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Die lange Liste der
östereichischen Doping-Sünder

Von Legel 1972 bis zur Heim-WM in Seefeld

Sport - Die lange Liste der
östereichischen Doping-Sünder © Bild: APA/Pfarrhofer

Teile des ÖSV-Langlaufteams sind wie schon bei den Olympischen Spielen 2002, 2006 und 2014 in einen Dopingskandal verwickelt. Die Geschichte des Dopings bei österreichischen Sportlern ist freilich schon deutlich länger dokumentiert. Nachfolgend eine (nicht vollständige) Übersicht über Dopingfälle im österreichischen Sport.

1972: Dem niederösterreichischen Gewichtheber Walter Legel wird bei den Olympischen Spielen in München die Einnahme eines Stimulanzmittels nachgewiesen.

1984: Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles wird Gewichtheber Stefan Laggner Nandrolon nachgewiesen. Der Wiener wird vier Jahre später vor den Spielen in Seoul 1988 neuerlich erwischt.

September 1988 : Der 20-jährige Wiener Rad-Amateur Christoph Ziermann wird vor den Olympischen Spielen positiv auf anabole Steroide getestet und aus dem Olympia-Kader eliminiert.

April 1989: Eishockey-Teamspieler Siegfried Haberl liefert bei der B-WM in Norwegen einen positiven Test (Testosteron) und wird internationale für 18 Monate gesperrt.

Juli 1992: Gewichtheber Jürgen Matzku wird des Anabolika-Dopings überführt und aus dem Olympia-Team entlassen.

Jänner 1993: Post SV wird der Gewichtheber-Meistertitel aberkannt, weil der polnische Legionär Marian Seweryn beim Staatsliga-Finale gegen VOEST im November gedopt war (Anabolika).

Juli 1993: Die österreichische Sprint-Staffel mit Andreas Berger, Franz Ratzenberger, Thomas Renner und Gernot Kellermayr wird kollektiv des Anabolika-Dopings mit Metandienon überführt. Berger, Hallen-Europameister von 1989 über 60 m, gibt im TV im Namen seiner Kollegen Doping zu und beendet seine Karriere.

Dezember 1993: Dem niederösterreichischen Judoka Thomas Etlinger wird das Asthma-Mittel Spiropent bei einer Kontrolle zum Verhängnis. Der Vize-Europameister wird für zwei Jahre gesperrt.

Februar 1994: Bei den Olympischen Spielen in Lillehammer wird dem Tiroler Bobpiloten Gerhard Rainer das anabole Steroid Metandienon nachgewiesen. Der sofort geständige Sportler vom BC Igls ist der erste offizielle Dopingsünder im Bobsport.

© APA/Hochmuth Im Bild: Die Skiflug-Legende Andi Goldberger

April 1997: Skiflug-Weltmeister Andreas Goldberger gesteht im ORF-TV den einmaligen Konsum von Kokain und wird im Mai von der Disziplinarkommission des ÖSV wegen Dopings für sechs Monate gesperrt.

November 1998: Kurz vor Beginn der Weltcupsaison wird der Tiroler Bobpilot Hubert Schösser überführt. Bei einer im Oktober genommenen Probe wird ein anaboles Steroid nachgewiesen, der Vize-Europameister im Vierer gesteht und beendet seine Karriere.

März 1999: Basketball-Legionär Stjepan Stazic wird in Italien positiv auf das Anabolikum Clostebol getestet und von der italienischen Liga mit sofortiger Wirkung gesperrt. Der 20-Jährige wechselt daraufhin für die kommende Saison nach Frankreich.

Juli 1999: Die Gewichtheber Manfred Kraushofer und Dietmar Oberdanner, Staatsmeister und Vizestaatsmeister der Kategorie bis 85 kg, werden nach positiven Tests bei den Staatsmeisterschaften Anfang Mai gesperrt.

August 1999: Zeitfahr-Radstaatsmeister Florian Wiesinger (OÖ) wird für drei Monate gesperrt, nachdem ihm bei der ÖM im Juni das Mittel Pseudoephedrin nachgewiesen wird.

November 1999: Dem zu diesem Zeitpunkt besten ÖGV-Gewichtheber Werner Höller wird die Einnahme von Phentermin (Appetitzügler) nachgewiesen.

November 2000: Der Tiroler Rodler Markus Kleinheinz wird nach dem Genuss von Cannabis für zwei Jahre gesperrt.

