Seltene Krankheit macht
Betroffene sprachlos

"Primär progressive Aphasie" von Ärzten oft mit Alzheimer verwechselt

Es ist eine Krankheit, die den Betroffenen nach und nach sprachlos macht. Die Rede ist von der "primär progressiven Aphasie", kurz PPA, deren offensichtlichstes Symptom der Sprachverlust ist. Da die PPA häufig mit Alzheimer verwechselt wird, arbeiten die Forscher der John Hopkins University und anderen Einrichtungen an neuen Methoden, um das Syndrom zu erkennen.

von Frau faltet Hände vor dem Mund © Bild: iStockphoto

Nur wenige Ärzte kennen die PPA, eine seltene Form der Aphasie, also einer Sprachstörung aufgrund einer Schädigung im Gehirn. Oft wird angenommen, dass Patienten an einer frühen Form von Alzheimer leiden. Das ist allerdings eine falsche Einschätzung, denn die PPA beeinflusst nicht das Gedächtnis der Betroffenen, sondern ausschließlich das Sprachvermögen. "Familien holen sich nicht sehr oft Hilfe, weil sie glauben, dass dies mit einer altersbedingten Demenz zu tun hat", erklärt Argye Elizabeth Willis von der John Hopkins University.

Ein aufgeschlagenes Buch liegt auf einer Parkbank
© Corbis

Neurologische Untersuchung gibt Aufschluss

In vielen Fällen werde der Unterschied zwischen Alzheimer und PPA erst durch einen Neurologen erkannt. Die Patienten mit PPA vergessen Instruktionen nicht und wiederholen auch keine Fragen. Das ist ein eindeutiges Indiz, dass das Gedächtnis in diesem Fall nicht für die Sprachlosigkeit verantwortlich ist. Dafür ist das Krankheitsbild durch Wortfindungsstörungen, Problemen der Objektbenennung und des Wortverständnisses gekennzeichnet.

Neue Form der Therapie getestet

Patienten mit Gehirnverletzungen oder einem Schlaganfall leiden zwar oft auch an Sprachproblemen, jedoch nicht an PPA. Die Aphasie wird durch die Erkrankung und die damit einhergehenden ausgelösten Kommunikationsschwierigkeiten im Sprachzentrum des Gehirns ausgelöst. MRI-Scans können den Unterschied sichtbar machen. Forscher testen derzeit eine Form der Therapie, bei der elektrische Signale durch den Kopf geleitet werden. Bei den ersten Probanden zeigte sich dadurch bereits eine Verbesserung der Sprachfähigkeit.

Kommentare