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Was wirklich gegen
Sonnenallergie hilft

Nachgefragt - Was wirklich gegen
Sonnenallergie hilft © Bild: iStockphoto.com

Eines gleich mal vorweg: Was wir gemeinhin als Sonnenallergie bezeichnen, heißt in Wirklichkeit polymorphe Lichtdermatose. Was aber hat es mit dieser Krankheit auf sich? Wie entsteht sie und - vor allem - was kann man dagegen tun? Wir befragten die Dermatologin Prof. Julia Valencak.

"Der Ausdruck Sonnenallergie ist fehlgeleitet", stellt die Expertin der MedUni Wien klar. Bei einer Allergie kommt es zu einer Immunreaktion. Antikörper werden produziert. Nicht so bei der Sonnenallergie, die in Wirklichkeit polymorphe Lichtdermatose, kurz PLD, heißt. Lichtdermatose, weil die Hautveränderungen durch Einwirkung von Sonnenlicht hervorgerufen werden. Polymorph, weil das Erscheinungsbild der Krankheit sehr vielfältig ist. Die polymorphe Lichtdermatose wird überwiegend durch UV-A-Strahlen ausgelöst. Diese können - im Gegensatz zu UV-B-Strahlen - sowohl Fensterglas als auch dünne Kleidung durchdringen.

Was ist die Ursache der Erkrankung?

Rund ein Fünftel der Bevölkerung ist betroffen. Tendenz steigend. Dennoch weiß man bis heute nicht, wodurch die polymorphe Lichtdermatose hervorgerufen wird. Man kann lediglich Vermutungen anstellen. Eine davon lautet, dass die durch den Klimawandel steigende Strahlenbelastung mitschuld an dieser Entwicklung ist. Eine andere bezieht soziale Faktoren mit ein: Ein Großteil der Bevölkerung verbringt seine Zeit in Innenräumen. Auf diese Weise kann sich die Haut nicht, wie von der Natur vorgesehen, langsam an die Sommersonne gewöhnen. Setzt man sie dann plötzlich den ohnehin immer stärker werdenden Strahlen aus, überstrapaziert man sie. Besagte Hautreaktionen sind die Folge. Abgesehen davon stehen gewisse chemische Filter in Sonnenschutzmitteln im Verdacht, PLD zu begünstigen.

Wie erkenne ich eine "Sonnenallergie"?

Die polymorphe Lichtdermatose kann sich auf sehr vielfältige Weise zeigen. Während die einen über Rötungen klagen, berichten andere von Knötchen, Bläschen oder nässenden Stellen. Die Hautveränderungen treten für gewöhnlich an sonnenexponierten Körperstellen wie etwa an den Armen, am Dekolletee, im Gesicht und an den Unterschenkeln auf. In der Regel gehen sie mit einem starken Juckreiz einher. Doch woher weiß ich, dass es sich tatsächlich um eine polymorphe Lichtdermatose handelt? Die Expertin rät zur Selbstanamnese: Hat man vielleicht gerade mit der Einnahme eines neuen Medikament begonnen oder etwas gegessen, das entsprechende Hautreaktionen verursachen könnte? Und treten diese an den für die "Sonnenallergie" typischen oder an anderen Körperstellen auf?

Können Medikamente PLD auslösen?

In Kombination mit Sonneneinwirkung können gewisse Medikamente Hautreaktionen hervorrufen, die denen der "Sonnenallergie" ähneln. Tatsächlich handelt es sich hier aber nicht um eine polymorphe Lichtdermatose, sondern um eine phototoxische Reaktion. Mit anderen Worten: Spezielle Inhaltsstoffe des Präparats führen zu einer Überempfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonne, aufgrund der es wiederum zu besagten Hautveränderungen kommt. Eine entsprechende Reaktion kann sich zum Beispiel bei der Einnahme von Doxycyclin zeigen, einem Antibiotikum zur Behandlung von Akne. "Wer damit in die Sonne geht, riskiert knallrote, brennende Flecken", warnt die Expertin.

Was hilft gegen die "Sonnenallergie"?

Es kommt darauf an, wie stark die polymorphe Lichtdermatose ausgeprägt ist. Bei leichten Fällen erfüllen meist schon gängige Produkte aus der Apotheke ihren Zweck. So zum Beispiel Aftersun-Lotionen und entzündungshemmende Heilsalben. Kühlende Packungen lindern den Juckreiz. Darüber hinaus sollte man die Sonne für ein, zwei Tage meiden. Schwerere Fälle machen den Einsatz von Kortison notwendig. Etwa dann, wenn man sich trotz erster Anzeichen einer PLD weiterhin der Sonne aussetzt. "Ohne Kortison lässt sich das dann fast gar nicht mehr beruhigen", so Valencak. Und obwohl Antihistaminika die durch die "Sonnenallergie" ausgelöste Entzündung nicht primär verhindern können, schaffen auch sie in nicht allzu schweren Fällen Abhilfe.

Sollen Betroffene die Sonne meiden?

Die Antwort lautet: Nein! Zwar ist im Aktufall natürlich Sonnenkarenz angesagt. So lange, bis die Haut sich wieder beruhigt hat. Abgesehen davon stellt die Pigmentierung aber den besten Schutz vor der polymorphen Lichtdermatose dar. Manche helfen sich hier mit einem Solariumbesuch. Ein solcher ist aber nur dann anzuraten, wenn er mit höchster Vorsicht realisiert wird: Zwei Mal fünf bis zehn Minuten auf schwächster Stufe im Abstand von einer Woche. Mehr nicht. Kann die Haut grundsätzlich keine Pigmente bilden, hilft allerdings auch kein Besuch im Solarium. Lediglich unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden kann die Bestrahlung mit UV-A-Licht unter Verabreichung von Psoralen. Dieses Mittel verhindert, dass sich die Haut entzündet. Der Nachteil: Über Jahre hinweg angewandt erhöht die sogenannte PUVA-Therapie das Hautkrebsrisiko.

Wie kann ich vorbeugen?

Das Mittel der Wahl lautet die Haut möglichst langsam und schonend in der Sonne bräunen. Vor allem Personen mit empfindlicher Haut werden auf der Suche nach der richtigen Sonnencreme in der Apotheke fündig. Andere wiederum schwören auf Produkte vom Diskonter. Die Dermatologin rät: Kaufen und ausprobieren. Und vor allem regelmäßig nachcremen. Hellhäutigen Personen empfiehlt sie - unabhängig davon, ob sie an PLD leiden oder nicht - einen Lichtschutzfaktor von 50 plus. "Viele denken: 'Damit werde ich nicht braun.' Aber das stimmt nicht. Es dauert zwar, dafür hält die Bräune dann aber auch länger", erklärt Valencak. Angeblich soll die Einnahme von Beta-Carotin der Entstehung von polymorpher Lichtdermatose vorbeugen. Wissenschaftlich erwiesen ist dieser Zusammenhang aber noch nicht.