machen Beobachter glauben, dass Sexualerziehung oft vernachlässigt wird und vom jeweiligen Engagement einzelner Lehrer oder Schulen abhängt."

- Kritisiert wird auch, dass Aktivitäten der Sexualerziehung von nicht-staatlichen Institutionen (NGOs) nur teilweise aus öffentlichen Geldern unterstützt werden und Schulen oft auch nicht wissen, dass es auf diesem Gebiet auch Hilfe von außen geben könnte. Besonders schlecht zugänglich wären solche Informationsangebote für Kinder und Jugendliche aus muslimischen Haushalten. (apa/red)