Dezember 2000: Der Steirer Jochen Summer wird in einem nationalen Schweizer Rad-Rennen die Verwendung des Stimulanziums Phentermin nachgewiesen. Summer wird im Jänner 2001 für drei Monate gesperrt.

© APA/Schneider Im BIld: Der Voralrberger Radprofi Matthias Buxhofer

April 2002: Radprofi Arno Kaspret liefert einen positiven Dopingtest auf Ephedrin ab. Der Steirer wird für zwei Jahre gesperrt.

August 2002: Der Vorarlberger Radprofi Matthias Buxhofer wird während der Dänemark-Radrundfahrt positiv auf Norandrosteron getestet und von seinem Team entlassen.

Februar 2002: In einem von ÖSV-Langläufern genutzten Privathaus während der Olympischen Spiele in Salt Lake City werden Geräte zur Durchführung von Bluttransfusionen gefunden. ÖSV-Sportdirektor Walter Mayer wird bis 2010 von Olympia ausgeschlossen.

August 2003: Bei einem Test Anfang Juni werden bei Hürdensprinter Elmar Lichtenegger Metaboliten von Norandrosteron festgestellt. Der Kärntner, der verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel als Grund der positiven Probe angibt, wird für 15 Monate gesperrt.

August 2003: Wenige Tage nach Lichtenegger werden auch Kugelstoßer Andreas Vlasny (Metandienon) und Zehnkämpfer Christian Schäflinger (Norandrosteron) des Dopings überführt.

Juni 2004: Christian Pfannberger gibt nach Platz zwei bei den Rad-Staatsmeisterschaften eine positive Doping-Probe auf die anabole Substanz Epitestosteron ab. Der Steirer wird für zwei Jahre gesperrt.

November 2004: Ski-Ass Hans Knauß liefert im Anschluss an die Weltcup-Abfahrt in Lake Louise eine positive Dopingprobe mit leicht erhöhtem Nandrolon-Wert, den er auf ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel zurückführt. Der Steirer wird vom Internationalen Skiverband (FIS) für 18 Monate gesperrt.

© APA/AFP Im Bild: Tennisspieler Stefan Koubek

Dezember 2004: Tennisprofi Stefan Koubek gibt bekannt, dass er bei den French Open im Mai in Paris positiv auf Triamcinolon-Acetonid getestet worden ist und vom internationalen Verband für drei Monate gesperrt wurde.

Februar 2006: Bei den Olympischen Spielen in Turin führen italienische Carabinieri in den Quartieren der Biathleten und Langläufer Doping-Razzien durch. Im April 2007 sperrt das IOC-Exekutivkomitee die ÖOC-Sportler Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner, Martin Tauber, Jürgen Pinter und Johannes Eder lebenslänglich für Olympia. Die FIS verhängt gegen Tauber, Eder und Diethart jeweils zweijährige Sperren, Pinter wird für vier Jahre gesperrt. Die IBU sperrt Rottmann und Perner.

September 2006: Die U23-Radfahrer Christian Ebner und Marco Oreggia verstoßen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen und werden im Dezember für zwei Jahre gesperrt. Während eines Trainingslagers vor der Heim-WM entzieht sich der Niederösterreicher Ebner in Bad Tatzmannsdorf unerlaubt einer Doping-Kontrolle. Dem Steirer Oreggia wird EPO-Doping nachgewiesen.

Dezember 2007: Hürdensprinter Elmar Lichtenegger stolpert zum zweiten Mal über eine Dopingkontrolle. Dem Kärntner wird bei einer Kontrolle am 22. November - so wie schon 2003 - die verbotene Substanz Nandrolon nachgewiesen. Er wird lebenslang gesperrt.

April 2008: Bei Langstreckenläuferin Susanne Pumper wird EPO nachgewiesen, ein zweiter Test ist ebenfalls positiv, sie wird für zwei Jahre gesperrt.

Mai 2008: Triathletin Lisa Hütthaler wird positiv auf EPO getestet und für 18 Monate gesperrt.

© APA/Pfarrhofer IM Bild: Der Radprofi Bernhard Kohl

Oktober 2008: Radprofi Bernhard Kohl wird nach Platz drei bei der Tour de France nachträglich positiv auf die Substanz EPO CERA getestet.

