Privatuniversität von

Wer ist George Soros?

Philanthrop inmitten von Verschwörungstheorien eröffnet Privatuni in Wien

Privatuniversität - Wer ist George Soros? © Bild: AFP/ Eric Piemont

In Wien soll bald ein weitererStandort der Central European University entstehen. Gegründet wurde die Universität von George Soros. Um den reichen, liberalen Juden ranken zahlreiche Verschwörungstheorien. In seinem Heimatland Ungarn wurde er zum Staatsfeind erklärt.

Georg Soros Persönlichkeit polarisiert. Für die einen ist er ein großzügiger Philanthrop, für andere ein knallharter Kapitalist. Der in den USA lebende Investor mit ungarischen Wurzeln gründete 1991 die Central European University mit Sitz in New York und einem Campus in Budapest. Die international ausgerichtete Privatuniversität und ihr Gründer ist der rechtskonservativen ungarischen Regierung ein Dorn im Auge. Jetzt wurde bekannt, dass ein dritter Standort auf dem Areal des Otto-Wagner-Spitals in Wien geplant ist. Die Wiener Stadtpolitik begrüßt die Entscheidung. Wer ist George Soros, an dem sich die Geister so scheiden?

Kapitalist oder Philanthrop?

Die 87-jährige Investorenlegende machte sich 1992, am sogenannten schwarzen Mittwoch, einen Namen, als er massiv gegen den britischen Pfund wetterte. Er war überzeugt, dass die Währung überbewertet war und tauschte geliehene Pfund in andere europäische Währungen. Unter dem Druck von Soros und anderer Spekulanten gab die Bank of England nach und wertete das Pfund ab. Innerhalb eines Tages gewann Soros eine Milliarde Dollar. Im Gegensatz zu anderen Spekulanten, die sich in der Öffentlichkeit zurückhielten, ließ er sich medienwirksam als Bezwinger der Bank of England feiern.

»Seit 1979 soll Soros insgesamt 32 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet haben.«

Für seine Spekulationen wird Soros seit Jahren zugleich bewundert und verachtet. Auch seine enorme Spendentätigkeit polarisiert. Seit 1979 soll Soros insgesamt 32 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet haben. Die von ihm gegründete Open Society Foundation ist die zweitgrößte philantropische Gesellschaft weltweit, gleich hinter der Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Frau Melinda.

Orban sieht Soros als "Feind des Volkes"

Soros unterstützt 60 Nichtregierungsorganisationen. Dazu gehört auch Transparency International, die Fälle von unrechtmäßiger Bereicherung im Umfeld vom ungarischen Staatschef Orban aufdeckten. Es ist wenig verwunderlich, dass die rechts-nationale Regierung seines Heimatlandes Ungarn, die zu seinen größten Kritikern gehört, es der NGO nun schwer macht. Auch die von ihm gegründete Central European University in Budapest steht seit vergangenem Jahr unter Beschuss und soll mithilfe eines neuen Hochschulgesetzes geschlossen werden.

Orban hatte im vergangenen Jahr mit einer Plakatkampagne deutlich gezeigt, was er von Soros hält. Die Regierung ließ Plakate im ganzen Land anbringen, die Soros mit einem teuflischen Lächeln zeigten. Nach Antisemitismus-Vorwürfen wurden diese wieder entfernt, doch die Behauptungen blieben: Orban warf dem Milliardär vor, dass jener plane die EU mit Migranten bevölkern zu wollen. Der Plakataktion folgte eine Volksbefragung gegen den angeblichen Plan von Soros. Orban erklärte Soros kurzerhand zum „Feind des Volkes“.

© AFP/ Attila Kisenedek Die Plakatkampagne der ungarischen Regierung wurde abgehängt, nachdem sie als antisemitisch kritisiert wurde

Was hat Soros mit Kurz zu tun?

Soros Name findet sich inmitten zahlreicher Verschwörungstheorien wieder. Insbesondere für die extrem Rechte stellt er seit Langem eine Hassfigur dar. In den Onlinemedien der französischen Front National wurde die These aufgestellt, dass Soros mit Islamisten zusammenarbeite. In vielen osteuropäischen Ländern, die politisch nach rechts rückten, wurde er vom beliebten Wohltäter zum Bösewicht, der als „allmächtiger Drahtzieher“, welcher befürworte Flüchtlinge unkontrolliert nach Europa zu lassen, Nationalstaaten destabilisieren wolle. In den sozialen Medien in Österreich hielt sich im vergangenen Jahr das Gerücht, dass Soros hinter der Liste-Kurz stecke. Er habe den Schritt von Kurz an die Spitze der Partei direkt befohlen oder zumindest gesponsert. Als Beweis dafür sah man Kurz Mitgliedschaft in einer von Soros geführten Denkfabrik, der European Council of Foreign Relations. Auf der Mitgliederliste steht Kurz zwar, aber genauso auch zahlreiche andere europäische Politiker mit den verschiedensten politischen Hintergründen. Zudem ist Soros nur einer von vielen Sponsoren des proeuropäischen Thinktanks.

Soros polarisierende Aktionen als Investor und als Philantrop scheinen Verschwörungstheoretiker zu zahlreichen Geschichten zu inspirieren. Hinzu kommt seine jüdische Abstammung, die von Rechtspopulisten gerne angebracht wird, um das Bild einer jüdischen Weltverschwörung aufrecht zu halten. Diese Kritiker sehen in ihm einen mächtigen Handlanger, der Einfluss auf die Weltpolitik nimmt. Gideon Rachman von der Financial Times beschrieb Soros in einem Artikel als den perfekten Bösewicht. Er sei zum meistgehassten Mann der Welt geworden, weil er ein Internationalist in einem nationalistischen Zeitalter sei.