März 2009: Radprofi Christian Pfannberger wird EPO-Verwendung nachgewiesen.

September 2009: Radprofi Monika Schachl wird wegen Nichtmitwirkung an einer Doping-Kontrolle für ein Jahr gesperrt.

November 2009: Radprofi Christian Pfannberger wird als Doping-Wiederholungstäter lebenslang gesperrt. Er war im März positiv auf EPO getestet worden.

Dezember 2009: Christian Hoffmann wird in einem erst abgeschlossenen Verfahren wegen Anwendung einer verbotenen Methode für zwei Jahre gesperrt.

Mai 2010: Marathonläuferin Eva-Maria Gradwohl verweigert in Kroatien eine Trainingskontrolle und beendet ihre Karriere.

© APA/Niedringhaus Im Bild: Leichtathletin Stephanie Graf

Juni 2010: Die frühere Leichtathletin Stephanie Graf wird wegen Anwendung einer verbotenen Methode für zwei Jahre gesperrt.

August 2010: Radsportler Hannes Gründlinger wird wegen Bestellung, Erwerb, Besitz und Einnahme, aber auch wegen der Weitergabe verbotener Substanzen für sechs Jahre gesperrt. Radsportler Christian Ebner wird lebenslang gesperrt, sein Kollege Josef Kugler für zwei Jahre, Michael Knopf für drei Jahre.

Dezember 2010: Mountainbiker Robert Kircher wird wegen Einnahme und Weitergabe von Dopingsubstanzen für acht Jahre gesperrt.

Jänner 2011: Triathlet Hannes Hempel wird wegen der Weitergabe von EPO für vier Jahre gesperrt.

November 2011: Ex-Mountainbiker und Triathlet Michael Weiss wird wegen Verwendung einer verbotenen Methode für zwei Jahre gesperrt.

April 2013: Susanne Pumper wird als Doping-Wiederholungstäterin wegen Erwerbs einer verbotenen Substanz für acht Jahre gesperrt.

© APA/Hochmuth Im Bild: Langstreckenläuferin Susanne Pumper

Oktober 2013: Hannes Hempel wird wegen des Nachweises verbotener Substanzen lebenslang gesperrt.

Oktober 2013: Ruderer Christof Uhl wird wegen Anwendung einer verbotenen Methode im Jahr 2004 rückwirkend für zwei Jahre gesperrt.

Februar 2014: Die ehemaligen Ruderer Wolfgang Sigl (ein Jahr Sperre) und Raphael Hartl (zwei Jahre) sowie deren damaliger Betreuer Martin Kessler (vier Jahre) werden nachträglich wegen Anwendung einer verbotenen Methode (Blutdoping) bestraft.

März 2016: Die Österreichische Anti-Doping Rechtskommission (ÖADR) verhängte gegen Skilangläufer Harald Wurm eine vierjährige Sperre. Der Tiroler habe gegen diverse Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen, so habe er u.a. auch die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verbotene Substanz Kobalt besessen und verwendet. Weiters habe er "intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von mehr als 50 ml innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden" und "intravaskuläre Manipulation von Blut oder Blutbestandteilen mit physikalischen oder chemischen Mitteln" angewandt, hieß es laut ÖADR. Wurm ist noch bis 12. Dezember 2019.

Februar 2014: Beim Skilangläufer Johannes Dürr wird bei einer Trainingskontrolle in Österreich vor dem olympischen 50-km-Rennen EPO nachgewiesen. Er ist geständig und wird nicht nur aus dem ÖOC-Team, sondern auch aus dem ÖSV ausgeschlossen.

Hauke Baldauf
© APA/Gindl Im Bild: Die Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke

27. Februar 2019: Im Zuge einer Doping-Razzia während der Nordischen Ski-WM in Seefeld hat es am Mittwoch in Seefeld und auch in Deutschland insgesamt neun Festnahmen sowie Hausdurchsuchungen gegeben. Unter den des Dopings verdächtigten Sportlern sind auch die ÖSV-Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke. Zusätzlich wurden auch ein kasachischer und zwei estnische Spitzensportler festgenommen, wie das Bundeskriminalamt am Mittwoch mitteilte. In Deutschland wurde ein Sportmediziner sowie ein deutscher Komplize festgenommen.

Lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von News (10/2019): Zwischen Opfer und Täter - die düstere Welt des Ex.Langlaufprofis Johannes Dürr

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